02.10.2010, 16:19 Uhr | Jörg Hausmann
Olympia 1972 in München: DDR-Torjubel bei Jürgen Sparwasser und Joachim Streich (v. li.). (Foto: imago)
Länderspiele gegen die DDR? Da gab es doch nur dieses eine. Das, was die Westdeutschen als Gastgeber der WM 1974 verloren und trotzdem Weltmeister wurden. Falsch. 1972 in München wurden sie nicht Olympiasieger. Wegen der DDR - und trotz Uli Hoeneß und Ottmar Hitzfeld. Zwischen dem heutigen Bayern-Präsidenten Hoeneß und dem höchst erfolgreichen Bayern-Trainer Hitzfeld gibt es mehr als die jedem Fußballfan bekannte Zusammenarbeit bei einem Münchner Vorzeigeverein, die bis 2008 andauerte. Es gibt auch jene olympische Zusammenarbeit im ehemaligen Stadion des Münchner Vorzeigevereins.
Gemeinsam schrieben Hoeneß und Hitzfeld am 8. September 1972 Geschichte. Hoeneß, damals 20 Jahre alt, und Hitzfeld, damals 23, gaben der bundesdeutschen Auswahl mit ihren Toren Hoffnung, die letzte Medaillenchance zu nutzen - bis zum dritten Treffer des besonderen Gastes.
Die Top-Klubs der DDRWo spielen sie heute?
Es waren allerdings "nur" die Amateure des DFB, die sich vor 80.000 Zuschauern mit den so genannten Staats-Amateuren aus dem anderen Teil Deutschlands maßen. Ihr politisch bedingter Status, der genauso für die Kicker aus der UdSSR, Polen und Ungarn galt, qualifizierte sie automatisch für Olympia. Deshalb ging der Westen nicht nur in München in Sachen Edelmetall komplett leer aus.
Die DDR war am 8. September 1972 beinahe identisch mit jener Elf, die im Jahr darauf erstmals eine WM-Qualifikation erfolgreich bestritt. Fünf Mann standen auch noch am 22. Juni 1974 in Hamburg auf dem Platz, als es zum historischen 1:0 durch Jürgen Sparwasser kam. Auf der Gegenseite war von 1972 nur Hoeneß "aufgestiegen".
Dass Sparwassers entscheidendes Tor nur eines von insgesamt 18 der DDR auf Auswahl-Ebene gegen die Brüder und Schwestern aus dem Westen gewesen ist, weiß heute niemand mehr. Denn zwischen 1955 und 1990 trafen Nationalmannschaften aus den beiden deutschen Staaten insgesamt 17 Mal aufeinander.
Das olympische Treffen 1972 war die laufende Nummer fünf der deutsch-deutschen Vergleichsliste. Sparwasser gelang zwar während jener 90 Minuten kein Tor, doch insgesamt fünf. Die DDR holte Bronze. Auch Hitzfeld traf fünf Mal, der Frankfurter Bernd Nickel sogar sechs Mal, doch die von Jupp Derwall trainierten Olympioniken des DFB gingen leer aus.
Keine zwei Jahre später dann saß Derwall wieder als Helmut Schöns Assistent auf der westdeutschen Bank. Die Uhr im Hamburger Volksparkstadion zeigte genau 21.03 Uhr, als Sparwasser mit seinem Tor den WM-Neuling DDR in die zweite Finalrunde schoss. Es war der dritte von insgesamt fünf Siegen einer DDR-Auswahl über eine aus dem Westen. Beim überraschten Verlierer folgte dem sportlichen das reinigende Gewitter und der Marsch zum zweiten WM-Titel.
Im kleinen Rahmen gelang die "Revanche", und zwar schon beim nächsten deutsch-deutschen Vergleich. Am 9. Mai 1975 schlug die A-Jugend-Nationalmannschaft des DFB jene des DFV beim UEFA-Turnier im schweizerischen Wettingen mit 3:1. Ein Tor steuerte der heutige Bremer Manager Klaus Allofs bei. Bester Schütze des DFB gegen die DDR aber bleibt auf ewig der zumindest in Dortmund unvergessene Dribbler Daniel Simmes mit drei Toren.
Im russischen Sankt Petersburg endete am 15. Januar 1990 die deutsch-deutsche Länderspielgeschichte mit einem erneuten Vergleich der beiden A-Jugend-Nationalmannschaften. Im Rahmen des berühmten Granatkin-Hallenturniers trennten sich der west- und der ostdeutsche Nachwuchs mit einem 0:0. Bei der U-16-EM auf dem Boden der zu Ende gehenden DDR scheiterten im Mai 1990 die Teams des DFB und des DFV jeweils in der Vorrunde.
Fußball ist Dein Leben? Dann bewirb Dich hier als Fanreporter!
Quelle: FUSSBALL.DE
Michael Sziedat geht mit Preetz hart ins Gericht.
mehr zu Hertha BSCAmateurtor der Woche: Wähle aus drei Treffern!
zum Voting-VideoDer Außenseiter gewinnt den "Modau-Klassiker".
zum VideoDer Außenseiter gewinnt den "Modau-Klassiker".
zum Video