03.12.2009, 17:11 Uhr
Stürmer mit Biss: Englands Rooney. (Foto: imago)Für die Fußballfans auf der Insel ist die Sache klar: 2010 endet die 44 Jahre lange Durststrecke ohne Titelgewinn. Bei den Ticketvorverkäufen für Südafrika war die Teamserie England als eine der ersten überhaupt ausverkauft.
Warum auch nicht diese Euphorie? Die stärkste Liga der Welt schickt einen Haufen überdurchschnittlicher Fußballer ins Rennen, der sich mittlerweile auch als Mannschaft gefunden hat.
England hat sich hervorragend erholt vom Schock der verpassten Europameisterschaft 2008. Problemlos wie selten ist das Team durch die WM-Qualifikation gerauscht und hat dabei ganz nebenbei die schlimmen Geister der Euro-Quali beseitigt: Klar und deutlich mit 4:1 und 5:1 fertigten die Three Lions Angstgegner Kroatien ab. Selbst an der einzigen Niederlage in der Gruppe 6, im Abschlussspiel in der Ukraine, hatten die Engländer ein wenig Freude, verhinderte es doch Kroatiens Sprung auf Rang zwei, der zur Relegation berechtigt hätte. Ansonsten stehen neun Siege und 34:6 Tore zu Buche. Very impressive.
Hat England auf Kurs gebracht: Capello. (Foto: imago)Nach der verpassten Qualifikation für die EM 2008 folgte auf den blassen Steve McClaren der Weltmann Fabio Capello. In nur kurzer Zeit hat der Italiener den Engländern wieder Mut und vor allem Struktur gegeben. Wie schon in seiner Zeit als erfolgreicher Klubtrainer legt Opern-Fan Capello auch als Nationalcoach viel Wert auf Disziplin. Der 63-Jährige hat auch den Mut, Talenten eine Chance zu geben. Darüber hinaus war er sich nicht zu schade, dem alternden Superstar David Beckham eine neue, allerdings untergeordnete Rolle im Team zuzugestehen. Die glatte Qualifikation Englands für die WM lässt sich wohl vor allem dem klaren Konzept des Trainers zuordnen.
Capello sammelt nicht nur Kunstwerke - er bewundert vor allem den Maler Kandinsky - als Vereinscoach sammelte er alle Titel, die es zu gewinnen gibt: italienische Meistertitel mit AC Mailand, AS Rom und Juventus Turin (letztere wurden allerdings im Zuge des Bestechungsskandals aberkannt), spanische Meistertitel mit Real Madrid. Schon im dritten Jahr seiner Trainerkarriere holte er die Champions League mit Milan - durch den unvergessenen 4:0-Kantersieg der vermeintlichen Catenaccio-Kicker über den FC Barcelona. Capello selbst sieht die Station als Nationaltrainer als Höhepunkt seiner Karriere an. Er hat bereits angekündigt, sich nach Ende seines Engagements in England zurückzuziehen.
Die englische Mannschaft ist eine einzige Ansammlung von Superstars: David Beckham, Steven Gerrard, Frank Lampard, Michael Owen - allesamt anerkannte Weltklassespieler. Doch auch hier sticht einer heraus: Wayne Rooney. Mit acht Toren in der WM-Qualifikation hat der bullige Stürmer großen Anteil am aktuellen Erfolg der Engländer. Im Nationalteam wie auch bei seinem Klub Manchester United ist Rooney nicht zu ersetzen. Kein Spieler hat sein Durchsetzungsvermögen, seinen Biss, seinen Torriecher und seine Fähigkeiten beim Abschluss. Für United hat er schon über 70 Ligatreffer erzielt, und drei Meisterschaften in Folge sowie die Champions League und die Klub-WM gewonnen. Kaum zu glauben, dass Rooney erst 24 Jahre alt ist. Schon mit 16 debütierte er für Everton in der englischen Premier League, schon 2004 bei der EM in Portugal machte er den ersten Schritt zum Weltstar.
Die Zeit scheint reif für eine gute WM der Engländer. Herausragende Individualisten haben sich unter der Leitung von Trainer Capello zu einem wirklichen Team gefunden, das auf allen Positionen gut bis überdurchschnittlich besetzt ist.Dazu könnten die Engländer in Joe Hart endlich wieder einen souveränen Torwart gefunden haben. Der Keeper von Birmingham City spielte jedenfalls jüngst eine tolle U-21-EM und feierte bereits sein Debüt in der Nationalelf. Gut möglich also, dass 44 Jahre nach Bobby Moore wieder ein englischer Kapitän eine WM-Trophäe in den Himmel streckt.
England im Überblick:
| |
Spitzname | Three Lions |
Trainer | Fabio Capello |
Kapitän | John Terry |
Größter Erfolg | Weltmeister 1966 |
FIFA-Weltranglistenplatz | 9 |
Bisherige WM-Teilnahmen | 12 |
Quelle: t-online.de
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