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Das sind die Amateure der Saison

29.06.2013, 15:45 Uhr | FUSSBALL.DE

Torgefährlicher Torwart: Vitus Eicher. (Quelle: imago/MIS)

Torgefährlicher Torwart: Vitus Eicher. (Quelle: imago/MIS)

Von Oliver Strerath

Torhüter können auch anders. Das haben Vitus Eicher und Jan Domschky bewiesen. Safa Sentürk und Maurizio Romanelli können es auch - und wie. Derweil zeigte Benjamin Theodor eine ganz wichtige Rettungstat. Elfmeterexperte Georg Froese dagegen schoss keine Elfer. Der Amateurfußball hat in der abgelaufenen Saison wieder viel mehr als nur ein 1:0, 2:2 oder 3:1 abgeliefert.

Besondere Momente von besonderen Menschen. FUSSBALL.DE hat noch einmal ein paar solcher Geschichten aufgegriffen: Das sind für uns die Amateur-Knaller der Saison.

Halten und treffen - Torwart eins

"Sensationell" - dieses eine Wort reichte Markus von Ahlen, um die Aktion seines Torhüters zu würdigen. Der Trainer des TSV 1860 München II sprach damit keine Glanzparade von Vitus Eicher an, sondern vielmehr einen Abschlag des Schlussmanns in der 58. Spielminute in der Regionalliga-Partie gegen den TSV Buchbach.

Über 70 Meter segelte der Ball nach Eichers Schuss über den Platz - und schlug unhaltbar im Tor seines Gegenübers ein. 1:0 für die kleinen "Löwen", die die Begegnung letztlich mit 3:1 gewannen. "Ich wollte einen langen Ball spielen", sagte der Torwart. "Dabei habe ich gemerkt, dass der Schlag etwas zu lang geraten war. Ivan Knezevic hat gekreuzt und damit wohl die Buchbacher Defensive verwirrt. Plötzlich lag der Ball im Tor." Mit seinem Gewaltschuss schaffte es der Keeper sogar ins Finale um das "Tor des Monats April". Gewählt wurde indes ein anderer Münchner: Bastian Schweinsteiger.

Halten und treffen - Torwart zwei

Er hat den Punkt festgehalten. Eine beliebte Redewendung, wenn ein Torwart seinem Team mit Glanzparaden ein Unentschieden sichert. Jan Domschky rettete dem FC ZWK Nebra im Landesklassen-Spiel bei Rotation Halle sogar den Klassenerhalt. Nicht nur, dass der Schlussmann ordentlich gehalten hatte. Der Tor-Verhinderer wurde in der Schlussphase, als der FC noch 1:2 zurücklag, zum Tor-Erzieler - nachdem er zwölf Minuten vor Spielende in den Sturm beordert worden war und per Kopf zum Ausgleich traf.

"Darauf war ich gar nicht vorbereitet. Der Trainer hat einfach zu mir gesagt: Du musst jetzt vor, wir setzen alles auf eine Karte", sagte Domschky, der schon in der Hinrunde im Angriff aushalf. Nach seinem Coup meinte der Torwart: "Ich war einfach nur happy." Dabei war der Torwart-Stürmer wegen einer Schulterverletzung noch nicht einmal sicher, dass er überhaupt gegen Rotation am Ball sein konnte. Er war es. Und bescherte seinen Team den zum Klassenerhalt fehlenden Punkt - wenn auch anders als gedacht.

Doktor "Elfmeter"

Georg Froese war für den FC Internationale im Einsatz. (Quelle: Atelier Antoine)Georg Froese war für den FC Internationale im Einsatz.Torhüter studieren oft Elfmeterschützen, um ihre Chancen im Duell vom Punkt zu verbessern. Das ist Georg Froese nicht genug. Der Berliner studierte Sportwissenschaften und widmete seine Doktorarbeit der Elfmeterforschung. Das Thema: sportpsychologische Einflussfaktoren der Leistung von Elfmeterschützen. Das brachte ihm im Januar den DFB-Wissenschaftspreis ein.

"Jedes fünfte Entscheidungsspiel bei großen Turnieren wird durch Elfmeterschießen entschieden. Der Mehraufwand in der Vorbereitung würde sich also lohnen", weiß Froese, der schon für die Bundesligisten Borussia Dortmund und FC Augsburg in der Elfmeteranalyse tätig war. Doch der Herr der Elfer ist nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Fußballer. Und zwar beim FC Internationale, mit dem er jüngst der Aufstieg in die Berliner Landesliga geschafft.

Froese, der nach der Saison seinen Rücktritt erklärte, steuerte 38 Treffer bei. Allerdings war kein einziger Strafstoß dabei. "Ich habe den ersten Elfer in der Saison verschossen. Das haben wir dann unserem Kapitän Christoph Hampel überlassen. Der ist psychologisch besser geeignet", erklärte der Torjäger.

Eine besondere Rettungstat

Benjamin Theodor reagierte blitzschnell - und rettete damit Hans-Peter Kuntze das Leben. Der Schiedsrichter erlitt Anfang April nach der Partie in der Kreisliga C Essen Nord-West der SF Altenessen III gegen Barisspor 84 II (5:0) einen Herzinfarkt. Theodor, ein Feuerwehrmann, hatte gerade das Aufwärmprogramm zum Spiel der ersten SF-Mannschaft beendet und eilte dem zusammengebrochenen Unparteiischen gemeinsam mit dessen Schiedsrichter-Kollegen Detlef Walter zur Hilfe.

Ärzte in dem Essener Krankenhaus, in das Kuntze gebracht worden war, bestätigten später, dass der Einsatz des Duos dem Schiedsrichter das Leben gerettet habe. Mittlerweile hat Kuntze erste Reha-Maßnahmen hinter sich. Es gehe ihm soweit gut, wie Christian Sorgatz erklärte. "Er spreche davon, jetzt zweimal im Jahr Geburtstag zu feiern", sagte der Vorsitzende des zuständigen Schiedsrichters-Ausschusses.

Eckstein ist Trumpf

"Ich war 13 Minuten tot!" Das Leben von Dieter Eckstein hing im Juni 2011 am seidenen Faden. Der ehemalige Stürmer vom 1. FC Nürnberg, der es auf sieben Länderspiele gebracht hat, erlitt einen Herzinfarkt, lag vier Wochen im Koma. Er wachte wieder auf, bekam einen Herzschrittmacher und kehrte auf den Platz zurück.

Als Spieler auf diversen Positionen, selbst im Tor. Und vor allem als Trainer des DJK-SV Mitteleschenbach. Beim fränkischen Kreisligisten ist Eckstein Trumpf, schließlich sind Mark, Steve und André unter ihrem Vater Dieter bei der DJK am Ball. Durchaus mit Erfolg, wenngleich der Aufstieg als Tabellendritter knapp verpasst wurde.

Der Kozina-Fünferpack

Mario, Marko, Pero, Kristijan und Tomislav Kozina (von links nach rechts) spielen gemeinsam in einem Team.  (Quelle: Jure Bule)Mario, Marko, Pero, Kristijan und Tomislav Kozina (von links nach rechts) spielen gemeinsam in einem Team. Kozina passt auf Kozina, der auf Kozina ablegt, der Doppelpass mit Kozina spielt und dieser wiederum auf Kozina flankt. Klingt verrückt, war beim Saisonfinale des KSD Croatia Nürnberg aber möglich. Denn in der 80. Minute wurde mit Pero (34 Jahre alt) beim 3:2-Erfolg gegen den FC Serbia Nürnberg der letzte der fünf Kozina-Brüder eingewechselt. Marijo (33), Kristijan (30), Tomislav (29) und Marko (25) standen zu diesem Zeitpunkt für den Meister der B-Klasse 9 Nürnberg/Frankenhöhe bereits auf dem Platz.

"Und unser Vater hatte Tränen in den Augen, hat man mir nach dem Spiel erzählt", sagte Marko Kozina, der jüngste aus dem Brüder-Quintett. Sein ältester Bruder ergänzte: "Wir haben das schon lange vorgehabt, aber bisher ist es immer an irgendwas gescheitert, dass wir alle zusammen spielen." Diesmal war der Kozina-Fünferpack perfekt. 

Von Yurdumspor zu Arsenal

Heute Lehrte in Niedersachsen, morgen Kiew in der Ukrraine. Der Weg von Dimitri Swisch führt aus der Kreisliga Hannover-Land in die Erste Liga der ehemaligen Sowjet-Republik. Der 27 Jahre alte Mittelfeldspieler hat das geschafft, wovon viele Fußballer träumen - er wird Profi, wechselt von Yurdumspor Lehrte zu Arsenal Kiew.

Doch wie kommt es zu diesem ungewöhnlichen Transfer? In der Winterpause knüpfte der aus Russland stammende Swisch Kontakte zu einem Spielerberater in der Ukraine. Aber erst ein Trauerfall ließ ihn nach Kiew reisen. Dennoch kam es einem Probetraining - und dieses nutzte Swisch, um sich zu empfehlen. Künftig heißen seine Gegner Schachtar Donezk und Dynamo Kiew und nicht mehr FC Neuwarmbüchen oder TSV Arpke.

16 Treffer - in einem Spiel

Meisterschaft und Aufstieg in die Oberliga hatte der BSV Hürtürkel schon sicher. Einen Titel galt es jedoch in der Berlin Liga noch zu holen: den des Torjägers. Und so taten die Teamkameraden alles, damit Safa Sentürk sich die Krone des besten Torschützen aufsetzen kann. Beim 16:1-Erfolg gegen Absteiger Club Italia traf und traf und traf der Angreifer, der bereits in der Regionalliga am Ball war. 16 Mal insgesamt. Sentürk erzielte also alle Treffer.

"Die Mannschaft hat für Safa gearbeitet", beschriebHürtürkels Team-Verantwortlicher Selami Erbay das Zusammenwirken des Teams mit dem Stürmer. Beim Saisonfinale gegen den Berliner SC (4:5) legte Sentürk noch einmal einen Doppelpack nach. Seinen ersten Platz in der Torschützenliste mit insgesamt 36 Treffern hatte er da schon längst sicher.

20 Treffer - in einem Spiel

Maurizio Romanelli war zehn Mal zur Stelle. Vor der Halbzeit. Und nach der Halbzeit. Macht in der Summe 20 Treffer für den Spieler des VfL 07 Lennep II aus der Kreisliga C Remscheid. Da auch seine Teamkameraden mal durften, stand am Ende ein 37:4 (15:2)-Erfolg gegen Tura Remscheid-Süd II.

Dass der Gegner mit nur sieben Mann angetreten war, soll die Leistung von Romanelli und Teamkameraden nicht schmälern. Zumal Lennep sich in der zweiten Hälfte dem Gegner anpasste und mehrere Spieler vom Feld nahm, um so für Chancengleichheit zu sorgen. "Aber auch dann waren wir immer noch haushoch überlegen", sagte der VfL-Vorsitzende Claudio Giuliano.

Ein Trainer für die Ewigkeit

Rathenows Langzeittrainer Ingo Kahlisch (Quelle: imago\Picture Point)Rathenows Langzeittrainer Ingo KahlischMal rauf, mal runter. Ingo Kahlisch hat beim FSV Optik Rathenow wohl schon so ziemlich alles mitgemacht. Seit 1989, da stand noch die Berliner Mauer ist er Trainer beim aktuellen Regionalligisten aus Brandenburg. Damals, als er den Posten antrat, hieß der Klub noch nicht einmal so. 1906 als Spielvereinigung 06 gegründet, wurde der FSV Optik erst 1991 aus der Taufe gehoben.

Sein Debüt gab Kahlisch in der DDR-Bezirksliga Potsdam beim Spiel zwischen Motor Babelsberg und Motor Rathenow (0:0). Seitdem ist das Thema Trainer kein Thema mehr beim Klub - trotz aller sportlicher Aufs und Abs. In dieser Saison schaffte der 56-Jährige mit seinem Team als Elfter in "unserer persönlichen Champions League", wie Kahlisch die Regionalliga Nordost nennt, ohne Probleme den Klassenerhalt. Auch der Einzug in den DFB-Pokal glückte, im dem es in der ersten Runde gegen Zweitligist FSV Frankfurt geht. Die nächsten 24 Jahre können also kommen.

Quelle: FUSSBALL.DE

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 (Quelle: abc)