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Tim Göhlert: "Wir sind weiter als Hoffenheim damals"

28.12.2012, 12:29 Uhr | FUSSBALL.DE

Tim Göhlert spielt seit 2005 beim 1. FC Heidenheim. (Quelle: imago/osnapix)

Tim Göhlert spielt seit 2005 beim 1. FC Heidenheim. (Quelle: imago/osnapix)

Das Interview führte Kieran Brown

Tim Göhlert ist Abwehrchef beim 1. FC Heidenheim. Er schoss 2009 das erste Drittliga-Tor in der Geschichte des Klubs. Am Aufstieg ist die Mannschaft bislang mehrfach knapp gescheitert. Göhlert träumt noch von der zweiten Liga und möchte seine Karriere irgendwann in Heidenheim beenden. Danach startet er eine zweite Karriere, als Arzt. Die Voraussetzungen hat er mit dem abgeschlossenen Medizinstudium geschaffen.

Im Interview mit FUSSBALL.de spricht der 28-Jährige über seine kurzfristigen Ziele als Fußball-Profi sowie seine langfristige Perspektive als Arzt.

Heidenheim spielt eigentlich seit Jahren um den Aufstieg in die zweite Bundesliga mit. Glauben sie in dieser Saison daran?

Im Moment haben wir viel Rückstand. Trotzdem haben wir in den letzten Jahren natürlich Blut geleckt und wollen das irgendwann packen. In der Rückrunde haben wir noch genug Spiele, um die Lücke nach oben zu schließen. Wir glauben definitiv daran, dass wir stark genug sind.

Medial steht der Verein eher selten im Blickpunkt. Diesen Platz nehmen die vielen Traditionsvereine in der Liga ein. Stört sie das oder sehen Sie hier vielmehr auch die positiven Aspekte?

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Ich empfinde das gesamte Umfeld in Heidenheim als sehr angenehm. Man muss sagen, dass sich hier in den letzten Jahren aber auch sehr viel entwickelt hat und die Aufmerksamkeit stetig zunimmt. Ein regionaler TV-Sender ist zum Beispiel jede Woche vor Ort. Mit Mannschaften wie dem Karlsruher SC, Kickers Offenbach oder Hansa Rostock können wir da aber natürlich nicht mithalten.

Im Juli 2009 erzielten sie gegen den Wuppertaler SV das erste Drittliga-Tor in der Geschichte des Klubs. Das "Projekt" Profi-Fußball in der Region ist noch sehr jung und sie sind von Anfang an dabei. Hat sich schon eine eigene Fankultur entwickeln können in den wenigen Jahren?

Wir haben tolle Fans, da können wir wirklich stolz sein. Ich vergleiche das gerne mit der TSG 1899 Hoffenheim. Ich denke da sind wir jetzt schon ein bisschen weiter, als Hoffenheim es zu Drittliga-Zeiten war. Gerade auswärts haben wir inzwischen in der Regel viele Fans dabei und auch zuhause einen guten Zuschauerschnitt. Mit unserer Fankultur und der Infrastruktur können wir sehr zufrieden sein, auch wenn das immer ausbaufähig ist. Wir sind definitiv zu einem Aushängeschild der Stadt geworden und freuen uns über die breite Unterstützung.

Sie spielen mit einigen ehemaligen Bundesliga-Spielern wie Michael Thurk oder Nico Frommer zusammen. Spornt sie das an, vielleicht auch nochmal weiter oben anzuklopfen?

Etwas Anderes als Heidenheim kann ich mir nicht vorstellen, mehr als die dritte Liga aber auf jeden Fall. Ich spiele seit 2005 im Verein, bin mit der Gegend verwachsen und habe meine Familie hier. Außerdem ist es für mich schön und wichtig zu wissen, dass auch nach der Karriere eine spannende und schöne Aufgabe auf mich wartet. Klar ist natürlich auch, dass wir von den Spielern mit höherklassiger Erfahrung nur profitieren können, das spornt uns absolut an.

Sie haben ihr Medizinstudium abgeschlossen, haben sogar bereits darüber nachgedacht, ihre Schuhe an den Nagel zu hängen. Mit 28 Jahren ist das ungewöhnlich, genau wie das Studium für einen Profi ungewöhnlich ist. Wie malen sie sich ihre kurz- bis mittelfristige Perspektive aus?

Im Moment steht für mich fest, dass ich solange spiele wie es der Körper mitmacht. Die damalige Überlegung bezüglich eines Karriere-Endes war der Tatsache geschuldet, dass ich nach dem Ende des Studiums nicht zu viel Zeit verstreichen lassen wollte, bis ich ins Berufsleben einsteige. Ich habe mich aber vorerst für den Fußball entschieden und werde solange am Ball bleiben, wie ich der Mannschaft helfen kann.

Schildern Sie doch mal ihren Werdegang. Sie spielen seit sieben Jahren in Heidenheim und haben den Aufstieg des Klubs von Anfang an mit erlebt.

Damals bin ich ja zu einem Oberligisten gewechselt, ohne Ambitionen, Profi zu werden. Das war auch nie ein Kindheits-Traum von mir. Während des Studiums hat sich das hier entwickelt, wir wurden immer erfolgreicher und haben uns 2009 für die dritte Liga qualifiziert. Positiv für mich war, dass alle zu jeder Zeit akzeptiert haben, dass das Studium für mich im Vordergrund steht. Es war aber zum Glück alles miteinander vereinbar. Weder an der Uni noch beim Fußball musste ich häufiger Termine ausfallen lassen. Während unserer ersten Drittliga-Saison habe ich mein letztes Staatsexamen abgelegt, so dass ich nach meiner Zeit als Fußballer direkt mit der Facharzt-Ausbildung zum Neurologen beginnen kann. Das ist ein beruhigendes Gefühl und gibt mir und meiner Familie Sicherheit.

Haben sie als Sportler eigentlich Vorteile durch die medizinische Ausbildung, zum Beispiel durch die Kenntnisse der Physiologie des Körpers?

Das glaube ich nicht, da wird uns allen vom Trainer- und Ärzteteam ohnehin sehr viel an Informationen und Tipps mit auf den Weg gegeben. Man sollte den Fußball auch nicht komplizierter machen als er ist. Die wichtigste Rolle neben den körperlichen Voraussetzungen spielt meiner Meinung nach sowieso der Kopf. Die psychologische Komponente im Profi-Sport darf nicht unterschätzt werden.

Geben sie den Kollegen gelegentlich gesundheitliche Tipps oder schauen bei kleineren Blessuren auch selber mal nach?

Ich spiele da eine eher untergeordnete Rolle. Wir haben ja meist unseren Physiotherapeuten und den Arzt dabei. Klar ist, dass ich bei Verletzungen im Training auch Ansprechpartner bin und auch mal bei der Erstversorgung helfe. In erster Linie bin ich aber ein ganz normaler Bestandteil des Teams. Ich möchte auch gar nicht, dass meine Rolle als Arzt da zu sehr in den Vordergrund rückt – weder intern noch extern.

Quelle: FUSSBALL.DE

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