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"Massiver Weckruf" für den englischen Fußball

14.03.2013, 15:50 Uhr | dpa

Olivier Giroud vom FC Arsenal  (Quelle: imago\GEPA pictures)

Olivier Giroud muss trotz des Sieges in München mit Arsenal die Segel streichen. (Quelle: GEPA pictures/imago)

Nur David Beckham ist übrig geblieben. Wenn die Champions League in ihre entscheidende Phase geht, ist England nur noch mit dem in die Jahre gekommenen Star von Paris St. Germain vertreten. Und für das Fiasko in der Königsklasse verspottet sich das Fußball-Mutterland mal wieder selbst. "Ganz Europa streckt uns die Zunge raus", lästerte die "Daily Mail" über das Viertelfinale ohne Beteiligung englischer Klubs, was es letztmals vor 17 Jahren gab.

Ausgerechnet zum Finale am 25. Mai in Wembley stelle die Nation, die dieses Spiel eigenen Angaben zufolge erfunden haben, "wohl nur das Catering", trauerte der "Daily Telegraph" und spottete, dass der englische Fußball in einem seine Meisterklasse behalten habe: im glorreichen Scheitern. So nahm Trainer-Ikone Arsène Wenger vom FC Arsenal die Vereine der selbst erklärten besten Liga der Welt in die Pflicht: "Das ist ein massiver Weckruf für uns."

Wenger: "Der Rest in Europa hat aufgeholt"

Das Aus seiner Gunners beim FC Bayern München besiegelte die Misere der Premier League. Der 63-Jährige beschönigte nichts: "Das ist eine riesige Enttäuschung für Englands Fußball. Der Rest in Europa hat aufgeholt. Wir müssen uns für die Zukunft Gedanken machen." Der walisische Ex-Nationalspieler und "Mirror"-Kolumnist Robbie Savage sagte: "Englische Klubs sind nicht mehr so gut, wie sie denken."

Bayern-Coach Jupp Heynckes mochte indes noch keinen Abgesang auf den englischen Fußball anstimmen, sondern spricht von einer Momentaufnahme: "Jetzt hat es die Engländer getroffen. Manchester United ist gegen Real Madrid sehr unglücklich aus dem Wettbewerb geflogen. Auch Arsenal hat gezeigt, dass es eine Top-Mannschaft hat", sagte Heynckes. "Ich glaube, die englischen Mannschaften werden nächstes Jahr auch wieder erfolgreich sein. Solche Zyklen gibt es immer im Fußball." Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Klar, ihren Zenit haben die Klubs überschritten: Zwischen 2007 und 2009 stellten sie neun von zwölf Halbfinalisten in Europas Elite-Liga. Und natürlich kaschierte der Vorjahrestriumph des FC Chelsea den Trend. Auch damals kam kein anderes Insel-Team ins Viertelfinale.

Podolski twittert Mutmacher

Nach dem UEFA-Koeffizienten stammen allerdings immer noch drei der besten sechs Teams aus England. Zu Saisonstart lag die Liga auf Platz eins im Länder-Vergleich, inzwischen ist sie hinter Spanien gerutscht und könnte zur neuen Spielzeit hinter die Bundesliga fallen. Und die Gründe für das Scheitern sind vielseitig. Rekordmeister Manchester United galt nach einer bisher überragenden Saison als Mitfavorit, ehe Nanis sehr umstrittene Rote Karte gegen Madrid das Ende des Triple-Traums einleitete. Manchester City ist trotz aller Scheich-Millionen in der Champions League noch in den Lehrjahren und hatte mit Dortmund, Real und Ajax wieder eine Hammergruppe erwischt.

Chelsea ist eben Chelsea. Und Arsenal ist nicht mehr das Arsenal, das 2006 im Endspiel stand. In der Liga liegt die Wenger-Elf nur auf Europa-League-Kurs. Aus dem Bayern-Rückspiel zogen die deutschen Kanoniere dennoch viel Positives. "Wir hatten die Bayern am Rande des Ausscheidens", sagte Per Mertesacker. "Wenn die Mannschaft so eine Moral zeigt, ist mir nicht Angst und Bange." Der verletzte Lukas Podolski saß vorm Fernseher und twitterte: "Super Kampf, klasse Leistung! Auf dem Sieg können wir für den Rest der Saison aufbauen." Die findet für Arsenal aber nicht in der Champions League ihre Fortsetzung.


Quelle: dpa

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