20.02.2012, 12:52 Uhr
Toni Kroos (li.) und Franck Ribéry suchen nach der Form der Vorrunde. (Quelle: imago)
Zu Jahresbeginn, anlässlich seines 60. Geburtstags, hatte sich Uli Hoeneß gewünscht, dass alles so bleiben möge, wie es ist. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bundesliga Winterpause und der FC Bayern München war Tabellenführer. Mitte Februar, fünf Spieltage später, würde dem Bayern-Präsidenten dieser Satz wohl kaum noch über die Lippen kommen. Nichts ist mehr so, wie es noch vor kurzem war. Das 0:0 beim SC Freiburg hat den Rekordmeister endgültig aus allen Träumen gerissen und in eine tiefe Sinnkrise gestürzt.
Wieder einmal war Hoeneß nach der Partie beim Aufsteiger in die Stadion-Katakomben geeilt, um seiner Mannschaft mitzuteilen, was er von dem leblosen Auftritt hielt. Würden die Kicker nur einen Bruchteil der Hoeneß'schen Leidenschaft an den Tag legen, sie hätten Freiburg in Grund und Boden gespielt.
So aber musste sich Sportdirektor Christian Nerlinger nach der Blamage im Breisgau vor die Presse stellen und Sätze sagen wie: "Dortmund ist jetzt natürlich Meisterschaftsfavorit." So weit ist es also schon gekommen. Der selbsternannte Titelfavorit, zu dessen Selbstverständnis es gehört, die Nummer eins in Fußball-Deutschland zu sein, kommt plötzlich ganz kleinlaut daher.
"Ein Jahr die Meisterschaft wegzugeben, ist okay, aber zwei Jahre hintereinander? Die Bayern leben von der Dominanz, aber die ist verschwunden", kritisierte Stefan Effenberg in der Sendung Sky90 seinen ehemaligen Klub. "Bei Bayern ist definitiv die Qualität da, die Liga zu dominieren. Da hapert es scheinbar an anderen Dingen“, nährt der ehemalige Bayern-Kapitän Spekulationen, dass rund ums Team irgendetwas aus den Fugen geraten ist.
Mangelnde Einstellung, wieder einmal kein Rezept gegen einen Underdog, gestörtes Betriebsklima im Zuge der Robben-Diskussion: Die Brandherde sind vielfältig. Dazu eröffnet Effenberg, der 2001 den Klub zum Champions-League-Titel führte, erneut eine Führungsdebatte. Der Tiger ist bekanntlich "kein Freund von flacher Hierarchie" und würde am liebsten selber eingreifen: "Wäre ich noch Kapitän, dann Halleluja."
Man darf gespannt sein, wie Philipp Lahm mit der Situation umgehen wird. "Wenn man Deutscher Meister werden will, darf man so nicht auftreten. Man muss 100 Prozent auf dem Platz stehen. Das war nicht der Fall", sagte der aktuelle Kapitän und kündigte immerhin an, dass es "viel Gesprächsbedarf" gebe. Lahm war übrigens noch der beste Feldspieler gegen Freiburg.
Der Rest versagte im Kollektiv. Von Goalgetter Gomez war ebenso wenig zu sehen wie von Dribbelkünstler Franck Ribéry, Spielgestalter Toni Kroos oder dem WM-Torschützenkönig Thomas Müller. Rafinha scheint sich immer mehr zum Fehleinkauf herauszukristallisieren und wurde in der Pause ausgewechselt. Als Ivica Olic, meilenweit von seiner Topform aus dem Jahr 2010 entfernt, für Gomez eingewechselt wurde, ging gänzlich die spielerische Linie flöten.
Mit der Einwechslung von Arjen Robben nach der Pause kam zuvor immerhin ein bisschen Leben in die Offensive. Doch als die niederländische Diva nach rund 60 Minuten einen Badstuber-Fehlpass höhnisch beklatsche, war auch dem Letzten auf der Tribüne klar, wie es um das Innenleben der Bayern-Mannschaft derzeit bestellt ist.
"Vor allem die erste Halbzeit wirkte verstörend", schreibt die "Süddeutsche Zeitung" über den spielerischen Offenbarungseid der Münchner, die gerade einmal zwei Punkte aus den drei Auswärtspartien der Rückrunde holen konnte. Dabei ist das Personal das gleiche, das noch im ersten Saisondrittel alles in Grund und Boden spielte. Einzig Bastian Schweinsteiger fehlt.
Es ist augenscheinlich, dass ohne den "emotionalen Leader", wie ihn Bundestrainer Joachim Löw taufte, wenig zusammenläuft. Schweinsteiger fehlt den Bayern nicht nur als Spieler auf dem Platz, sondern auch ganz besonders als Führungsfigur neben dem Rasenrechteck. Allerdings sollte eine Mannschaft, die sich zur internationalen Elite zählt, nicht so sehr von einem einzelnen Spieler abhängig sein.
Jetzt steht unter der Woche das Achtelfinale in der Königsklasse an. Bisher sahen die Bayern die Duelle gegen den FC Basel als besseres Aufwärmprogramm für die großen Duelle ab dem Viertelfinale. Mittlerweile fürchtet man gar den Super-Gau. "Mit dem größten Selbstbewusstsein fahren wir da jetzt natürlich nicht hin", sagte Lahm. Ob sich ein Effenberg auch so vorsichtig geäußert hätte?
Erschwerend kommt hinzu, dass die Bayern selbst nicht wissen, wie sie den Hebel umlegen sollen. "Es hatte den Anschein, als ob Einige nicht kapiert haben, worum es geht. Es ist mir ein Rätsel", sagte Nerlinger. "Einige Dinge müssen sich schnell ändern, sonst wird es eine enttäuschende Saison für den FC Bayern." Von Hoeneß' Geburtstagswunsch ist nicht mehr viel übriggeblieben.
Quelle: FUSSBALL.DE
Michael Sziedat geht mit Preetz hart ins Gericht.
mehr zu Hertha BSCAmateurtor der Woche: Wähle aus drei Treffern!
zum Voting-VideoDer Außenseiter gewinnt den "Modau-Klassiker".
zum VideoDer Außenseiter gewinnt den "Modau-Klassiker".
zum Video