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Thorsten Barg: Comeback nach über zwei Jahren

15.11.2012, 19:27 Uhr | FUSSBALL.DE

Thorsten Barg vom SV Wehen Wiesbaden hat sich in die 3. Liga zurückgekämpft.  (Quelle: imago)

Thorsten Barg vom SV Wehen Wiesbaden hat sich in die 3. Liga zurückgekämpft. (Quelle: imago)

Von Jochen Breideband

Zwei Jahre. Zwei Jahre ohne Fußball, dafür mit vielen Sorgen, einer schweren Verletzung, drei Operationen, Komplikationen, Zweifeln. Thorsten Barg hat eine unglaubliche Leidenszeit hinter sich. Zwischenzeitlich war er wochenlang ans Bett gefesselt, durfte nur aufstehen, um auf Toilette zu gehen. Kein Gedanke mehr an Profisport. Bei der Frage nach einem Comeback schüttelten fast alle Ärzte den Kopf. Doch Thorsten Barg hat es geschafft, er ist zurück.

Ende Oktober stand der Abwehrspieler des SV Wehen Wiesbaden, dessen älterer Bruder Benjamin beim Zweitligisten VfR Aalen unter Vertrag steht, wieder in der 3. Liga auf dem Platz. Eingewechselt beim Auswärtsspiel gegen Alemannia Aachen, kurz vor Schluss, um das Unentschieden zu sichern. Nicht mehr als eine Fußnote in den Datenkolonnen einer Saison. Für Barg waren es jedoch große Augenblicke, bewegende Augenblicke. Die kleine Schar der Wehener Fans rief seinen Namen. "Ein Gänsehaut-Moment", sagt der 26-Jährige. Am Samstag könnte der nächste folgen. Im Hessenderby gegen Kickers Offenbach steht Barg vor seinem ersten Auftritt in der heimischen Arena nach der langen Pause. 

Zweimal deutscher Vizemeister unter Lewandowski

Thorsten Barg war bei den A-Junioren zweimal deutscher Vizemeister. 2004 mit dem VfL Bochum, 2005 mit Bayer Leverkusen unter dem heutigen Bundesligatrainer Sascha Lewandowski. Thorsten Barg war Kapitän des SV Wehen Wiesbaden, des Klubs, zu dem er im Sommer 2008 über die Zwischenstation Karlsruher SC gefunden hatte. Er wollte mit Wehen zurück in die 2. Bundesliga. Dann kam der 11. September 2010.

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Es war der siebte Spieltag in der 3. Liga. Wehen Wiesbaden, mit 16 Punkten aus sieben Spielen top gestartet, gastierte beim FC Heidenheim. In der 33. Minute ging Barg in ein Kopfballduell, so wie es Abwehrspieler gewohnt sind. Er ging zu Boden, wie es Abwehrspieler gewohnt sind. Das Gefühl beim Aufstehen - kein gewohntes. Der Fuß war taub. Barg humpelte an die Auslinie, noch nichts Böses ahnend. Dort ertastete der Mannschaftsarzt, dass die Achillessehne nicht mehr an Ort und Stelle war – sie war gerissen.

Auf Kreuzbandriss folgt Achillessehnenriss

 Ein Jahr zuvor hatte sich Barg das Kreuzband gerissen. Sechs Monate hatte er gebraucht, um wieder fit zu werden. Dieser Zeitraum wurde auch nach der neuerlichen Verletzung veranschlagt. Nach dem ersten Frust ging der Blick des Spielers schnell nach vorne. Barg ließ sich bei einem Spezialisten in Basel operieren und begann seine Reha. Doch es lief nicht wie geplant, die Bewegungen blieben eingeschränkt. Bei einer Nachuntersuchung drei Monate später zeigten die MRT-Bilder, dass die Naht im Sehnenbereich nicht gehalten hatte und das Gewebe kaputt war.

Im Januar 2011 die zweite Operation. Längst war klar, dass die Saison für den Innenverteidiger gelaufen war. Ein Implantat wurde eingesetzt, ein Stück Sehne aus der Wade entnommen. Barg ließ es diesmal langsamer angehen, schien auf einem guten Weg – bis zum nächsten Rückschlag. Die Naht hatte sich geöffnet, es trat Flüssigkeit aus, eine Infektion bildete sich. Also nochmal alles von vorne. Wieder OP – und es kam noch schlimmer.

 Sieben Wochen im Bett mit offenem Bein

In der Nacht nach dem dritten Eingriff handelte sich Barg eine Blutvergiftung ein. Die resultierende Wundheilungsstörung zwang ihn zu strenger Bettruhe, sieben Wochen lang. Barg hatte eine offene Stelle am Bein, die langsam von innen nach außen heilen musste. "Viel Zeit zum Nachdenken und eine ganz bittere Zeit", sagt er rückblickend: "Ich habe an alles gedacht, nur nicht mehr an Profifußball."

Von den Medizinern glaubte nur noch der operierende Arzt an ein mögliches Comeback. In der Liga war er weitgehend in Vergessenheit geraten, nur in seinem Verein nicht. Zweimal verlängerte der SV Wehen Wiesbaden den Vertrag. "Mir wurde immer gesagt, dass ich alle Zeit bekomme", sagt er. Die Verantwortlichen um Geschäftsführer Wolfgang Gräf hielten Wort. Dafür empfindet Barg tiefe Dankbarkeit: "Ich hätte sonst keine Chance mehr gehabt." 

Vorfreude auf 150 Zuschauer

Irgendwann keimte wieder das zarte Pflänzchen der Hoffnung. Barg schuftete täglich sechs Stunden in der Reha, begann zu joggen, machte im Mai auf dem Trainingsplatz alleine erste Übungen mit dem Ball. Ins Mannschaftstraining stieg er mit Beginn der Sommervorbereitung ein. Mit den meisten Kollegen hatte er noch nie zusammengespielt, zu sehr hat sich das Gesicht des Teams in den vergangenen beiden Jahren verändert.

Seine ersten Punktspiele bestritt Barg in der zweiten Mannschaft. Die Gegner in der Hessenliga waren der FC Eddersheim oder Buchonia Flieden, meist kamen 150 bis 200 Zuschauer. "Man glaubt gar nicht, wie man sich auf solche Spiele freuen kann", sagt der ehemalige Bochumer. Nach fünf Einsätzen in drei Wochen protestiert der Körper. Eine Kapselverletzung, fünf Wochen Pause. Nichts Ungewöhnliches nach so einer langen Auszeit. Für Barg nicht einmal ein richtiger Rückschlag.

Wieder voll im Saft

Seit Mitte Oktober steht er wieder voll im Saft. Er gehört wieder dazu, die 3. Liga ist kein fernes Zukunftsthema mehr. "Ich freue mich über jede Minute auf dem Rasen", sagt Barg und formuliert sein nächstes Ziel: "Ich habe Lunte gerochen. Ich war immer Stammspieler, da will ich wieder hin." So wie vor dem 11. September 2010. Vor seiner Leidenszeit.

Quelle: FUSSBALL.DE

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