25.07.2011, 17:45 Uhr
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Seine Entscheidung, Pedro Geromel und nicht Lukas Podolski zum neuen Kapitän des 1. FC Köln zu machen, ist eine unmissverständliche Machtdemonstration von Stale Solbakken. Der neue Trainer der Geißböcke hat mit dieser Entscheidung den alten Einflussgrößen des Vereins den Kampf angesagt. Solbakken zeigt: Er ist bereit, jederzeit unpopuläre Entscheidungen zu treffen, egal, was das (mediale) Umfeld des Vereins fordert. Und für Podolski bedeutet die Degradierung: Er muss jetzt nachweisen, dass er ein echter Profi ist und kein erwachsenes Kind, dem man sein Spielzeug weggenommen hat. (Video: K-Frage beantwortet: Geromel erhält die Binde)
Der lange Weg zu Solbakkens Entschluss, Geromel die Kapitänsbinde zu geben, wurde von den Kölner Boulevard-Medien in den vergangenen Wochen als "falsches Spiel" mit "Verlierern auf allen Seiten" bezeichnet. Dabei hat der Norweger genau das gemacht, was er angekündigt hatte: jeden einzelnen Spieler kennen gelernt, das Mannschaftsgefüge analysiert, festgestellt, welcher Spieler welchen Stellenwert hat und wessen Ansprachen Gehör finden. Und am Ende hat er sich für einen ruhigen, aber sachlichen und klugen Kopf entschieden. Und sportlich ist Geromel ohnehin in der FC-Defensive das, was Podolski für die Offensive ist: überlebenswichtig. Verlierer gibt es bei dieser Entscheidung zunächst einmal nur auf medialer Seite, denn der Boulevard musste erkennen, dass er trotz der "Pro-Podolski-Kampagne" den neuen Coach nicht zum Umdenken bewegen konnte.
Ob auch Podolski am Ende des Tages ein Verlierer der Kapitänsfrage ist, entscheidet er ganz alleine. Dass der seit Jahr und Tag in Köln gefeierte Prinz den Entschluss Solbakkens als Vertrauensentzug werten wird, gilt als sicher. Doch der Nationalspieler muss jetzt zeigen, dass er ein echter Führungs- und Mannschaftsspieler ist. Denn ein solcher definiert sich nie nur über ein Stück Stoff am Ärmel, sondern durch Taten und Worte auf und neben dem Platz. Die kommende Saison wird zeigen, ob Podolski wirklich bereit ist, immer und unter allen Umständen alles für seinen Verein zu tun. Oder ob er sich als beleidigte Leberwurst zurückzieht und dem Verein dadurch schadet. Das, so viel steht schon jetzt fest, wäre jemandem, der eigentlich Kapitän sein will, unwürdig.
Quelle: sid , FUSSBALL.DE
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