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Das ist das Amateurteam des Jahres

26.12.2012, 11:51 Uhr | FUSSBALL.DE

Im Mittelpunkt: Ailton, hier beim Blick auf sein neues Gewand, lieferte eine Geschichte 2012 ab. (Quelle: imago/Martin Hoffmann)

Im Mittelpunkt: Ailton, hier beim Blick auf sein neues Gewand, lieferte eine Geschichte 2012 ab. (Quelle: imago/Martin Hoffmann)

Von Oliver Strerath

Treffer auf Treffer, Comeback mit 48, Debüt sogar mit 81, eine erfolgreiche Flügelzange, ein mutiger Kicker mit Prothese - der Fußball 2012 hatte nicht nur Champions League, Bundesliga und Europameisterschaft zu bieten. Es gibt unzählige Geschichten abseits des großen Rummels. Geschichten von den Amateurplätzen. Dort, wo der Fußball gespielt wird, weil er eine Leidenschaft ist.

FUSSBALL.DE hat noch einmal ein paar solcher besonderen Geschichten, getreu dem Motto: Das Amateurteam des Jahres, in dem natürlich auch ein Schiedsrichter nicht fehlen darf.

Die erste Nummer eins

Einst waren es 70.000. Heute sind im Schnitt vielleicht 100 Zuschauer, die die Taten von Claus Reitmaier auf dem Platz verfolgen. Der Torhüter, der es unter anderem für den Karlsruher SC und den VfL Wolfsburg auf 335 Bundesligaspiele brachte, steht nun in der Oberliga Hamburg im Kasten. Beim SV Halstenbek-Rellingen. Und dies im Alter von 48 Jahren.

Gleich mehrere Torhüter mussten damals beim Oberligisten passen. So wurde Reitmaier, eigentlich Torwarttrainer beim SV, fünf Jahre nach seinem Karriereende im November 2011 wieder zur Nummer eins des Klubs – und die er heute noch ist. "Ich habe einfach Spaß am Fußball", begründete der Routinier sein Comeback. Und dass es jetzt nur 100 Zuschauer im Schnitt sind, die seine Taten verfolgen, damit hat Reitmaier nicht das geringste Problem.

Die zweite Nummer eins

Man sagt ja, Torhüter brauchen eine gewisse Reife, um ihr ganzes Potenzial abrufen zu können. Und die hat auch unser Ersatzmann für den Kasten. Thorsten Dauth, Schlussmann bei der SG Ober-Erlenbach in der Gruppenliga Frankfurt, 44 Jahre alt.

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Ex-Bundesligastars im Amateurfußball
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Ähnlich wie Claus Reitmaier ist der 2,02 Meter Hüne als Notnagel eingesprungen. Und ähnlich wie der Ex-Karlsruher hat Dauth schon vor großen Publikum sportliche Höchstleistungen vollbracht. Wenngleich es das Multitalent nie wirklich höher als die Regionalliga gebracht hat. Doch als Zehnkämpfer präsentierte er sich 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona einem Millionen-Publikum. Seine Leidenschaft ist und bleibt aber Fußball. Daher gab er jüngst sein x-tes Comeback. Auf die Frage, ob er es denn irgendwann lassen könne, antwortete er kurz und knackig: "NEE".

Eckstein – Trumpf in der Abwehr

Dieter Eckstein? Das war doch der Stürmer vom 1. FC Nürnberg, der es sogar auf sieben Länderspiele gebracht hat? Richtig. Dieter Eckstein? Das ist der Trainer des fränkischen Kreisligisten DJK-SV Mitteleschenbach? Ebenfalls richtig. Doch dabei musste, konnte und wollte es der heute 48-Jährigen nicht belassen. Längst schnürt wieder die Fußball-Stiefel, stellt sich in den Dienst seiner Mannschaft – vor allem als Libero, aber auch schon als Torwart.

Dabei hing das Leben von Dieter Eckstein im Juni 2011 am seidenen Faden: Er erlitt einen Herzinfarkt, lag vier Wochen im Koma. "Ich habe einen Herzschrittmacher eingesetzt bekommen", erklärte Eckstein, der von den Medizinern alsbald grünes Licht für die Rückkehr auf den grünen Rasen bekam. Dort versucht er aktuell Tore zu verhindern, als vielmehr – so wie früher -  Tore zu schießen.  Mit Erfolg. Immerhin ist er mit seinem Team Tabellenzweiter, dieser Dieter Eckstein.

Wenn die Mutter mit der Tochter

Mutter und Tochter am Ball: Jana (li.) und Desirée Mandt (Quelle: Kübler)Mutter und Tochter am Ball: Jana (li.) und Desirée Mandt Wenn der Vater mit dem Sohne. Im Falle der Familie Mandt aus Berlin heißt es dagegen: Wenn die Mutter mit der Tochter. Um genauer zu sein: Mutter Jana Mandt ist mit Tochter Desiree gemeinsam für den 1. FC Schöneberg in der Verbandsliga am Ball. Oft genug gemeinsam im Mittelfeld.

"Wir sind harmoniebedürftig. Und wenn mal etwas nicht klappt, feuern wir uns gegenseitig an“, sagte Mama Mandt. So, wie es sich in einer Familie eben gehört.

Wenn der Vater gegen den Sohn

Als wenn die Niederlage nicht schon deftig genug gewesen wäre. 1:7 verlor Blau Weiss Berlin gegen TeBe Berlin in der ersten Runde des Landespokals. Es war also kein angenehmer Tag für Andreas Vogler im Tor der Blau-Weissen, die mittlerweile in der achten Liga spielt. Zumal den ersten Treffer von Sechstligist TeBe, der auch schon deutlich bessere Zeiten erlebt hat, ausgerechnet Sohnemann Dennis erzielte.

"Der bekommt erst einmal den Arsch voll. Der hat mir ein Tor eingeschenkt", sagte der 48 Jahre alte Andreas Vogler mit einem Augenzwinkern. Der Sohn konterte prompt: "Das ist schöner als das 5:0 oder 6:0 zu machen. Dann lieber den ersten gleich einschenken", erklärte Dennis Vogler. Die Psychotricks des Vaters ("Komm ja nicht in den Strafraum") halfen jedenfalls nicht. Ja ja - wenn der Vater gegen den Sohne spielt.

Dortmunder Antwort auf Robbery

 Wer braucht schon einen Robben und Ribery, wenn man einen Dennis Krause und einen Ivo Zabot hat. Die Sportfreunde Brackel jedenfalls nicht. Denn der Dortmunder Kreisligist vertraut ganz und gar auf die Treffsicherheit seiner Flügelzange. Wie beim 25:0-Erfolg Mitte November gegen SuS Derne II.

Da präsentierten sich die Dortmunder als echte Antwort auf Robbery: Krause war zehnmal erfolgreich, Zabot schlug siebenmal zu. Solch eine Ausbeute haben der Münchner Niederländer und der bayrische Franzose in einem Spiel noch nicht geschafft. Noch eine Bemerkung: Brackels Vereinsfarben sind Gelb und Rot. Bei dieser borussisch-bajuwarischen Kombination muss es ja gut laufen.

Der mutige Manuel Ortega

"Die meisten unterschätzen mich": Manuel Ortega (2.v.li.) trotzt allen Schwierigkeiten. (Quelle: Kramer)"Die meisten unterschätzen mich": Manuel Ortega (2.v.li.) trotzt allen Schwierigkeiten.Er ist ein behinderter Sportler, ohne Behindertensportler zu sein. Manuel Ortega trägt Prothesen, spielt aber dennoch Fußball für die TSV Saxonia Hannover. "Hannovers tapferster Fußballer" wurde der 21-Jährige prompt von einem Boulevard-Blatt genannt. Ortega spricht lieber von Mut, wenn er seine ungewöhnliche Geschichte erzählt. "Es schafft nicht jeder, diesen Mut aufzubringen, darauf bin ich schon ein bisschen stolz", sagte er.

Ortega war neun Jahre alt, als die schreckliche Diagnose kam: Krebs, ein Tumor im Kniegelenk. Amputation. Vier Jahre nach der Operation trat er zum ersten Mal wieder gegen den Ball. "Ohne Fußball", sagte Ortega, "könnte ich gar nicht leben." Und das lebt der junge Mann vor.

Debüt mit 81

Oldie but Goldie. Heinz Pischke musste 81 Jahre alt werden, um sein Debüt in der Kreisliga zu geben. Für den Stürmer, der einst in der dritthöchsten Klasse der DDR auf Torejagd ging, war sein Einsatz für den Rostocker FC III gegen Motor Neptun II (2:2) im Sommer zugleich auch seine Abschiedsvorstellung.

Der 81 Jahre alte Familien-Senior trug übrigens das Trikot mit der Nummer 30 – sein Geburtsjahr. 

Tour de Ailton

Er „mache wieder bumm-bumm“ – Ailton setzte auch in dieser Saison seine Tingeltour durch die Amateurklassen fort. Diesmal landete der exzentrische Brasilianer bei Hassia Bingen. Und das sorgte für einigen Wirbel in der Verbandsliga Südwest in Rheinland-Pfalz.

Fernsehauftritte, Gerüchte über angebliche Antrittsprämien für den „Star“ bei Auswärtsspielen , eine Rote Karte. Sportlich brachte Ailton wenig Impulse. Bingen überwintert auf einem Abstiegsplatz. Und der Stürmer denkt schon mal an die nächste Etappe seiner Tour. "Vielleicht komme ich wieder, vielleicht nicht", sagte er. Es wird eben nicht langweilig mit Ailton Goncalves da Silva. Ob er nun spielt, oder eben nicht.

Doppelter Sechserpack

Wenn Pascal Müller einen Lieblingsgegner hat, dann sicherlich den Lichtenrader BC. Zweimal war der Angreifer in der vergangenen Saison mit seinem SSC Teutonia aus Spandau in der Berliner Landesliga gegen den BC erfolgreich. Einmal 6:0, einmal 6:1. Torschütze für Teutonia war dabei nur einer: Pascal Müller.

Auch dank seines doppelten Sechserpacks brachte es der Angreifer auf insgesamt 38 Saisontreffer und war damit Torjäger Nummer eins der Klasse. In den bisher 15 Spielen dieser Runde hat der Teutone schon 16 Mal getroffen. Nur gegen Lichtenrade nicht. Die waren im Sommer abgestiegen. Sicherlich sehr zum Bedauern von Pascal Müller.

Der Ruck-Zuck-Torschütze

19., 24., 39., 41., 45., 57. – dann durfte jemand anderes. 80., 85. und 87. – da war wieder Mehmet Aydin dran. In diesen Spielminuten war der Angreifer des Spandauer SV zum Ligaauftakt gegen den BSV Hürriyet-Burgund erfolgreich und sorgte mit seinen neun Treffern fast im Alleingang für den 11:0-Erfolg in der Partie in der Berliner Landesliga.

„Das ging irgendwie ruck-zuck“, sagte Aydin und gestand, dass ihm sein Lauf durchaus ein bisschen unheimlich war.

Der zwölfte Mann und vier Räder

Spielleiter: Frank Reinel pfeift vom Rollstuhl aus. (Foto: Oliver Jensen)Spielleiter: Frank Reinel pfeift vom Rollstuhl aus. (Foto: Oliver Jensen)Ohne Schiedsrichter geht es nicht. Das sollte langsam auch der letzte Fußballer begriffen haben und dem zwölften Mann den nötigen Respekt entgegenbringen.  Vor allem dann, wenn der Unparteiische mit einer Besonderheit daherkommt. Wie Frank Reinel, der wegen einer angeborenen Gelenksversteifung im Rollstuhl sitzt. Was ihn nicht daran hindert, Spiele zuleiten.

Sein fahrbarer Untersatz ist sechs Kilometer schnell. „Das reicht völlig aus. Ich habe gelernt, ein Spiel zu lesen“, sagte Reinel.  Ein Trikotzupfen etwa erkenne er auch aus 40 Meter Entfernung. Die Leistung und der Mut vom Schiedsrichter auf vier Rädern kann unterdessen nicht genug Anerkennung erhalten.

Quelle: FUSSBALL.DE

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