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Erinnerungen an den Bundesliga-Kultklub von einst

23.02.2013, 12:39 Uhr | FUSSBALL.DE

Profis wie Thomas Stickroth (2.v.li.) und Tom Dooely (3.v.re.) gehörten zu den prägenden Figuren der erfolgreichsten Homburger Zeit.  (Quelle: imago\WEREK)

Profis wie Thomas Stickroth (2.v.li.) und Tom Dooely (3.v.re.) gehörten zu den prägenden Figuren der erfolgreichsten Homburger Zeit. (Quelle: WEREK/imago)

Von Jochen Breideband

Von der Bundesliga sind sie weit entfernt, auch die 2. Liga ist ganz weit weg für viele Traditionsklubs, die den deutschen Fußballs früher mitprägten. Inzwischen sind sie - im besten Fall - in der viertklassigen Regionalliga beheimatet. Manche auch in der Bezirksliga oder tiefer. FUSSBALL.DE wirft in der Serie "Tränen, Triumphe, Tradition" einen Blick auf Vereine, deren größte Erfolge lange zurückliegen, die aber immer noch viele Fans bewegen. Heute, Teil 1: FC 08 Homburg, Regionalliga Südwest.

Auf den Balken wird Gerd Schwickert heute noch angesprochen, mehr als 25 Jahre danach. Der FC Homburg schrieb damals mit seiner Trikotwerbung Bundesligageschichte. "London" prangte in der Saison 87/88 auf den Trikots der Saarländer, und damit war nicht Englands Hauptstadt gemeint, sondern ein Kondomhersteller.

Der DFB intervenierte und sprach ein Verbot aus, der FCH machte aus der Not eine Tugend und versah seine Trikots mit einem schwarzen Balken. "Rückblickend war das allerbeste Werbung für unseren Partner", meint Schwickert, "eigentlich hätte uns die Firma dafür das Fünffache bezahlen müssen." Das Verbot wurde später aufgehoben.

Schwickert war damals Geschäftsführer des FC Homburg. Eigentlich war er fast alles beim FC Homburg. In den 70er Jahren Spieler, später Leiter der Geschäftsstelle, nochmal aushilfsweise Spieler, und dreimal Trainer. Er hat die glorreiche Zeit im Waldstadion nicht nur hautnah miterlebt, er hat sie maßgeblich mitgestaltet und geprägt. 

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Der erste Höhepunkt: Triumph über Weltpokalsieger Bayern

Schon beim ersten großen Highlight war Schwickert dabei. Als Aktiver auf dem Rasen. Im Oktober 1977 warf der damalige Zweitligist FCH den FC Bayern München mit einem 3:1 aus dem DFB-Pokal. Wenige Tage zuvor hatten die Bayern den Weltpokal gewonnen, nun wurde das Starensemble um Sepp Maier und Gerd Müller von einem Gründungsmitglied der 2. Bundesliga Süd in der saarländischen Provinz vorgeführt. "Es hätte auch 8:1 ausgehen können", erzählt Schwickert: "Gerd Müller hat später mal gesagt, dass die Mannschaft nach den Feierlichkeiten um den Weltpokalsieg noch halb betrunken war."

Für den FC Homburg waren Pokaltage stets Festtage, die Bundesliga dagegen in den 70er Jahren Utopie. Das blieb sie auch, ehe das Fußballmärchen in der Saison 85/86 seinen Lauf nahm. Der FCH hatte gerade mit Ach und Krach den Abstieg aus der 2. Liga abgewendet, war also beim Start in die neue Spielzeit alles andere als ein Aufstiegskandidat. Vom Gewinnen hielt das die Grün-Weißen nicht ab.

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Schwickert: Spieler, Geschäftsführer und dreimal Trainer

Mit Talenten aus der Region wie Tom Dooley oder Uwe Freiler und erfahrenen Haudegen wie Schwickert und Manfred Lenz legten die Homburger eine Serie von 19 Spielen ohne Niederlage hin. Dabei gelang ihnen das Kunststück, mit Siegen gegen Hessen Kassel, Fortuna Köln und Arminia Bielefeld innerhalb weniger Wochen dreimal den jeweiligen Spitzenreiter zu entthronen. Am Ende glückte erstmals in der Vereinsgeschichte der Sprung in die höchste deutsche Spielklasse, als Meister – ein Erfolg, mit dem niemand gerechnet hatte.

Nach dem Aufstieg hängte Schwickert die Fußballschuhe an den Nagel. Drei Jahre hatte er parallel als Spieler und Geschäftsführer fungiert. Einige Monate später fand er sich in einer anderen Doppelfunktion wieder. Fünf Spieltage vor Ende der ersten Homburger Bundesligasaison wurde Schwickert nach der Entlassung von Udo Klug zum Interimstrainer ernannt. Der Klub rettete sich in die Relegation und sicherte sich gegen den FC St. Pauli den Klassenerhalt.

Das nächste Mal sprang Schwickert ein, als der FCH wieder in der 2. Bundesliga angelangt war. Niko Semlitsch hatte die Mannschaft nach dem Abstieg 1988 erfolgreich umgeformt. Weil der Wiederaufstieg auf der Zielgeraden jedoch in Gefahr geriet, war erneut Schwickert gefragt. Er brachte das Vorhaben zu einem erfolgreichen Abschluss. "Ich war nie die Triebfeder, die Trainerwechsel geschahen auf Veranlassung von Udo Geitlinger und Präsident Manfred Ommer", betont der 64-Jährige: "Ich habe mich immer nur in der Pflicht gefühlt, Homburg war mein Verein. Und am Ende hat es ja immer geklappt."

Der FC Homburg wurde Kult. Ein kleiner Verein, der sich gegen die Großen auflehnte. Ein Underdog mit 7000 bis 8000 Zuschauern im Schnitt und einem Jahresetat von acht Millionen D-Mark. Homburg wurde zum Symbol für den etwas anderen Bundesligisten.

Homburgs Stars: Von Buncol über Cardoso bis Dooley

Schillernde Figuren machten im Waldstadion Station. Die polnischen Nationalspieler Andrzej Buncol (1988 mit Bayer Leverkusen UEFA-Cup-Sieger) und Roman Wojcicki wurden verpflichtet, kurz bevor sie bei der WM 1986 international ein größeres Publikum auf sich aufmerksam machten. Auch für Rodolfo Esteban Cardoso (später SC Freiburg und Hamburger SV) war Homburg der erste Verein in Deutschland. Wolfgang Schäfer, Bayer Uerdingens Pokalheld von 1985, trug die grün-weißen Farben, Walter Kelsch, Jimmy Hartwig, ebenso Tom Dooley, Kay Friedmann und Guido Hoffmann, die alle drei 1991 mit dem 1. FC Kaiserslautern Deutscher Meister wurden.

In Homburg war das Kapitel Bundesliga im Sommer 1990 beendet. Das Jahr nach dem Abstieg wurde für Schwickert zum persönlichen Kraftakt. Wieder war er Trainer, weiterhin war er Geschäftsführer, darüber hinaus machte er zeitgleich die Lizenz zum Fußball-Lehrer. "Ich war die ganze Woche weg, bin freitags auf die Geschäftsstelle, habe den Papierkram erledigt und alle Vorbereitungen für die kommende Woche getroffen. Eigentlich ging das fast gar nicht“, sagt er. Irgendwie ging es doch. Zeitweise war Homburg Tabellenführer in der 2. Bundesliga, zum Aufstieg aber reichte es nie mehr.

Der FCH heute: In der Regionalliga auf Konsolidierungskurs

Nur der DFB-Pokal blieb ein Homburger Steckenpferd. 1991 machte der 4:2-Sensationssieg bei Bayern München in der zweiten Runde Schlagzeilen, fünf Jahre später gelang als Absteiger in die Regionalliga der Einzug ins Viertelfinale, wo sich der Außenseiter dem 1. FC Kaiserslautern unglücklich mit 3:4 nach Verlängerung geschlagen geben musste. Gerd Schwickert war da schon weg. Nach zehnjähriger Tätigkeit in verantwortlicher Position war er 1993 im Streit geschieden. Sogar der Gang vors Gericht war nötig geworden.

Heute arbeitet Schwickert als Scout für den SC Freiburg - unter Cheftrainer Christian Streich, den er von 1988 bis 1990 als Spieler in Homburg unter seinen Fittichen hatte. Schwickert wohnt noch immer in Homburg. Die Entwicklung des FCH verfolgt er nicht uninteressiert, aber weitgehend emotionslos. Nach finanziellen Turbulenzen und dem Sturz bis in die Oberliga ist der Klub seit dieser Saison wieder Regionalligist und befindet sich in der 4. Liga auf Konsolidierungskurs. "Damit ist der Verein gut bedient. Ich sehe nicht, dass es weiter nach oben gehen könnte", sagt Schwickert. Im Schnitt kommen 1300 Besucher zu den Heimspielen.

Quelle: FUSSBALL.DE

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