28.04.2010, 08:22 Uhr
Der Mann des Abends in Lyon: Ivica Olic. (Foto: ddp)Es war grottenschlecht, was Ivica Olic im Stade Gerland ablieferte. Die Bayern-Fans hatten den Helden des Abends zum Vorsänger des Jubel-Rituals auserkoren, doch der Kroate vermasselte die Sieges-Humba vor dem Block der Rot-Weißen nach allen Regeln der Kunst. Schließlich musste Hamit Altintop einspringen, um die Performance einigermaßen zu retten. Doch das war schon der einzige Patzer von Olic.
Der 29-jährige Publikumsliebling schoss den FC Bayern beim grandiosen 3:0 (1:0)-Triumph bei Olympique Lyon mit seinen drei Toren (26., 67. und 78.) im Alleingang ins Champions-League-Finale und sorgte für grenzenlosen Jubel unter den 2800 mitgereisten Anhängern und den Klub-Verantwortlichen gleichermaßen.
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Erstmals seit dem Sieg 2001 steht der FC Bayern nach neun Jahren wieder im Finale der Königsklasse. "Was wir heute gesehen haben, war fast Fußball in Vollendung", frohlockte folglich nach der Partie ein stolzer Uli Hoeneß. "So etwas habe ich von Bayern München in einem so wichtigen Spiel schon lange nicht gesehen."
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Der Mann des Abends blieb wie immer bescheiden. "Es war wichtig, dass wir wie eine Mannschaft gespielt haben, dann ist es einfach", sagte Olic und konnte wenige Minuten nach dem Spiel immer noch kaum fassen, was da gerade passiert war: "Ich habe gedacht, Manchester war das Spiel meines Lebens. Aber drei Tore in so einem Spiel, das ist überragend." Mittlerweile hat das Laufwunder sieben Tore in der Königsklasse erzielt und kann sogar den führenden Lionel Messi (acht Tore) noch übertrumpfen, der mit dem FC Barcelona gegen Inter Mailand den Final-Gegner der Bayern ermittelt (ab 20.30 Uhr im FUSSBALL.DE Live-Ticker). Drei Treffer in einem Halbfinale in diesem Wettbewerb gelang neben Olic übrigens nur noch Juventus-Stürmer Alessandro Del Piero.
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Auf den Tag genau vor einem Jahr feuerte der FC Bayern Trainer Jürgen Klinsmann und stand vor dem Scherbenhaufen einer durch und durch missratenen Saison. Exakt 365 Tage später darf der deutsche Rekordmeister vom größten Triumph in der Vereinsgeschichte träumen. Der Bundesliga-Tabellenführer steht im Finale des DFB-Pokals und könnte mit einem Sieg im Champions-League-Endspiel am 22. Mai im Estadio Santiago Bernabéu von Madrid alle drei möglichen Titel abräumen. "Wir haben noch vier Spiele und danach wird gefeiert, bis die Wände wackeln", blickte Präsident Hoeneß nach dem eindrucksvollen Sieg gegen Lyon euphorisch auf das Restprogramm. "Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Es sieht gut aus", sagte auch der wieder einmal überragend agierende Bastian Schweinsteiger, mahnte jedoch auch zur Vorsicht. "Gewonnen haben wir noch nichts."
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Vater der unglaublichen Erfolgsgeschichte ist zweifelsohne Louis van Gaal. Der Trainer-Fuchs musste vor dem Spiel erneut einige knifflige Personalentscheidungen treffen. Die angeschlagenen Akteure Daniel van Buyten und Martin Demichelis meldeten sich zwar beide in letzter Sekunde einsatzbereit, doch van Gaal ließ Demichelis zunächst auf der Bank, um das Risiko frühzeitiger Wechsel zu minimieren. Der Spielverlauf gab dem knorrigen Niederländer wieder einmal recht. Van Buyten musste zur Pause raus, für ihn kam Demichelis doch noch zu seinem Einsatz. "Micho war böse, weil er nicht von Anfang an spielte", gab van Gaal zu. Das schien ihm der Argentinier zur Halbzeit auch gesagt zu haben. Van Gaal reagierte auf seine Art und gab dem Argentinier an der Seitenlinie ein Küsschen auf die Wange. Der war völlig baff und lief mit einem ungläubigen Lächeln für die zweiten 45 Minuten aufs Feld.
Mit einem Lächeln agierten auch die Bayern über die gesamte Spielzeit. Zu keiner Phase der Partie konnte Lyon den großen Worten vom Vortag Taten folgen lassen. Bayern war stets Herr im fremden Haus. Insbesondere Altintop, der für den gesperrten Franck Ribéry auf der ungewohnten linken Außenbahn agierte, spielte so stark auf, dass keiner den Dribbelkünstler vermisste. "Gestern Abend beim Bankett hatte man das Gefühl, die Franzosen waren sich ihrer Sache sehr sicher. Da hat man gedacht: Die führen uns jetzt schön zu Bocuse zum Essen aus und schlachten uns dann morgen ab", konnte sich Hoeneß einen kleinen Seitenhieb Richtung Lyon nicht verkneifen.
Überhaupt kam der 58-Jährige aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Mit Philipp Lahm, Schweinsteiger sowie Holger Badstuber, Thomas Müller, Diego Contento und in der Schlussphase David Alaba standen sechs Spieler aus der eigenen Jugend auf dem Platz. Die vier letztgenannten kannten vor einem Jahr höchstens einige wenige Fachleute. Hoeneß: "Wir haben eine gesunde Mischung aus guten teuren Transfers und Eigengewächsen. Das ist der Verdienst von Louis van Gaal. Er hat von Anfang an gesagt: wenn ihr mir Zeit gebt, werde ich den einen oder anderen einbauen."
Mit diesen jungen Nachwuchskräften sowie dem Dauerrenner Olic konnte van Gaal sein taktisches Konzept voll umsetzen. "Wir haben ein sehr gutes Pressing gespielt. Das war zuviel für Lyon", analysierte der Coach. "Wir hatten das Spiel dadurch ziemlich gut im Griff", ergänzte der verlängerte Arm des Trainers auf dem Platz Mark van Bommel. Der Kapitän war mächtig stolz auf seine Mannschaft. "Was wir heute Abend geleistet haben war großes Kino." Im Endspiel muss der FC Bayern allerdings eine ähnlich starke Leistung abrufen. Auf die Frage, wen er sich denn im Finale wünsche, antwortete van Gaal auf seine ganz spezielle Weise: "Ich habe immer Barcelona als Vorbild genannt, es wäre fantastisch gegen unser Vorbild zu spielen. Barcelona ist die beste Mannschaft. Aber gegen Inter Mailand können wir eher gewinnen."
Quelle: FUSSBALL.DE
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