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Hype um Borussia Dortmund in Indien

15.07.2013, 16:41 Uhr | sid

In seinem Heimatland Indien ist Sunil Chhetri ein Star. (Quelle: imago\Xinhua)

In seinem Heimatland Indien ist Sunil Chhetri ein Star. (Quelle: Xinhua/imago)

Als Arunava Chaudhuri am Samstagmorgen um sechs Uhr in der Früh aus dem Bett geklingelt wurde, wusste er, dass irgendwas passiert sein musste. In Indien herrschte helle Aufregung, und der Rat Chaudhuris, der von Remscheid aus den meistgelesenen Fußball-Blog im zweitbevölkerungsreichsten Staat der Erde betreibt, war gefragt. Ob es stimme, dass der indische Kapitän Sunil Chhetri zum Champions-League-Finalisten Borussia Dortmund wechsele, wurde er gefragt. Doch der gewöhnlich gut informierte Chaudhuri wusste von nichts. Also begann er zu recherchieren und war hin- und hergerissen zwischen Schmunzeln und Kopfschütteln - Bollywood lässt grüßen.

Auslöser war eine Glosse der Fachzeitschrift "Reviersport". Die hatte dem BVB aufgrund des Hypes um den verpflichteten Armenier Henrich Mchitarjan in dessen Heimat ironisch ans Herz gelegt, Chhetri zu verpflichten. Dann könne man schließlich mit einem Schlag 1,2 Milliarden neue Fans gewinnen. In Windeseile war die Nachricht am anderen Ende der Welt angekommen - und wurde dort für bare Münze genommen. "Der Google Translator übersetzt eben keine Ironie", sagt Chaudhuri.

BVB-Telefone stehen nicht mehr still

In der Folge versuchte der in Deutschland geborene Inder der Geschichte den "Wind aus den Segeln" zu nehmen. Und obwohl sein Blog ungewöhnlich hohe Zugriffszahlen vorweisen konnte, ließ sich die Geschichte kaum aufhalten. Bei BVB-Sprecher Sascha Fligge klingelte derweil das Telefon Sturm. Alleine 15 indische Medien, von der großen "Times of India" bis zur Regionalzeitung, wollten eine Stellungnahme.

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Sie verbreiteten die Dementis, doch auch das stoppte den Hype nicht. Dieser nahm teilweise kuriose Blüten an. Borussia Dortmund war am Sonntag einer der meistgetwitterten Begriffe in Indien, bei Facebook wurde eine indische Fanseite des BVB gegründet. Chhetris Homepage brach zwischenzeitlich zusammen, viele Beiträge mussten gelöscht werden.

"Die Bayern müssten sich ärgern"

"Welcome to India", sagt Chaudhuri schmunzelnd und erinnert sich an eine Schlagzeile vor drei Jahren. Damals bewarb sich ein Niederländer mit Vornamen Rudi um den Job bei der Nationalmannschaft. Zwei Tage später stand in den indischen Medien: "Rudi Völler wird Nationaltrainer." Dies alles passiert auch aus einer tiefen Sehnsucht heraus, "dass der indische Fußball irgendwann einmal im Weltfußball" ankommt, berichtet Chaudhuri und glaubt, dass diese kuriose Geschichte für den BVB von Vorteil sein wird.

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"In Sachen internationaler Vermarktung vielleicht wertvoller als der Einzug ins Champions-League-Finale", sagt er. Vor sechs Wochen hatte Carsten Cramer, Direktor für Vertrieb und Marketing beim BVB, in einem Interview noch festgestellt, "dass wir nicht meinen müssen, dass in China oder Indien alle Menschen auf Borussia Dortmund warten."

Nun ist der BVB dort im Gespräch, "und vielleicht bleibt sogar der ein oder andere Fan hängen", meint Chaudhuri und ergänzt: "Die Bayern müssten sich ärgern." Der Triple-Sieger ist seit 2005 schon fünfmal nach Indien geflogen, um auf diesem wichtigen und großen Markt zu werben, "und nun hat ihm der BVB zumindest kurzfristig den Rang abgelaufen".

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Noch fehlt die Qualität

Die Gefahr, dass aus dieser unabsichtlichen Erfahrung der Dortmunder eine Masche werde, und Vereine Interesse bewusst streuen, um im Gespräch zu sein, bestehe durchaus. Und der europäische Klub, der den ersten indischen Spieler "verpflichtet und auch einsetzt, wird auf eine Goldader stoßen", prophezeit Chaudhuri.

Freilich fehlt den Spielern auf dem Subkontinent noch ganz klar die Qualität. Auch Chhetri. Bei seinen beiden Auslands-Abenteuern scheiterte er: Bei Kansas City Wizard wurde er 2010 nur in einem Freundschaftsspiel eingesetzt, bei Sporting Lissabon kam er in der vergangenen Saison auf 27 Einsatzminuten - in der 2. Mannschaft. Einer für Dortmund ist der 28 Jahre alte Stürmer also ganz sicher nicht.

Quelle: sid

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