17.10.2011, 16:09 Uhr
Die seit langer Zeit schwelende Diskussion über die passive Abseitsregel im Fußball hat durch drei umstrittene Entscheidungen am zurückliegenden Bundesliga-Spieltag neue Nahrung erhalten. Viele Klub-Verantwortliche und Trainer fordern eine Präzisierung der Regel, um den Auslegungs-Spielraum der Schiedsrichter einzugrenzen und für einheitliche Entscheidungen zu sorgen. Franz Beckenbauer will das passive Abseits sogar ganz abschaffen, um das vermeintliche Chaos zu beseitigen.
"Die einfachste Möglichkeit wäre, wir gehen wieder zurück in die Steinzeit, wo Abseits noch Abseits war", sagte der "Kaiser" in seiner Eigenschaft als Experte des Pay-TV-Senders Sky. "Es ist ohnehin schwer für Schiris. Anstelle, dass man es ihnen leichter macht, macht man es ihnen schwerer. Aktiv, passiv, greift der jetzt ein oder nicht. Es wird immer unübersichtlicher."
Beim passiven Abseits waren die Bundesliga-Schiedsrichter in der Vergangenheit recht großzügig, wenn der betroffene Spieler nicht in die Begegnung eingegriffen hat. Doch von der Besprechung des "Referee Assistence Program" von FIFA und UEFA im Mai in Düsseldorf haben Fröhlich und Wagner die Anweisung mitgebracht: "Wenn der im Abseits stehende Spieler das Spiel wieder kreuzt, soll eher die Fahne kommen." Das heißt, wenn ein im Abseits stehender Profi den Torwart oder einen Abwehrspieler nur leicht irritiert, wird abgepfiffen.
Nach Ansicht von Lutz Michael Fröhlich, dem Schiedsrichter-Abteilungsleiter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), wird sich an dieser Problematik vorerst nichts ändern. "Der Fußball muss mit solchen Entscheidungen leben", sagte Fröhlich im ZDF. "Es geht immer um Irritation oder Ablenkung. Das ist ein Ermessensspielraum." Beckenbauer forderte die Unparteiischen aber auf, selbst aktiv zu werden. "Die Schiris sollen auch ihren Teil dazu beitragen. Die Schiris sollen etwas tun, denn sie sind die ersten, die kritisiert werden, wenn es nicht funktioniert", äußerte der 66-Jährige, der die Hoffnung auf Besserung noch nicht aufgegeben hat. "Es gibt so viele Kommissionen bei FIFA und UEFA. Da gibt es genug Spezialisten, die sich Gedanken machen", sagte Beckenbauer. "Ich bin sicher, dass irgendwann ein findiger Mensch aus der Kommission kommt und eine ganz einfache Lösung präsentiert."
Darauf warten die Vereine schon lange. Am Wochenende fühlten sich Hannover 96, der FSV Mainz 05 und Werder Bremen benachteiligt. Vor allem deshalb, weil die FIFA-Regel elf, die viel Platz für Interpretationen der Schiedsrichter lässt, nicht einheitlich ausgelegt wurde. Hannover und Mainz wurde ein Tor aberkannt, Bremen musste einen umstrittenen Gegentreffer hinnehmen. Auch Lutz Wagner, der Schiedsrichter-Lehrwart des DFB, räumte die Probleme der Referees ein. "Der Fall in Mainz war eindeutig, der in Bremen umstritten."
Von den unterschiedlichen Auslegungen der Unparteiischen, die vor der Saison angehalten wurden, dass passive Abseits konsequenter zu ahnden, haben die Trainer und Manager nun die Nase voll. "Insgesamt ist die Regel ganz schwierig, weil es schwer ist, sie immer gleich auszulegen", sagte Hannovers Sportchef Jörg Schmadtke. 96-Trainer Mirko Slomka forderte eine Regel, "die allen gerecht und bei der immer gleich entschieden wird." Ähnlich sieht es Slomkas Mainzer Kollege Thomas Tuchel. "Wir haben auf jeden Fall ein Problem mit der Auslegung dieser Regel. Es ist ärgerlich, dass es Schiedsrichterschulungen gibt und im Vorfeld darüber gesprochen wird und man hinterher doch alleine dasteht. Es gibt eine zu große Grauzone", sagte der Coach. Der Mainzer Manager Christian Heidel wurde noch deutlicher. "Diese Regel halte ich für Quatsch. So ist sie ein Lotteriespiel", sagte der Funktionär dem "kicker". "So kann man das passive Abseits abschaffen. Im Strafraum ist immer irgendein Spieler, der Einfluss aufs Spiel nehmen könnte."
Auch die Profis sind verunsichert. "Der Spieler hat mich nicht irritiert, ich habe ihn nicht einmal gesehen", kommentierte Kölns Torhüter Michael Rensing das nicht anerkannte Gegentor in der Partie gegen Hannover. "Deshalb hab ich mich schon während des Spiels gefragt, warum pfeift der das?" Allerdings machen sich nicht alle Spieler Gedanken über die Abseitsregel. Nationalspieler Lukas Podolski juckt die ganze Diskussion nicht: "Wie die Regel auszusehen hat, ist mir egal, das müssen andere entscheiden. Wann es Abseits ist oder nicht weiß ich nicht - und es interessiert mich auch nicht."
Quelle: sid , dpa
Arsene Wenger mistet bei Arsenal aus.
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