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Bochum, die Liebe seines Lebens

16.10.2012, 16:07 Uhr | FUSSBALL.DE

Bochums Frank Benatelli (li.) im Zweikampf-Duell mit Bayern-Profi Hansi Dorfner im Jahr 1989 - Lothar Woelk schaut zu.  (Quelle: imago)

Bochums Frank Benatelli (li.) im Zweikampf-Duell mit Bayern-Profi Hansi Dorfner im Jahr 1989 - Lothar Woelk schaut zu. (Quelle: imago)

Von Julian Moering

Sie spielten in vollbesetzten Arenen und waren einem Millionenpublikum bekannt. Sie waren Bundesliga-Profis und zum Teil Nationalspieler. Zum Ende ihrer Karriere oder danach erinnern sich nicht wenige Stars an ihre Wurzeln: FUSSBALL.DE stellt in einer Serie ehemalige Profikicker vor, die jetzt das Bild des Amateurfußballs mitprägen. Teil 9: Frank Benatelli, früher beim VfL Bochum, heute Trainer beim CSV SF Bochum-Linden, Landesliga Westfalen.

Gleich in seinem ersten Bundesligaspiel für den VfL Bochum hat Frank Benatelli Bekanntschaft mit einem richtig harten Hund gemacht. Kein Geringerer als der Stuttgarter Nationalverteidiger Karl-Heinz Förster war abgestellt, um dem damals 21-jährigen Debütanten das Leben schwer zu machen. "Der hat schon versucht, mich einzuschüchtern", erinnert sich Benatelli. "Aber so einfach geht das nicht bei mir, ich hab da schon genug Selbstbewusstsein gehabt."

Benatelli: "Ich war ein Malocher"

Furchtlos, laufstark und kampfbetont - mit diesen in den achtziger Jahren vor allem im Ruhrpott hochgeschätzten Attributen ausgestattet, wurde "Bena", wie er von den Fans noch immer genannt wird, zur festen Größe beim VfL. Wie so vieles im Pott stand für Benatelli auch der Fußball unter dem Stern der harten Arbeit. "Ich war schon ein Malocher, sehr lauf- und kampfstark", beschreibt er rückblickend auf seine aktive Zeit, "aber das musste ich mir alles antrainieren. Anders als zum Beispiel Lothar Matthäus, der genetisch ganz andere Voraussetzungen mitbringt, musste ich mir alles erarbeiten."

Die harte Arbeit wurde belohnt. Insgesamt spielte Benatelli 192 Mal für den VfL und erzielte dabei 13 Treffer. Für den zweifachen Familienvater gab es nie einen anderen Verein, als den VfL Bochum. Schon als Jugendlicher stand er mit dem Fanklub Bochum-Süd in der Kurve und auch als Profi trug er nie ein anderes Trikot. VfL ein Leben lang. "Es gab auch Anfragen von anderen Vereinen, aber ich war und bin von Herzen Bochumer", begründet Benatelli mit hörbarem Stolz seine ungewöhnliche Treue.

Sohn Rico gilt als hoffnungsvolles Talent

Die Liebe zu seiner Stadt ging sogar so weit, dass er mit seiner Frau einen langen Streit um den Geburtsort seiner Kinder vom Zaun brach. "Meine Kinder sind in Herdecke im anthroposophischen Krankenhaus zur Welt gekommen. Ich dachte das kann doch nicht wahr sein, geboren in Herdecke und nicht in Bochum. Damit konnte ich mich gar nicht anfreunden." Heute ist er etwas toleranter geworden und erzählt stolz, dass sein Sohn Rico mittlerweile als hoffnungsvolles Talent bei der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund spielt.

Seine eigene Karriere nahm ein jähes Ende. Eine Verletzung an der Patellasehne zwang Benatelli Senior, im Alter von 28 Jahren aufzuhören. Er konnte das Knie nicht mehr belasten. Ein Schlag, den er nur mühsam verarbeiten konnte. "Das war eine ganz schwere Zeit für mich, ich bin ein Jahr nicht mehr ins Stadion gegangen", beschreibt der vom Schicksal Gebeutelte die Monate nach dem Karriere-Aus.

Den Verletzungsausfall nutzt Benatelli, um sich weiterzubilden

Frank Benatelli als Trainer.  (Quelle: imago)Frank Benatelli als Trainer. Doch Frank Benatelli ist niemand, der sich unterkriegen lässt. Schnell wusste er seine neu gewonnene Zeit sinnvoll zu nutzen. Zuerst drückte er an der Seite von zehn Jahre jüngeren Jugendlichen noch einmal die Schulbank und holte sein Abitur nach. Danach ließ er sich parallel zu seiner Kaufmannslehre auch zum Fußballlehrer ausbilden. "Lange Zeit war mir nicht so klar, dass ich Trainer sein möchte, aber dann hat es bei meiner ersten Station ganz gut geklappt", sagt Benatelli.

Benatelli auch Scout beim VfL Wolfsburg

Die erste Station war der ehemalige Oberligist SV Sodingen. Heute, sechs Stationen später, trainiert Benatelli, der hauptberuflich Talente für den VfL Wolfsburg sichtet, den CSV SF Bochum-Linden. CSV steht für Christlich Sozialer Verein, doch "mit dem Vatikan" hat das laut Benatelli nichts zu tun. Der hält es mit dem Christentum ganz einfach: "Auch wer nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt, kann trotzdem ein guter Mensch sein und ist bei uns willkommen."

Mit dem Engagement beim CSV schließt sich der Kreis für den heimatverbundenen Ex-Profi: "Ich hab schon immer in Bochum-Linden gewohnt, habe jetzt auch hier gebaut. In zwei Minuten bin ich am Platz." Innerhalb von drei Jahren hat Benatelli aus einer Abstiegsmannschaft in der Kreisklasse ein ambitioniertes Landesliga-Team geformt.

"Diese absoluten Typen gibt es auch im Sport nicht mehr"

Seine Erfahrungen als Profi kann er dabei jedoch nicht an den Mann bringen. "Von den Jungs kommt eigentlich niemand und fragt 'hey, wie war das denn damals?'" Sowieso redet er nicht gerne über früher, einen Seitenhieb auf die aktuelle Entwicklung im Fußball kann er sich dennoch nicht verkneifen.

"Es ist alles schnelllebiger geworden als früher. Das ist im Sport und auch in der Politik so. Da weiß man teilweise gar nicht mehr, wer jetzt wo Minister ist. Da sind keine Charakterköpfe mehr wie etwa Helmut Schmidt oder Willy Brandt es waren. Diese absoluten Typen gibt es auch im Sport nicht mehr."

Sein Glück fand er in der Vierten Liga

Seine eigenen Ambitionen im Trainerberuf hat Benatelli in den letzten Jahren Stück für Stück zurückgeschraubt. "Klar war es mal mein Traum, Bundesliga zu trainieren, und ich würde mir das auch immer noch zutrauen. Aber dazu ist es wohl zu spät. Als Trainer muss das alles ganz schnell gehen. Wenn man wie ich elf Jahre in der vierten Liga war, dann kommt man da nicht mehr raus." Heute ist er zufrieden, so wie es ist.

Doch dass nie eine Anfrage seines VfL kam, scheint ihn dennoch zu wurmen. Als er feststellt, dass man "in Bochum leider jahrelang kein Wert auf ehemalige Spieler gelegt" habe, schwingt Enttäuschung in seiner Stimme mit. "Wir waren damals mit dem Herzen dabei, das scheint heute nicht mehr so der Fall zu sein", macht Benatelli deutlich, wie wenig er von der aktuellen Entwicklung und den Verantwortlichen beim VfL hält.

Aber Benatelli, der auch Fußballlehrgänge mit Michael Rummenigge leitet, hat sein Glück im Amateurfußball gefunden. "Die Spielklasse ist nicht so wichtig, wichtig ist, dass die Leute mitziehen", hat der heute 40-Jährige herausgefunden. Und das scheint in Bochum-Linden der Fall zu sein. Na klar, es ist ja seine Stadt.

Quelle: FUSSBALL.DE

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