02.10.2010, 16:19 Uhr | Jörg Hausmann
22. Juni 1974, Hamburg: Jürgen Sparwasser (ganz links) trifft im deutsch-deutschen Duell zum Abschluss der Vorrunde zum Sieg des Außenseiters gegen den Europameister. (Foto: imago)
Im kollektiven Gedächtnis der Deutschen reduziert sich die deutsch-deutsche Länderspielgeschichte auf dieses Tor von Jürgen Sparwasser. Der damals 26-Jährige aus der DDR ging in die Geschichte ein, weil er am 22. Juni 1974 in Hamburg den WM-Gastgeber, den Europameister und Klassenfeind besiegte. Ein Sieg für die Ewigkeit - denn über Jahre verhinderten die SED, dann der Mauerfall und schließlich Hooligans die Revanche der BRD. Dass Sparwassers Tor nur eines von insgesamt 18 der DDR auf Auswahl-Ebene gegen die Brüder und Schwestern aus dem Westen gewesen ist, weiß heute kaum jemand mehr. Zwischen 1955 und 1990 trafen Nationalmannschaften aus den beiden deutschen Staaten aufeinander.
Sie sollten es auch am 29. August 1990 tun, in Leipzig, rein freundschaftlich. Es wäre das zweite Aufeinandertreffen der beiden A-Mannschaften gewesen. Der Mauerfall vom 9. November 1989 hatte möglich gemacht, was die politische Führung der DDR seit dem 22. Juni 1974 ebenso bewusst wie erfolgreich verhindert hatte. Zuletzt war gegen die seitens des DFB angestrebte Revanche am 17. November 1988 aus Ost-Berlin ein Machtwort von ganz oben erfolgt, von Erich Honecker.
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Doch dann kam der 2. Februar 1990. Er durchkreuzte die frischen Pläne des DFB und des DFV der DDR, in Freundschaft gegeneinander anzutreten. In Stockholm wurden die Paarungen für die EM-Qualifikation zum Endturnier 1992 ausgelost. Und als die Gruppe fünf komplett war, titelte die "Bild"-Zeitung: "Wir gegen uns".
Die beiden Termine für das "Wir gegen uns" standen fest: am 21. November 1990 in Leipzig und am 21. Dezember 1991 auf bundesdeutschem Boden. Doch am 19. Juli 1990 erging in Frankfurt am Main der Beschluss des DFB und des DFV, die Mannschaft der DDR aus der EM-Qualifikation zurückzuziehen.
Was ihr noch blieb, war ein Freundschaftsspiel in Brüssel gegen Belgien, das eigentlich Wettbewerbscharakter hatte haben sollen. Denn die Belgier bewarben sich auch in der Gruppe fünf um einen Platz in Schweden. Der Vize-Europameister von 1980 verpasste die Teilnahme allerdings ebenso wie den Sieg über die DDR am 12. September 1990. Matthias Sammers Doppelschlag bedeutete den 138. Sieg im 293. Länderspiel der DDR.
Keinen Monat später, ab dem 3. Oktober 1990, erstreckte sich der Boden der Bundesrepublik bis an Oder und Neiße. Für den deutsch-deutschen Vergleich bedeutete das: Kommando zurück. Wie ursprünglich geplant, doch wieder "nur" ein Freundschaftsspiel, rein symbolisch, als Zeichen der Vereinigung beider Fußballverbände, ohne offiziellen statistischen Vermerk. Gelegt auf den Hinspieltermin der EM-Qualifikation, den 21. November 1990.
Diesmal aber hatten die feierlaunigen Fußball-Funktionäre die Rechnung ohne das Volk gemacht. Es ging nicht um das Volk, das sich im Herbst '89 gewaltfrei vom Kommunismus befreit hatte. Es ging um das Volk, das Fußballspiele bis heute zur gewalt- statt gehaltvollen Selbstdarstellung benutzt: Hooligans versprachen, den deutsch-deutschen Feiertag in Leipzig mit Randalen zu begleiten. Die wollten weder DFB noch DFV erleben. Die Begegnung war endgültig gestorben.
"Besser so, wenn man bedenkt, welches gefährliche Umfeld dieses Spiel hätte erhalten können", kommentierte der Chefredakteur des "fußball-magazins", Wolfgang Rothenburger in der Dezember-Ausgabe 1990. "Es ist uns gewiss nichts Wichtiges mit diesem Spiel verlorengegangen" - bis auf die letzte Chance, nach Olympia 1972 und der WM 1974 ein drittes Mal von einem deutsch-deutschen Auswahlduell wirklich Notiz zu nehmen.
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Quelle: FUSSBALL.DE
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