28.01.2010, 14:27 Uhr
Von Sebastian Schlichting
Das Buch über die Geschichte von Eintracht Braunschweig (Foto: Verlag Die Werkstatt).Es ist nur ein einziger Satz inmitten des fast 400 Seiten starken Buches. Aber er sagt alles über die Bedeutung des Klubs in der Stadt: „Braunschweig ist Eintracht und Eintracht ist Braunschweig.“ Seit fast 115 Jahren. Die Sportjournalisten Horst Bläsig und Alex Leppert haben nun mit „Ein Roter Löwe auf der Brust. Die Geschichte von Eintracht Braunschweig“ den Weg des Vereins nachgezeichnet, von den Anfängen auf dem Leonhardplatz bis zur Gegenwart. Dort spielt die Eintracht in der 3. Liga und hat mit über 12.000 den zweithöchsten Zuschauerschnitt nach Dynamo Dresden. Eine Zahl, die viele Zweitligisten nicht erreichen. Es muss also etwas dran sein an dem Spruch einer früheren Marketing-Kampagne des Braunschweiger Turn- und Sportvereins Eintracht: „Wahre Liebe hält ewig.“
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Das Buch ist in drei große Abschnitte aufgeteilt: Von der Gründung 1895 bis zur Bundesliga-Einführung 1963, dann die Zeit bis 1993, in die die größten sportlichen Erfolge fielen und die mehrheitlich erfolglosen – und mit vielen finanziellen Problemen behafteten – Jahre bis heute. Allein knapp zehn Seiten nimmt die Spielzeit 1966/67 ein, an deren Ende sensationell der Gewinn der bis heute einzigen deutschen Meisterschaft stand.
Neben der chronologischen Nacherzählung gibt es interessante Exkurse, in denen Zeitzeugen wie der frühere Trainer Aleksandar Ristic oder Ex-Kapitän Thomas Pfannkuch zu Wort kommen. Darüber hinaus wird natürlich die Rivalität zu Hannover 96 und das Thema Trikotwerbung ausführlich beleuchtet, schließlich war Braunschweig der erste Bundesligist, der einen Sponsor auf der Brust hatte. Auch die dunklen Kapitel des Vereins werden ausführlich betrachtet. Zum Beispiel im Nationalsozialismus, als sich die Eintracht „sehr früh und nahezu ohne Gegenwehr auf Parteilinie bringen ließ“ oder Braunschweigs Rolle im Bundesligaskandal, als man zwar keine Spiele verschob, aber Prämien von dritter Seite annahm. Mehrere Spieler wurden danach gesperrt.
Das Buch zur Geschichte von Eintracht Braunschweig, das im Gegensatz zu vielen anderen Traditionsklubs noch nie unterhalb der dritten Liga gespielt hat, ist gleichzeitig eine interessante Zeitreise durch die Geschichte des Fußballs. 1897 beispielsweise, Jahre vor einem geordneten Spielbetrieb, zahlten 300 Zuschauer je 30 Pfennig Eintritt für eine Partie gegen Preussen Berlin. Über 100 Jahre später, der Fußball war längst ein lukratives Geschäft geworden, holte der Klub in einer Winterpause mal so eben elf neue Spieler, um in der 2. Bundesliga zu bleiben. Was gründlich daneben ging.
Bläsig/Leppert liefern viele wissenswerte bis kuriose Anekdoten und Fakten. Manches, etwa die Zahl der verkauften Dauerkarten oder die Anzahl der Fans beim Training, erscheint einen Tick zu detailverliebt. Vieles ist aber auch für den neutralen Leser interessant. So war Braunschweigs Walter Schmidt der einzige Spieler der Bundesliga, der die ersten 100 Begegnungen nach Gründung 1963 bestritt. Zu einem Auswärtsspiel 1967 lief Viktor Siuda, mehrfacher deutscher Meister im Gehen, die 328 Kilometer nach Essen zu Fuß. Und 1994/95 wurde Ersatzkeeper Burkhard Kick mehrmals als Stürmer eingesetzt. Abgerundet wird das sehr lesenswerte Buch durch schöne Fotos vor allem aus der frühen Zeit des Klubs und eine umfangreiche Statistik, unter anderem mit einem Spieler-Lexikon von A(den) bis Z(immermann) und allen Abschlusstabellen der Eintracht seit 1905.
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