03.12.2009, 17:11 Uhr
Brasilien feiert den Gewinn des Confed Cups 2009. (Foto: imago)Der Rekordweltmeister träumt schon vom sechsten Titel. Mal wieder, wie eigentlich immer geht Brasilien als einer der Top-Favoriten ins Rennen. Als einziges Team war die Selecao bei bislang allen 18 Auflagen des größten Fußballturniers dabei.
Auch im 19. Anlauf können die Gelb-Grünen auf eine Mischung aus erfolgsverwöhnten Routiniers wie dem früheren Bayern-Verteidiger Lucio und hungrigen Youngstern wie Milan-Stürmer Alexandre Pato zurückgreifen. Stars sind sie alle bereits, ob in der heimischen Liga oder in Europas Spitzenklubs.
Als Spitzenreiter der Südamerika-Gruppe hat sich Brasilien standesgemäß für das Endrundenturnier in Südafrika qualifiziert. Nur zwei Niederlagen hat das Team bezogen, in Paraguy relativ früh im Wettbewerb und in Bolivien am vorletzten Spieltag, nachdem das WM-Ticket bereits gesichert war. Die Tordifferenz fällt mit 33:11 deutlich aus. Besonders süß war der Sieg im Prestigeduell mit Argentinien. Beim 3:1-Erfolg in Rosario ließ die Selecao dem Erzrivalen keine Chance und schürte damit kurzzeitig die Angst im Nachbarland, die WM zu verpassen. Einzig die sieben Remis stören ein wenig in der Bilanz.
Brasiliens Nationaltrainer Carlos Dunga. (Foto: imago)Carlos Dunga sollte der Selecao Beine machen nach dem Schock der verpassten Titelverteidigung 2006. Der frühere Vorzeigeprofi vom VfB Stuttgart ist bestimmt der richtige Mann für diese Aufgabe. Show-Allüren sind dem Weltmeister-Kapitän von 1994 fremd. Schon als Spieler galt der defensive Mittelfeldspieler als ehrlicher Arbeiter unter den vielen Samba-Künstlern seines Landes. Als Nationaltrainer lässt er sich von den unzähligen Stimmen aus dem Umfeld nicht reinreden, beispielsweise von der großen Fraktion, die eine Rückkehr Ronaldos bewirbt.
„Dunga“ ist portugiesisch für „Dopey“, einem der sieben Zwerge aus dem Märchen. Sein Onkel gab ihm den Spitznamen. Doch Dunga ist alles andere als ein Zwerg. Er nominiert nicht nach Namen, sondern nach Leistung und hat auch Spielern wie Vagner Love aus der wenig beachteten russischen Liga eine Chance gegeben. Zuletzt überraschte er mit dem gelungenen Comeback von Adriano, der eigentlich weg vom Fenster schien. Obwohl Dunga ohne Erfahrung zum Cheftrainer wurde, macht er seine Sache bislang sehr erfolgreich. 2007 holte er mit seinem Team die Südamerikameisterschaft gegen die favorisierten Argentinier und 2009 gewann er gegen die USA, wenn auch glücklich, den Confed Cup. Dunga selbst stellt aber nicht die jüngsten Titel in den Mittelpunkt: "Der größte Gewinn ist, dass wir die Fans wieder auf der Seite der Nationalauswahl haben."
Superstar der Selecao: Kaká. (Foto: imago)Er ist der Gegenentwurf zum Stereotyp des brasilianischen Samba-Künstlers, der sich aus den Favelas an die Weltspitze kämpft: Ricardo Izecson dos Santos Leite, besser bekannt unter dem Künstlernamen Kaká, kommt aus bestem Haus und musste sich nicht mit Ellbogen im Existenzkampf bewähren. Dennoch ist aus dem höflichen Jungen einer der besten Mittelfeldspieler der Welt geworden, einer der wertvollsten zudem. Als der AC Mailand 2009 endlich dem Dauerwerben von Real Madrid erlag, mussten die Spanier 65 Millionen Euro an die Italiener überweisen. Damit ist Kaká nach Cristiano Ronaldo und Zinedine Zidan der drittteuerste Spieler aller Zeiten.
Bereits mit 20 Jahren gehörte er zum Kader der Selecao, die in Japan/Südkorea zum fünften Mal den WM-Titel holte. Mit 26 Jahren könnte er zum zweiten Mal den Gipfel erklimmen. Im Klubfußball hat der Supertechniker ebenfalls die bedeutendsten Titel bereits gewonnen. Mit dem AC Mailand wurde er italienischer Meister, Champions-League-Sieger und Gewinner des Weltpokals. 2007 wurde er außerdem als Weltfußballer des Jahres geehrt. Kaká hat alles, was ein Fußballer mitbringen muss: eine überragende Technik, ein tolles Auge für die Mitspieler, Torjägerinstinkt, die nötige Fitness und ein großes Kämpferherz.
Brasilien hat etwas gutzumachen für das frühe Viertelfinal-Aus bei der WM 2006 in Deutschland. Die Selecao wird nicht überheblich zu Werke gehen - dafür steht Carlos Dunga. Wie fast bei jeder WM der letzten fünfzig Jahre verfügt das Team über die besten Einzelkönner. Die Frage ist allein: wird auch eine funktionierende Mannschaft draus? Mit dem Sieg im Confed Cup 2009 und der reibungslosen WM-Qualifikation liegt Brasilien voll im Plan und kann nun darauf hoffen, dass die nächste Generation den Auftrag Gold erfüllt.
Brasilien im Überblick:
| |
Spitzname | Selecao |
Trainer | Carlos Dunga |
Kapitän | Lucio |
Größter Erfolg | Weltmeister 1958, 1962, 1970, 1994, 2002 |
FIFA-Weltranglistenplatz | 2 |
Bisherige WM-Teilnahmen | 18 |
Quelle: t-online.de
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