19.02.2012, 17:05 Uhr
Robin van Persie (links) und Theo Walcott können es nicht fassen. Die siebte titellose Saison in Folge droht. (Quelle: imago)
Arsene Wenger hatte die Frage wohl erwartet, dennoch wertete er sie als Affront. Ob seine Position als Teammanager des FC Arsenal London gefährdet sei, wurde der Franzose nach dem Achtelfinal-Aus im FA-Cup beim AFC Sunderland gefragt. "Welche Position?", fragte Wenger giftig zurück. Als sich dann noch jemand erdreistete zu fragen, ob er hoffe, in der kommenden Saison noch im Amt zu sein, hatte Wenger genug gehört. "Ich glaube, dass es besser ist, diese Pressekonferenz jetzt zu beenden", sagte er - und ging.
Dass der große Elsässer, in London längst eine Legende, derart angegangen wird, wäre vor wenigen Monaten als Majestätsbeleidigung eingeschätzt worden. Doch spätestens seit der Tracht Prügel von Mailand, als die Gunners in der Champions League 0:4 unter die Räder gekommen waren, steht Wenger ernsthaft zur Disposition.
"Morgen früh fliegst du raus!", sangen die Sunderland-Fans beim 2:0 (1:0)-Sieg der Black Cats. Und auch, wenn es so weit noch nicht ist, muss man sich ernsthaft sorgen um Wenger. Es mag wie ein Sakrileg erscheinen, das zu sagen, schrieb der Guardian, "aber selbst die Besten verirren sich irgendwann - und dann unwiederbringlich". Die Daily Mail spekulierte nach der "Horror-Show" sogar, dass Wenger zum Saisonende trotz bis 2014 laufenden Vertrags in den Vorstand "wegbefördert" wird und Pep Guardiola vom FC Barcelona auf ihn folgt. Guardiola zögert, seinen Kontrakt zu verlängern und hat schon häufiger vom Reiz des Neuen gesprochen.
Arsenal ist in beiden Cup-Wettbewerben ausgeschieden, in der Königsklasse so gut wie und in der Liga nur Vierter - es wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die siebte Saison ohne Titel in Folge. Möglicherweise wird Arsenal sich erstmals in der Ära Wenger, der seit 1996 amtiert, nicht für die Champions League qualifizieren. Nicht nur Nationalspieler Per Mertesacker wird das beunruhigen. Zumal die Kanoniere sich im Dauer-Umbruch befinden und ihr einziger Weltklassespieler Robin van Persie vor dem Abgang steht.
Roy Keane, der sich mit Arsenal als Profi von Manchester United so manche Schlacht lieferte, nannte die aktuelle Truppe am Wochenende die "schlechteste Arsenal-Mannschaft, die ich je gesehen habe". Emmanuel Petit, Double-Sieger mit Arsenal 1998, empfahl Wenger, nun knallhart durchzugreifen. "Man muss ein starkes Signal setzen und Leuten wie Arschawin und Rosicky sagen: Gentlemen, danke, aber auf Wiedersehen!" Wenger müsse seinen Jugendstil aufgeben und erfahrene Spieler holen. Bezeichnenderweise war es in Sunderland ein Eigentor des 18-jährigen Alex Oxlade-Chamberlain (78.), das die Niederlage besiegelte. Zuvor hatte Kieran Richardson getroffen (40.)
Steckt Arsenal jetzt in der Krise? "Kommt darauf an, was Sie Krise nennen: Die Leute kritisieren, analysieren, zerstören. Ich bekomme von vielen viel zu hören. Es ist wichtig, dass wir uns dem stellen und Stärke zeigen." Die Frage ist nur, wie lange er das noch will.
Quelle: sid
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