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"Frankfurt und Potsdam verbindet eine Hassliebe"

02.03.2011, 14:00 Uhr | FUSSBALL.DE

Corina "Coco" Schröder wohnt mit Lira Bajramaj in einer WG. (Foto: FUSSBALL.DE, Tanja Meyer)

Corina "Coco" Schröder wohnt mit Lira Bajramaj in einer WG. (Foto: FUSSBALL.DE, Tanja Meyer)

Das Interview führte Marc L. Merten

Sie lebt in einer WG mit Fatmire "Lira" Bajramaj und hat mit Turbine Potsdam 2010 das Double aus Meisterschaft und Champions League geholt. Corina Schröder, die alle nur "Coco" rufen, steht auch dieses Jahr mit den Torbienen vor einer titelreichen Spielzeit.

Im Gespräch mit FUSSBALL.DE sagt die 24-Jährige, warum die Frauen-Weltmeisterschaft 2011 so eminent wichtig ist für den deutschen Frauenfußball und warum noch immer so wenige Zuschauer selbst zu den Topspielen der Frauen-Bundesliga kommen. Und sie erklärt, was der entscheidende Unterschied zwischen einer Männer- und einer Frauen-Fußball-WG ist.

FUSSBALL.DE: Coco, in der Liga eilt Turbine Potsdam von Sieg zu Sieg. Auch im Pokal-Halbfinale hat es gegen die Bayern am Ende knapp gereicht. Alles läuft also nach Plan?
Coco Schröder: Absolut, wir haben ja auch noch die Champions League vor uns und wollen alle drei Titel nach Potsdam holen. In der Meisterschaft sieht es gut aus. Aber wir dürfen auf keinen Fall patzen. Sonst wird Frankfurt Meister, das würden sie sich nicht mehr nehmen lassen. Und das Spiel gegen Jena hat uns gezeigt, wie knapp es in der Frauen-Bundesliga mittlerweile zugeht.

Im Pokalfinale kommt es zum erhofften Traumduell mit dem 1. FFC Frankfurt.
Das wird bestimmt ein großartiges Spiel, Frankfurt und Potsdam verbindet ja eine Art Hassliebe.

Das letzte Spiel gegen Frankfurt ging aber deutlich verloren.
Stimmt. Beim 1:4 in Frankfurt haben wir nicht gut gespielt. Wir hatten zwar auch einige Chancen. Aber das müssen wir abhaken. Ein Finale ist immer etwas Besonderes, da werden wir keinen Gedanken mehr an das Ligaspiel verschwenden.

Bei aller Titeljagd muss ich den Finger dennoch in eine Wunde legen. Zum Spiel gegen Duisburg - immerhin ein absolutes Spitzenspiel - kamen nur 1520 Zuschauer, beim Pokal-Halbfinale gegen die Bayern nur 1180. Ärgert Sie der verhältnismäßig geringe Zuschauerzuspruch, unter dem der Frauenfußball noch immer leidet?
Ja, das ist einfach schade. Und dann auch noch unnötig. Das Spiel gegen Duisburg wurde beispielsweise schon für 11 Uhr terminiert, normalerweise spielen wir immer um 14 Uhr. Sich Fußballspiele anzuschauen hat immer auch mit Gewohnheiten zu tun. Da sollten die Spielpläne einheitlich gestaltet sein, damit die Leute immer wissen, wann die Frauen-Bundesliga läuft. Bei den Herren ist es doch auch seit eh und je Samstag um 15:30 Uhr.

Was kann da die Frauen-WM 2011 in Deutschland bewirken, um als Mega-Event die Frauen-Bundesliga zu pushen?
Das hat ja schon die Herren-WM 2006 mit der ganzen Begeisterung gezeigt. Das hat uns damals ja schon sehr geholfen. Deshalb hoffen wir natürlich alle, dass die Frauen-WM zuhause das noch mal deutlich verstärken wird. Und die Zeichen stehen ja gut: Man merkt schon jetzt, dass sich viel tut. Das Medieninteresse ist gewachsen, immer mehr kleine Mädchen fangen an Fußball zu spielen. Die WM wird uns sicher helfen, dass zukünftig mehr Menschen zu unseren Spielen kommen.

Wie war das denn noch zu der Zeit, als Sie angefangen haben, Fußball zu spielen?
Ich weiß noch, dass ich, als ich mit fünf Jahren angefangen habe, das einzige Mädchen war, das überhaupt Fußball gespielt hat. Bei den Jungs, wohlgemerkt. Da haben uns die anderen Mannschaften noch ausgelacht: "Haha, schaut mal, da spielt ein Mädchen mit!"

Und dann war das Mädchen besser als die Jungs.
Genau. (lacht) Und irgendwann war ich sogar Kapitän.

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Sind die deutschen Frauen dieses Jahr dazu verdammt, Weltmeister zu werden? Alleine schon, um dem Frauenfußball in Deutschland einen Schub zu geben?
Sie sind natürlich Mitfavorit und haben wirklich gute Chancen. Es gibt doch nichts Schöneres als eine WM im eigenen Land zu spielen und Weltmeister zu werden. Es wäre super, wenn Deutschland den Titel holt und der Frauenfußball dadurch einen Schub bekommt. Bieten die Mädels aber attraktiven Fußball, Spaßfußball, und es reicht am Ende nicht für den Titel, wird der Schub für den Frauenfußball trotzdem groß sein. Die Männer sind ja auch „nur“ Dritter geworden und haben trotzdem große Begeisterung ausgelöst. Das war doch der helle Wahnsinn, darin erinnert sich heute noch jeder.

Kann die WM denn auch dazu beitragen, die noch immer bestehenden Vorurteile gegenüber Frauenfußball zu mindern, die ja selbst von männlichen Profis teils öffentlich vorgetragen werden?
Die Vorurteile gibt es natürlich immer noch, aber sie werden weniger. Männer- und Frauenfußball kann und darf man einfach nicht miteinander vergleichen. Aber es ärgert mich teilweise, dass Leute den Frauenfußball verurteilen, die noch nie ein Spiel live gesehen haben. Ich denke, der Frauenfußball ist gereift in den letzten Jahren. Gerade spielerisch hat er sich enorm entwickelt. Und ich denke, es ist mittlerweile sehr sehenswert, sich Frauenfußball anzusehen - auch taktisch.

Ein Thema, das gerade heiß diskutiert wird auf Schalke, ist, ob Julian Draxler die Schule abbrechen soll oder nicht. Im Frauenfußball stellt sich die Frage gar nicht. Während die Männer Millionen verdienen können, sind Sie auf einen Mittelweg zwischen Profisport und Ausbildung angewiesen.
Die Vereine achten darauf, dass wir neben dem Sport die Schule oder unsere Ausbildung absolvieren können. Aber das ist auch wichtig, denn wir können von dem, was wir jetzt verdienen, später nicht leben. Wenn wir mit 30 mit dem Sport aufhören, müssen wir die Chance haben, etwas anderes machen zu können, um unser Leben finanzieren zu können.

Wenn ich mir eine Fußballer-WG vorstelle - Achtung, Vorurteil - dann befindet sich in dieser WG mindestens eine Spielekonsole und es liegen diverse Bälle und Trikots in der Gegend rum. Wie aber darf ich mir eine Fußballerinnen-WG vorstellen?
Oh weia, ok. (lacht) Also, in unserer WG mit Lira und mir gibt es keine Spielekonsole. Bälle haben wir zwar auch, aber ansonsten fliegen bei uns viele Kosmetik-Sachen rum. Frauen-Zeug eben. Kosmetika, Klamotten, Deko.

Quelle: FUSSBALL.DE

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