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Robben-Nominierung geht voll nach hinten los

20.11.2011, 10:00 Uhr

Bei Arjen Robben lief im Spiel gegen Dortmund nicht viel zusammen. (Quelle: imago)

Bei Arjen Robben lief im Spiel gegen Dortmund nicht viel zusammen. (Quelle: imago)

Aus München berichtet Thomas Tamberg

"Deutscher Meister wird nur der BVB...", schallte es nach dem Schlusspfiff durch die Allianz Arena. Während Bayern-Spieler und -Fans wie begossene Pudel die Szenerie verließen, feierten Matchwinner Mario Götze und Co. mit den rund 8000 mitgereisten Dortmunder Anhängern ausgelassen den 1:0-Erfolg beim FC Bayern. In einem umkämpften aber keinesfalls hochklassigen Spiel schlugen sich die Münchner auch ein wenig selbst.

Im Blickpunkt stand dabei die Personalie Arjen Robben. Überraschend nominierte Trainer Jupp Heynckes den wiedergenesenen Niederländer in die Startformation. Der Schuss ging voll nach hinten los.

Keine neuen Ziele

Durch den Sieg beim Tabellenführer rückt Borussia Dortmund bis auf zwei Zähler auf die Münchner heran und macht so den Kampf um die Meisterschaft wieder spannend. "Für die Liga ist es natürlich eine tolle Geschichte", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nach der Partie. Eine Kampfansage um den Meistertitel indes verkniff sich der 52-Jährige. "Wir wollen weiterhin ins internationale Geschäft. Wir bleiben ruhig und daher gibt es keine neuen Ziele." Bereits in der Vorsaison siegte der BVB in der bayerischen Landeshauptstadt mit 3:1 und ebnete den Weg zum Titel.

"Kein guter Spieltag für den FC Bayern"

"Das ist eine Niederlage, die schmerzt", sagte dagegen mit süßsauerer Miene sein Pendant auf Münchner Seite Karl-Heinz Rummenigge. Und mit Blick auf die weitere Konkurrenz musste der Vorstandsvorsitzende gar zugeben: "Das war kein guter Spieltag für Bayern München." Schließlich sind Borussia Mönchengladbach (5:0 gegen Bremen) und der FC Schalke 04 (4:0 gegen den 1. FC Nürnberg) auf zwei beziehungsweise drei Zähler dem FC Bayern auf die Pelle gerückt.

Klopp schwärmt von seiner Elf

Keine Frage, Dortmund zeigte eine disziplinierte und engagierte Leistung. "Wir haben gegen den Ball unglaublich gut gearbeitet und es dem Gegner ganz schwer gemacht, ihr normales Spiel aufzuziehen", zog Trainer Jürgen Klopp bei LIGA total! ein Fazit. Immerhin sind seine Kicker zehn Kilometer mehr gelaufen, als die Bayern-Spieler. Doch der Münchner haben es den Gästen an diesem Abend auch leicht gemacht.

Weidenfeller in der 75. Minute zum ersten Mal geprüft

"Wir haben es nicht verstanden, großen Druck aufzubauen. Das heißt, wenn wir das Spiel verlagern, dass man dann das Tempo anzieht, Eins-gegen-eins-Situationen schafft. Da war der Gegner zahlenmäßig wieder hinter dem Ball. Dann ist es natürlich schwer, Chancen zu kreieren", haderte Jupp Heynckes mit seiner Elf. Erst in der 75. Minute musste BVB-Keeper Roman Weidenfeller den ersten Schuss auf sein Tor parieren. Luiz Gustavo hatte aus 20 Metern abgezogen. Zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 1:0 für die Schwarz-Gelben. Ausgerechnet der zuletzt von Bayern umgarnte Jungstar Götze nutzte eine von zwei Tormöglichkeiten zum Torerfolg.

Lahm: "Eine Riesenchance vertan"

In einem extrem chancenarmen Spiel waren die Bayern mit 61 Prozent Ballbesitz zwar optisch überlegen, doch lediglich in den hektischen Schlussminuten konnten sie sich ein paar Torchancen herausspielen. "Wir haben uns nicht so gut bewegt. Unser Offensivspiel war heute nicht so geprägt von Bewegung und einen großen Laufradius gab es auch nicht", sagte Philipp Lahm, der neben Rafinha und mit Abstrichen Toni Kroos noch zu den besseren Münchnern zählte. "Wir haben in einem Topspiel nicht top gespielt. Das ist bitter, weil wir eine Riesenchance hatten, davonzuziehen", so der Nationalmannschaftskapitän weiter.

Robben steht neben sich

Ein Grund für die mangelnde Durchschlagskraft mag auch darin begründet sein, dass die Gastgeber bis zur 72. Minute quasi in Unterzahl agieren mussten. Dann beendete Heynckes sein Experiment und wechselte David Alaba für Robben ein. Der Niederländer stand nach siebenwöchiger Pause wegen einer Leisten-Operation überraschend in der Startformation. Ihm merkte man die fehlende Spielpraxis deutlich an. Robben suchte kaum einen Zweikampf, kam kein einziges Mal an seinem Gegenspieler Marcel Schmelzer vorbei, arbeitete selten nach hinten mit und versteckte sich mehr, als dass er Akzente setzte.

Verunsicherung durch Ringtausch

Wegen seiner Hereinnahme musste Thomas Müller von der rechten Außenbahn weichen und hinter den Spitzen spielen. Dort blieb er völlig wirkungslos und wurde ausgewechselt (72.). Auf der Zehner-Position zog zuletzt Kroos gekonnt die Fäden, der jedoch auf die Sechser-Position zurückbeordert wurde. Durch den von Robben ausgelösten Ringtausch schienen den Münchnern jegliche Automatismen abhanden gekommen zu sein. Stürmer Mario Gomez bekam kaum Bälle und hing völlig in der Luft. "Heute hat sicherlich etwas gefehlt im Vergleich zu den anderen Spielen", sagte Jerome Boateng.

Badstuber: "Jeder muss sich hinterfragen"

Als Holger Badstuber gefragt wurde, ob bei jedem Spieler das Feuer da war, um das Spiel zu gewinnen, überlegte der Verteidiger lange, sehr lange. Dann biss er sich lieber auf die Zunge und sagte dennoch vielsagend: "Das kann ich jetzt schlecht beurteilen. Da muss sich jeder einzelne hinterfragen." Auf der Pressekonferenz sagte Heynckes etwas kryptisch, dass ihm bereits am Vortag etwas innerhalb der Mannschaft aufgefallen sei, was ihm nicht gefallen habe. Man wird den Eindruck nicht los, dass die schnelle Nominierung Robbens, der schon oftmals die Kohlen für sein Team aus dem Feuer gerissen hat, für die Startformation nicht allen Spielern geschmeckt hat. Gesagt hat es freilich niemand.

Es klingt schon nach Durchhalteparolen

Beim Rekordmeister jedenfalls ist die Leichtigkeit des Siegens vorbei. "Wir müssen uns jetzt so präsentieren, dass wir auch Weihnachten oben stehen", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger. Dass klingt schon ein wenig nach Durchhalteparolen, wenn auch auf ganz hohem Niveau. Das Fehlen von Bastian Schweinsteiger scheint den Klub doch härter zu treffen, als man es zugeben mag. "Lamentieren bringt uns nicht weiter. Wir müssen versuchen, die Spiele trotzdem zu gewinnen“, erkannte Rummenigge.

Wie harmlos die Münchner ohne ihren Spiritus Rector waren, zeigt eine Aussage Watzkes. "Ich habe schon Spiele erlebt, bei denen ich wesentlich nervöser war in der zweiten Halbzeit als hier."

Quelle: FUSSBALL.DE

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