02.11.2011, 09:46 Uhr | hfv.de
ODDSET-Talk-Runde (v.l.): Uwe Seeler, Carsten Byernetzki, Klaus-Dieter Fischer, Christian Pletz und Michael Neumann (Foto: Gettschat)
Der Hamburger Fußball-Verband (HFV) und LOTTO Hamburg luden am 31. Oktober zur vierten Auflage des ODDSET-Talks. Mit dem HSV-Idol und DFB-Ehrenspielführer Uwe Seeler, Klaus-Dieter Fischer (Präsident und Geschäftsführer SV Werder Bremen) sowie Michael Neumann, dem Senator für Inneres und Sport der Hansestadt Hamburg nahmen an der Gesprächsrunde in OPUS-Lounge, der Bar im Hotel Le Royal Méridien, namhafte Experten aus Sport und Politik teil.
Moderiert wurde die Veranstaltung von HFV-Pressesprecher Carsten Byernetzki und dem ehemaligen Sportredakteur des Hamburger Abendblatts Christian Pletz, der vor rund 100 geladenen Gästen den kurzfristig erkrankten Kollegen Dieter Matz vertrat.
"Alles, was ich über Solidarität weiß, habe ich beim Fußball gelernt", wusste Fischer die Eingangsfrage, was er unter sozialer Verantwortung des Sports verstehe, mit einem Zitat von Albert Camus zu beantworten. Seiner Ansicht nach stünden insbesondere Profivereine in der Pflicht, sich um soziale Belange zu kümmern und Themen wie gesellschaftliche Migration mit Nachhaltigkeit anzugehen. Neumann ergänzte: "Auf dem Platz ist es wie im Leben. Man lernt dort unter anderem das Akzeptieren von Regeln sowie den Umgang mit Sieg und Niederlage." Kurzum: Sport sei Schulung für unsere Gesellschaft, der zentrale Schlüssel, dass wir zusammen bleiben müssen.
Seeler blickte unterdessen auf seine aktiven Spielerzeiten zurück und betonte, dass er es von Anfang an beigebracht bekommen habe, dass man im Fußball nur etwas in der Gemeinschaft erreichen könne. Für ihn sei die soziale Verantwortung des Fußballs schnell etwas Selbstverständliches geworden. "Das ist keine Weisheit, sondern nur meine Erfahrung", unterstrich Seeler, der zwischen 1953 und 1972 imposante 404 Tore in 476 Spielen schoss.
Als die Moderatoren das Gespräch auf die Vorbildfunktion der aktuellen Profifußballer lenkten, hatte Fischer eine kleine Überraschung parat. Aufgrund der großen Leistungen Seelers um die integrative Wirkung des Sports überreichte der Werder-Macher der Ikone des Hamburger Sportvereins eine Statur der Bremer Stadtmusikanten – für gewöhnlich ein Präsent, das bei Werder Bremen verdienten Mitgliedern vorbehalten ist. Den Ritterschlag des Nordrivalen nahm Seeler, der am 5. November seinen 75. Geburtstag feiert mit einem freudigen Lächeln zur Kenntnis, um gleich wieder zum Thema zurück zu kommen. "Die Spieler sind automatisch Vorbilder – ob sie es nun sein wollen oder nicht", konstatierte der ehemalige Weltklasse-Torjäger. In eine ähnliche Kerbe schlug Neumann, der den Fokus jedoch nicht ausschließlich auf den Profifußball legen wollte, sondern betonte, dass insbesondere der Amateurfußball mannigfaltige Vorbilder hervorbringe. Ehrenamtliche, Eltern und Trainer seien hier gleichermaßen zu nennen, nur oft würden eben jene in der breiten Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen werden wie die medial stark präsenten Profis.
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