05.03.2013, 16:26 Uhr | FUSSBALL.DE
Bei der ersten Mannschaft des TSV Wulsdorf rollt der Ball nicht mehr. (Quelle: imago/Pressefoto Baumann)
Von Jochen Breideband
Dreimal nicht dabei – vorbei. In den unteren Spielklassen kommt es häufiger vor. Eine Mannschaft kann mangels Personal dreimal nicht antreten und wird, so schreiben es die Statuten vor, aus dem laufenden Spielbetrieb genommen. Dass dies in der 5. Liga passiert, ist eine absolute Seltenheit. In der Bremen-Liga hat es nun die TSV Wulsdorf erwischt. Die erste Mannschaft des Klubs aus Bremerhaven hat sich innerhalb weniger Monate in ihre Bestandteile aufgelöst und steht als erster Absteiger fest.
Es ist eines der traurigsten Kapitel in der Geschichte von Bremens höchster Spielklasse. "Ich bin seit zwölf Jahren im Vorstand, aber das passiert zum ersten Mal", sagt der Spielausschussvorsitzende des Bremer Fußballverbandes, Heinz Schmidt. In Wulsdorf ist die Enttäuschung riesengroß. "Mir blutet das Herz", unterstreicht TSV-Abteilungsleiter Günter Frese: "Der Rückzug ist uns sehr schwer gefallen, aber es ging nicht mehr anders."
Die TSV Wulsdorf war seit 2007 fester Bestandteil der Bremen-Liga. Der Verein hat 1200 Mitglieder, verteilt auf zwölf Sparten. Umso bitterer mutet nun der jähe Absturz an. Das Dilemma begann im Herbst, als sich zwei Leistungsträger mehrwöchige Sperren einhandelten und es zunehmend hohe Niederlagen setzte. Bereits vor der Winterpause herrschte akute Personalnot, ins Training verirrten sich zum Teil nur noch drei Spieler. Auch bei den Spielen war das Team oft nicht vollzählig. "Die Unzuverlässigkeit und Einstellung zum Fußball waren einfach unglaublich", sagt Frese.
Der Versuch, die Mannschaft im Winter wiederzubeleben und mit neuem Personal zu verstärken, scheiterte. Im Gegenteil: Mehr als zehn Spieler meldeten sich ab. Akteure aus der zweiten und dritten Mannschaft – beide auf Kreisebene beheimatet – nach oben zu ziehen, kam nicht in Frage. Weder für den Vorstand noch für die Spieler. Das Kapitel Bremen-Liga war damit Geschichte.
Die Turn- und Sportvereinigung ist nun bemüht, für die kommende Saison ein wettbewerbsfähiges Team für die Landesliga auf die Beine zu stellen. Auf nachrückende Talente aus den eigenen Reihen können die Wulsdorfer dabei noch nicht bauen. Erst ab Sommer ist unter den insgesamt neun Nachwuchsmannschaften wieder eine A-Jugend zu finden.
Günter Frese hat aus den Vorkommnissen der vergangenen Monate seine Konsequenzen gezogen. Er wird bei der nächsten Vorstandswahl nicht mehr als Abteilungsleiter kandidieren. "Mich hat das Ganze zu viel Nerven gekostet", sagt er. Das Ende einer weiteren Ära in Wulsdorf. Fußball aber wird im Bremerhavener Stadtteil weiterhin gespielt – vielleicht auch bald wieder erfolgreicher.
Quelle: FUSSBALL.DE
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