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Bender: "Ich setze mich in kein gemachtes Nest"

22.03.2013, 13:57 Uhr | DFB.de

Manni Bender (Quelle: imago\Hartenfelser)

Manni Bender steht bei Kickers Offenbach vor einer schwierigen Aufgabe. (Quelle: Hartenfelser/imago)

Manfred Bender ist zurück auf der deutschen Fußballbühne. Der 46-Jährige hat am Dienstag seine Arbeit als Geschäftsführer Sport bei Kickers Offenbach in der 3. Liga angetreten. Als Fußballprofi brachte es Bender auf 229 Einsätze und 42 Tore in der Bundesliga. Seine Vereine dort hießen FC Bayern München, Karlsruher SC und TSV 1860 München. Mit den Bayern wurde der Mittelfeldspieler gleich in seiner ersten Saison Deutscher Meister (1989), mit dem KSC zog er in den UEFA-Cup ein (1993) und stand im Finale des DFB-Pokals (1996).

Im Interview spricht Manfred Bender über die neue Arbeit, falsches Schubladendenken, verpasste Chancen, Tippspiele mit seiner Frau und seine Castingshow-Erfahrungen.   

DFB.de: Herr Bender, für was steht Kickers Offenbach aus Ihrer Sicht?
Manfred Bender: Für einen Traditionsverein, bei dem immer Stimmung herrscht, bei dem immer Action ist – und bei dem es auch mal leicht chaotisch zugeht.

Und für was steht Manfred Bender?
Eine gute Frage. Ich bin ein sehr loyaler, sehr korrekter und sehr disziplinierter Mensch. Das war ich schon immer. Ich weiß, dass ich in meiner Zeit als Profi nach außen hin als lockerer Typ wahrgenommen worden bin. Ich war für die Medien immer ein angenehmer Gesprächspartner, weil die wussten, der Bender lässt regelmäßig einen Spruch raus. Das war die Oberfläche. Sich von der A-Klasse in die Bundesliga zu arbeiten, ist nicht möglich ohne die nötige Einstellung. Disziplin und Ehrgeiz sind unumgänglich, um Profi zu werden und zu bleiben. Das wird oft gar nicht hinterfragt, stattdessen wird lieber in Schubladen gedacht.

Ärgert Sie das?
Natürlich. Da geht einmal eine Schublade auf, und man kommt nicht mehr raus. Uwe Bein war immer der Mann mit dem tödlichen Pass. Andreas Möller war die Heulsuse, weil er eine Sensationsschwalbe hingelegt hat - bei der ich übrigens hautnah dabei war. Andi hat einen Fehler gemacht und war sofort abgestempelt. Aber es bringt nichts, sich darüber aufzuregen. Je mehr man das tut, desto stärker kommt das Thema wieder auf.

Was reizt Sie an Ihrem neuen Job in Offenbach?
Dass es richtig Arbeit ist. Ich setze mich beim OFC nicht in ein gemachtes Nest. Das habe ich schon damals beim FC Bayern nicht, als ich mich als Amateurspieler aus Unterhaching nach oben gekämpft habe. Das habe ich auch in Österreich nicht, als ich den 1. FC Vöcklabrück als Abstiegskandidaten zum Aufstieg in die 2. Liga geführt habe oder wir den SC Rheindorf Altach in der Bundesliga gehalten haben, obwohl alle den Abstieg prophezeit hatten.

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Also hat Sie die schwierige Situation beim OFC eher angezogen als abgeschreckt?
Genau. Ich habe ein Faible für Herausforderungen. Und natürlich spielt der Verein eine Rolle. Offenbach hat Potenzial, der Klub ist keine graue Maus, hier kann man etwas aufbauen. Ich hätte sicherlich länger gegrübelt, wenn es sich um einen Verein ohne große Tradition und tolles Stadion gehandelt hätte.

Wie wollen Sie dazu beitragen, die Kickers wieder auf festere Füße zu stellen?
In erster Linie werde ich ganz eng mit Trainer Rico Schmitt zusammenarbeiten. Es laufen einige Verträge aus. Es gibt auch ein paar Verträge, bei denen ich mir denke, dass ich gerne nochmal 20 Jahre jünger und Spieler wäre (lacht). Ich gehe davon aus, dass wir in der 3. Liga bleiben. Wir wollen dann für die neue Saison eine Mannschaft formen mit Spielern, die in den finanziellen Rahmen passen. Ich weiß, das wird schwierig. Aber es wird gelingen, weil der OFC weiterhin einen guten Namen hat.

Ihr Ex-Verein SpVgg Unterhaching hat vor der Saison radikal abgespeckt und schlägt sich sportlich ordentlich. Ein Vorbild?
Unterhaching ist sicherlich ein gutes Beispiel. Allerdings darf man nicht blauäugig sein. Das kann man nicht jahrelang so machen. Die Unterhachinger haben den Vorteil, dass sie einen Topstart in die Saison hingelegt haben. Seit der Winterpause läuft es sportlich nicht mehr so rund. Einen Zwischenweg zu finden, wäre für den OFC ideal.

Kann Sie der Trainer eigentlich noch ins Flanken- und Standardsituationentraining einbinden?
Eher nicht (lacht). Ich könnte es vielleicht erklären, aber mit der Praxis wird es schwierig. Da bin ich aus der Übung. Ich halte mich trotzdem noch sportlich fit, darum bin ich körperlich für mein Alter noch ganz ordentlich anzuschauen (lacht).

Sie waren bekannt für Ihre starke Schuss- und Flankentechnik. War das vor allem Talent oder in erster Linie Training?
Es war reine Trainingssache. Ich habe jede Woche hunderte von Freistößen, Eckbällen und Flanken geschossen. Ich hatte großen Ehrgeiz. Wenn ich einen Freistoß 30 Zentimeter vom Winkel entfernt versenkt habe, sollten es beim nächsten Mal nur noch 15 Zentimeter sein. Ohne diesen inneren Antrieb geht es nicht.

Wie fällt der persönliche Rückblick auf Ihre Profizeit aus?
Es gibt wenige Spieler, die ihre Profikarriere beenden und sagen, sie sind richtig zufrieden. Ich konnte nie verlieren. Ich kann das selbst heute nicht, wenn ich „Mensch ärgere Dich nicht“ gegen meine fünfjährige Tochter spiele. Natürlich lasse ich mir das vor ihr nicht anmerken (lacht). Mit meiner Frau tippe ich seit zwölf Jahren alle Bundesligaspiele. Sie hat in dieser Zeit eine Saison gewonnen. Derzeit liegt sie wieder vorne, das stinkt mir.

Noch einmal zurück zur Frage und Ihrer Profizeit…
Natürlich hätte ich gerne das DFB-Pokal-Finale 1996 gegen Kaiserslautern gewonnen, in das wir mit dem Karlsruher SC als haushoher Favorit gegangen sind. Ich denke auch an das Halbfinale im Europapokal der Landesmeister gegen Roter Stern Belgrad, als wir im Rückspiel durch ein kurioses Eigentor in der 91. Minute ausgeschieden sind und Roter Stern anschließend den Cup gegen Olympique Marseille gewonnen hat. Das sind Situationen, die nie wieder kommen. Oder das Thema Nationalmannschaft: Berti Vogts wollte mich als junger Spieler bei Bayern mal einladen, doch mein damaliger Trainer Jupp Heynckes hat ihm und mir gesagt, dass das noch zu früh käme. Später bin ich nie mehr reingekommen.

Sie haben schon als Trainer gearbeitet. War das dauerhaft nichts für Sie?
Ich wollte nach meiner Tätigkeit in Österreich und Nigeria gerne Fuß fassen in Deutschland und den nächsten Schritt machen. Ich glaube, es ist gut, wenn man als Geschäftsführer Sport auch Erfahrungen als Trainer hat. Trainer zu sein, hat mir großen Spaß gemacht. Aber ich glaube, es wird mir noch mehr Spaß machen, Sportdirektor zu sein. Und eins kann ich versprechen: Ich werde nicht versuchen, über diesen Weg zurück auf die Trainerbank zu kommen – auch wenn das einige vermuten. 

In Österreich haben Sie auch eine Castingshow gemacht.
Das hieß nur Castingshow, weil es dann im Fernsehen lief. Ursprünglich lautete der Titel: "Fußballprofi auf dem zweiten Bildungsweg." Wir wollten Spielern, die mit 17, 18, 19 nicht den Sprung zu den Profis geschafft hatten, noch eine Chance geben, vielleicht ihren Traum zu verwirklichen. Thomas Häßler war unter anderem mit im Boot, auch der Österreichische Fußball-Bund. Zur ersten Trainingsrunde hatten sich 400 Leute angemeldet, zur zweiten 1000. Am Ende waren 15 Spieler übrig, die ein Testspiel gegen den Erstligisten SV Kapfenberg bestritten haben. Der beste Spieler des gesamten Castings hat dann einen Vertrag in Kapfenberg bekommen. Aber er hat den Durchbruch nicht geschafft.

Zum Abschluss: Fühlen Sie sich eigentlich geschmeichelt, dass ein aktueller Nationalspieler per Spitzname nach Ihnen benannt ist?
Ja, Sven Bender wird „Manni“ genannt. Ich sehe das positiv. Wir haben uns schon mal getroffen und herzhaft über die Geschichte gelacht. Sven ist ein sehr netter, sehr bodenständiger Typ – und schon zweimal Deutscher Meister. Was den Spitznamen betrifft: Es hätte ihn schlimmer treffen können.

Quelle: DFB.de

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