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WM 2010

Wüstenfüchse suchen ihren Platz in der Geschichte

03.12.2009, 17:11 Uhr

Algeriens Mittelfeldlenker Ziani. (Foto: imago) Algeriens Mittelfeldlenker Ziani. (Foto: imago)Die Schande von Gijon - wenn man an Algerien und WM denkt, kommt automatisch die dunkelste Stunde der deutschen Nationalmannschaft ins Gedächtnis. 1982 verhinderte das DFB-Team mit einem Nichtangriffspakt im letzten Vorrundenspiel gegen Österreich, dass Algerien als erstes afrikanischen Team die Vorrunde einer WM überstand.

Die Nordafrikaner haben sich nie recht von diesem Schock erholt. Schon die folgende WM 1986 wurde für Rabah Madjer, Lakhdar Belloumi und Co. zur Enttäuschung und danach gelang bis zu diesem Jahr nie wieder eine WM-Qualifikation.

 

Die Qualifikation

Das war ein Fußballkrieg, aus dem Algerien letztlich als Sieger hervorgegangen ist. Im abschließenden Qualifikationsspiel der Afrika-Gruppe 3 brauchte Ägypten einen 2:0-Sieg, um wenigstens ein Entscheidungsspiel gegen die dann punkt- und torgleichen Algerier zu erzwingen. Der Spitzenreiter wurde in Kairo alles andere als freundlich empfangen, der Mannschaftsbus vor dem Spiel von einem Mob attackiert und die Scheiben eingeworfen. Zwei Spieler gingen verletzt auf den Platz. In der fünften Minute der Nachspielzeit der Skandalpartie gelang Ägypten schließlich das Wunder. Es folgten Straßenschlachten in Kairo, und sogar Randale algerischer Migranten in Frankreich. Selbst die Regierungen beider Länder befeuerten den Konflikt, so dass das dritte Match auf neutralen Platz im somalischen Omdurman nur unter größten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden konnte. Auf dem Platz behielten am Ende die Algerier die Nerven und sicherten sich durch das goldene Tor des Bochumers Antar Yahia das WM-Ticket.

 

Der Trainer

Algeriens Trainer Saadane. (Foto: imago) Algeriens Trainer Saadane. (Foto: imago)Rabah Saadane steht für bessere Zeiten des algerischen Fußballs. Der 63-Jährige trainierte "Les Fennecs", die Wüstenfüchse, bereits bei ihrem starken WM-Debüt 1982 in Spanien und führte das Team auch vier Jahre später zur - dann wenig überzeugenden - Weltmeisterschaft in Mexiko. Insgesamt ist es schon seine fünfte Amtszeit als Auswahltrainer seines Landes. Außerdem stand er bei den nordafrikanischen Spitzenklubs Raja Casablanca (Marokko), Étoile Sportive du Sahel (Tunesien) und ES Sétif (Algerien) unter Vertrag. Mit Sétif gewann Saadane 2007 sogar die afrikanische Champions League.

 

Der Star

Karim Ziani ist im nordfranzösichen Sevres geboren, entschied sich aber in Sachen Fußball lieber für Algerien, die Heimat seiner Eltern. Der offensive Mittelfeldspieler vom VfL Wolfsburg gilt als ballsicher und durchsetzungsstark. Beim FC Lorient in der zweiten französichen Liga gelang ihm 2005/2006 der Durchbruch, was ihm einen Vertrag in der Ligue 1 beim FC Socheaux einbrachte. Dort entwickelte sich Algeriens Fußballer der Jahre 2004 bis 2006 zum Leistungsträger und feierte 2007 den Pokalsieg. Finalgegner Olympique Marseille war offensichtlich beeindruckt, der Topklub zahlte umgehend acht Millionen Euro für die Dienste des nur 1,69 Meter großen, aber umsichtigen Lenkers in der Zentrale. Beim VfL Wolfsburg steht Ziani noch im Schatten von Regisseur Zvjezdan Misimovic. Groß aufgefallen ist der 27-Jährige bislang nur mit einem feinen linken Haken im Training gegen Mitspieler Edin Dzeko.

Die Aussichten

Algerien verfügt nach Jahren der Pause wieder über eine Reihe namhafter Spieler aus Europas größeren Ligen. Aus der Bundesliga stehen gleich vier Kicker im Kader: Karim Ziani von Meister VfL Wolfsburg, Karim Matmour von Borussia Mönchengladbach, Chadli Amri von Mainz 05 und Antar Yahia. Für die WM-Rückkehrer aus Nordafrika wird es aber vor allem darum gehen, in der Gruppenphase nicht allzu viel Lehrgeld zu bezahlen.

Algerien im Überblick:

Spitzname

Les Fennecs (die Wüstenfüchse)

Trainer

Rabah Saaadane

Kapitän

Yazid Manzou

Größter Erfolg

Afrikameister 1990

FIFA-Weltranglistenplatz

28

Bisherige WM-Teilnahmen

2

WM-Bilanz

So lief die Qualifikation

Bilanz gegen Deutschland


Quelle: t-online.de

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