09.02.2011, 23:49 Uhr | Das Interview führte Björn Wannhoff
Klaus Augenthaler ist seit fast einem Jahr in der 3. Liga bei der SpVgg Unterhaching. Der Weltmeister von 1990 setzt in wichtigen Partien auf erfahrene Spieler und steht nicht auf Schönspielerei.
Im Interview mit FUSSBALL.DE spricht der Trainer über die Aufstiegskandidaten der 3. Liga, die Ziele mit Unterhaching und die aktuelle Situation bei seinem Ex-Klub Bayern München.
Glückwunsch zum Sieg gegen Aalen! War das ein kleiner Befreiungsschlag im Kampf gegen den Abstieg?
Klaus Augenthaler: Als Befreuungsschlag würde ich das nicht bezeichnen. Wir haben uns ein bisschen Luft verschafft, das ist auch alles. Aber in Erfurt erwartet uns schon wieder eine sehr schwere Partie, und die vermeintlich leichten Spiele gegen Bayern II oder Bremen II sind auch noch lange nicht gewonnen.
Sie sagten vor dem Spiel, dass Sie "keine Schönspielerei, sondern Punkte" sehen wollen. Haben Sie bekommen, was Sie wollten?
Das kann man schon so sagen. Zunächst hatten wir Schwierigkeiten, ins Spiel zu kommen, weil uns die Aalener stark unter Druck gesetzt haben. Wir haben uns dann aber besser auf deren Spiel eingestellt. Über lange Bälle und Aggressivität haben wir uns so in die Partie hereingearbeitet. Die Mannschaft hat die taktischen Maßgaben sehr gut umgesetzt.
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War das auch ein Sieg der Erfahrung über die Jugend? Sie haben im Vergleich zur Niederlage gegen Wehen (0:3) älteren Spielern wie Roman Tyce den Vorzug gegeben.
In erster Linie ist wichtig, dass wir die Klasse halten. Bisher haben die jungen Spieler in der Rückrunde viel Einsatzzeit bekommen. Aber wir standen gegen Aalen schon sehr unter Druck. Bei einer Niederlage hier zu Hause wäre die Stimmung im Keller gewesen, das Nervenkostüm der Mannschaft war schon ein wenig angegriffen. Deshalb musste ich in dieser Partie auf mehr Erfahrung setzen.
Wie sieht denn nun die Zielsetzung für den Rest der Saison aus? Der Zug nach oben ist schon fast abgefahren, bei zehn Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz.
Genau deshalb möchte ich nicht spekulieren, was bei einer Siegesserie möglich wäre. Wir haben in dieser Saison einfach zu viele Punkte liegengelassen. Wir müssen schauen, dass wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Wenn es gut läuft, können wir dann auch den einen oder anderen jungen Spieler fest in der Mannschaft etablieren.
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Also erst mal keine Planungen für die 2. Liga?
Sicherlich hat man vor der Saison gedacht, dass man vorne eingreifen kann. Aber in den entscheidenden Partien gegen Braunschweig und Offenbach haben wir die Big Points verpasst. So konnte keine Euphorie und kein großes Selbstvertrauen entstehen.
Ihr Vertrag bei der Spielvereinigung läuft Ende der Saison aus. Gibt es eine Tendenz?
Ich würde gerne mit den jungen Spielern hier weiterarbeiten. Aber dazu muss ich wissen, wie es generell hier im Verein weitergeht. Man sucht noch immer nach einem Sponsor, der Etat wird um 50 Prozent gekürzt. Falls ich hier weitermache, dann brauche ich schon eine sportliche Perspektive. Dass heißt für mich, dass die Mannschaft zumindest 3.-Liga-Format hat. Deshalb werde ich zunächst die weiteren Entwicklungen abwarten, bevor ich mich entscheide.
Ihr Tipp: Wer packt den Aufstieg in die 2. Liga?
Braunschweig auf jeden Fall. Rostock oder Offenbach wird Zweiter.
In der Bundesliga hat ihr ehemaliger Verein, der FC Bayern, einen neuen Kapitän bestimmt. Der neue Anführer Phillip Lahm sagte, Sie sind sein Vorbild für die Ausübung des Amts. Was sagen Sie dazu?
Das ehrt mich sehr, dass sich jemand an mich erinnert.
Was zeichnet denn einen Kapitän beim FC Bayern aus, auf dem Platz und neben dem Platz?
Auf dem Platz ist ja eigentlich klar: Wenn das Team, so wie am Samstag gegen Köln (2:3), zu lasch aus der Kabine kommt, muss der Kapitän dazuwischen funken. Und auch beim Stand von 1:2 kann man dann mal ein Zeichen setzen. Das sagt sich natürlich leicht, aber oft zeichnen sich solche Hänger wie in der zweiten Halbzeit schon unter der Woche, in den Trainingseinheiten ab. Auch da muss ein Kapitän präsent sein und aktiv werden. Da bin ich früher auch mal den eigenen Mann härter angegangen, auch wenn ich ihn natürlich nicht verletzen wollte. So kann man auch schon vor dem Spieltag Zeichen setzen.
Sie selbst haben auf dem Platz immer eine zentrale Position eingenommen, so wie auch Bastian Schweinsteiger. Wäre er von daher nicht die bessere Wahl gewesen?
Was die Position angeht, wird zuviel hineininterpretiert. Paul Breitner hat auch außen gespielt und hat das Amt hervorragend ausgefüllt. Es kommt viel mehr auf die Spielweise an als auf die Position. Man muss halt Zeichen setzen. Damit meine ich, dass man, wenn es notwenig ist, auch mal einen Gegenspieler rasiert oder einen Mitspieler anpflaumt. So was hat dann einen "Hoppla"-Effekt auf die Mannschaft.
Trauen Sie Philipp Lahm das zu? Er gilt ja als eher ruhiger Zeitgenosse.
Er wirkt manchmal so. Ich kenne ihn zu wenig, aber ich würde sagen, vielleicht ist er noch zu harmoniesüchtig. Natürlich will am liebsten jeder seine Ruhe. Aber Ruhe hat man nur, wenn man Erfolg hat. Deshalb muss man schon im Training ansetzen. Wenn man merkt, da wird Einer überheblich, muss man dazwischenfegen. Im Spiel ist es dann oft schon zu spät.
War Mark van Bommel nicht genau so ein Spielertyp?
Man kann van Bommel nicht mit Lahm vergleichen. Von den beiden hat meine Spielweise sicherlich van Bommel geglichen: Wenn es notwenig ist, lieber mal eine Gelbe Karte in Kauf nehmen. Vielleicht ist da der Philipp noch zu brav oder zu gut (lacht). Aber ich glaube fest, dass man als Kapitän auch mal Foul spielen muss. Bei mir gab es keine Kompromisse.
Haben Sie ihre Mitspieler auch außerhalb des Platzes mal beiseite genommen?
Ja klar, da hat man sich irgendwo, auch bei mir zuhause, zusammengesetzt, wenn man die Zielsetzungen aus den Augen verloren hat. Aber das war eine andere Zeit. Wir haben sowieso fast immer nach den Spielen zusammen was unternommen, die komplette Mannschaft mit Anhang. Ich habe aber gehört, dass das die Bayern-Spieler heute auch ab und zu machen.
Wie gut kennen sie Thomas Kraft? Können Sie die Entscheidung, dem jungen Mann eine Chance zu geben, nachvollziehen? Sie selbst lassen auch gerne junge Spieler ran.
Es ist schön, dass Louis van Gaal den jungen Spielern wie Badstuber, Müller oder auch Alaba eine Chance gegeben hat. Von Hans-Jörg Butt halte ich allerdings sehr viel. Ich hatte den Bayern damals auch geraten, ihn als zweiten Mann hinter Rensing zu verpflichten. Mir war da schon klar, dass er dann auch irgendwann spielt. Was Thomas Kraft angeht, so bin ich zu weit weg. Das kann ich nicht beurteilen.
Viele spielen bei den Bayern nicht auf ihrer Lieblingsposition. Ist das gut? Müssen sich die Spieler nach dem Trainer richten oder der Trainer nach den Spielern?
Normalerweise stellt der Trainer die Spieler da auf, wo sie am stärksten sind. Aber die Aufstellung ist nicht das Wunschkonzert der Spieler. Es ist Aufgabe des Trainers, das Ganze im Auge zu haben.
Quelle: FUSSBALL.DE
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