14.10.2011, 10:34 Uhr
Zwar wird Kevin Kuranyi mit Dynamo Moskau in diesem Jahr definitiv keinen Titel mehr holen, doch das Topspiel am kommenden 27. Spieltag bei Spitzenreiter Zenit St. Petersburg gilt trotzdem als Gradmesser: "Wir sind alle heiß auf dieses Spiel. Und ich glaube, auch die Fans können sich freuen, denn es treffen zwei sehr offensivstarke Mannschaften aufeinander", sagte Kuranyi. Bei einem Sieg wäre Moskau sogar punktgleich mit Zenit. Doch einen Meister wird es 2011 in der Premjer Liga gar nicht geben, da die russische Saison an die westliche Zeitrechnung angepasst und ab kommendem Jahr erstmals von Sommer bis Frühjahr stattfinden wird.
Zum Übergang läuft die aktuelle Spielzeit von März 2011 bis Mai 2012. Nach der regulären Spielzeit mit 30 Spieltagen wird die Liga im November zweigeteilt und es startet eine Meister- und eine Abstiegsrunde.
Seit Juli 2010 stürmt der ehemalige Stuttgarter und Schalker im fernen Moskau. Nach der enttäuschenden ersten Saison, in der es trotz neun Kuranyi-Toren in 16 Partien nur zu Rang sieben reichte, ist Dynamo in diesem Jahr ein echter Titelkandidat - vor allem dank des 29-Jährigen: Acht Tore und neun Assists hat er mittlerweile auf dem Konto. In neun Jahren Bundesliga konnte er nur einmal mehr Treffer vorbereiten, vor fünf Jahren im Trikot des FC Schalke 04.
Der aktuelle Erfolg des Tabellendritten ist umso überraschender, da es zu Saisonbeginn gar nicht rosig aussah: Kaum Verstärkungen, ein schwacher Start, schließlich ein Trainerwechsel - der jedoch die Wende brachte. Sergej Silkin, zuvor Nachwuchstrainer bei Dynamo, setzte auf die Jugend.
Und die wenigen Routiniers wie Kuranyi, Zvjezdan Misimovic oder Andrej Woronin, ebenso aus der Bundesliga bekannt, blühten in ihrer Rolle als Führungsspieler auf. Woronin ist Kapitän und fungiert inzwischen mehr als Spielmacher. Kuranyi hat im Angriff sämtliche Freiheiten und nutzt diese nicht nur als Vollstrecker sondern eben auch als Vorbereiter.
Die Folge: Der von Bundestrainer Joachim Löw verschmähte Stürmer ist der absolute Publikumsliebling bei den Dynamo-Fans. Die haben inzwischen sogar schon eine Unterschriften-Aktion gestartet, unter dem Motto: Löw, hol Kuranyi zurück. "Sport Express", Russlands größte Sportzeitung, wählte den 261-maligen Bundesligaspieler gerade erst zum Spieler des Monats September.
Im Topspiel bei Zenit wird keine Titel-Entscheidung fallen, aber die Partie ist richtungweisend. "Ich bin zuversichtlich, denn wir haben, seit ich hier bin, in fast allen Topspielen gut ausgesehen", sagte Kuranyi. Tatsächlich hat Dynamo gegen die Spitzenklubs eine grandiose Statistik: In den zehn Duellen gegen St. Petersburg sowie ZSKA, Lokomotive und Spartak Moskau gab es für Dynamo seit Sommer 2010 nur eine Niederlage.
"Es kommt uns entgegen, auf spielstarke Gegner zu treffen", erklärte Kuranyi diese Spitzenwerte.
Das wird in der zweiten Phase der Saison nur noch der Fall sein: Denn nach dem 30. Spieltag Anfang November wird die Liga zweigeteilt. Die besten acht Mannschaften der regulären Spielzeit stehen sich dann bis Mai in 14 Partien gegenüber und spielen den Meister aus - dann will Kuranyi endlich seinen ersten Titel holen.
Quelle: dapd
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