16.11.2012, 15:15 Uhr | FUSSBALL.DE
Metin Cakmak (li.) und Atakan Yigitoglu (mi.) laufen für den Berliner AK auf. (Quelle: imago)
Von Marc L. Merten
Der Berliner AK ist entsetzt: Der Viertligist, dem im August nach einem begeisternden 4:0 im DFB-Pokal über 1899 Hoffenheim deutschlandweit noch Sympathien zugeflogen waren, sieht sich rassistischen Anfeindungen ausgesetzt. Wie der Klub jetzt bekannt gab, erreichte die Geschäftsstelle bereits am 05. November 2012 ein anonymer Brief, in dem Verein, Spieler und Verantwortliche mit ausländer- und islamfeindlichen Parolen beschimpft werden. Der BAK 07 stellte umgehend Strafanzeige und Strafantrag und forderte die Berliner Gemeinschaft auf, den Klub zu unterstützen.
Das handbeschriebene Pamphlet verunglimpft die Spieler als "Kanaken", "Barbaren" und "Abschaum". Auf einer Seite findet sich das Bild eines verunstalteten Schweines, das mit "Mohammed-Pig" betitelt ist. Darunter finden sich Zeilen, die den Propheten Mohammed als Pädophilen beschreiben. Der Autor fordert, dass alle "Dreckschweine sofort heim ins Islamreich" verschwinden.
Der Klub zeigte sich ob der Anfeindung geschockt und forderte die Öffentlichkeit auf, "uns zu unterstützen und ein Zeichen gegen diese Art von Rassismus und Rechtsextremismus zu setzen". Präsident Mehmet Ali Han hofft, dass "diesen Menschen und ähnlich Denkenden gezeigt wird, dass sie nicht Berlin sind und nicht unsere Stadt und die Mehrheitsmeinung repräsentieren".
Auch der Berliner Fußball-Verband zeigte sich bestürzt. Präsident Bernd Schultz sprach gegenüber FUSSBALL.DE von einem "absolut inakzeptablen Vorfall". Der BFV werde in Absprache mit dem Nordostdeutschen Fußballverband "alles tun, um klar zu dokumentieren, dass wir mit aller Entschiedenheit gegen solche saudämlichen Äußerungen vorgehen". Allerdings hegt er große Zweifel, dass der Täter schlussendlich identifiziert wird. "Ich würde es mir wirklich wünschen, damit wir an ihm ein Exempel statuieren könnten. Meine Sorge ist aber, dass wir nicht genügend Hinweise erhalten werden, um strafrechtlich Erfolg zu haben."
Der Berliner AK wird seit Jahren für seine Arbeit in Sachen Integration gelobt. Der Klub hatte 2004 mit dem BSV Mitte fusioniert, der zuvor als BFC Güneyspor und Fenerbahce Berlin gespielt hatte, und war so zu einem vornehmlich deutsch-türkischen Verein gewachsen. Zwischenzeitlich hatte der Klub sogar mit dem türkischen Erstligisten Ankaraspor kooperiert.
"Ich habe noch vor kurzem mit einer Reihe anderer Berliner Vereine gesprochen, bei denen ebenfalls schon seit langem viele Ausländer in den Mannschaften spielen", sagte Schultz. Diese hätten bislang zum Glück keine vergleichbaren Erfahrungen machen müssen. "Ich hoffe daher, dass es sich letztlich um einen einzelnen Verirrten handelt."
Quelle: FUSSBALL.DE
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