fussball.de
powered by
Bundesliga bei t-online.deDFBnet

...

Die letzten Flüchtlinge des DDR-Fußballs

02.10.2010, 16:19 Uhr | Jörg Hausmann

Die DDR-Fans hoffen beim WM-Qualifikationsfinale in Wien am 15. November 1989 auf den entscheidenden Sieg fürs Turnier in Italien. Der bleibt sechs Tage nach dem Fall der Mauer aus. Österreich gewinnt mit 3:0. (Foto: imago)

Die DDR-Fans hoffen beim WM-Qualifikationsfinale in Wien am 15. November 1989 auf den entscheidenden Sieg fürs Turnier in Italien. Der bleibt sechs Tage nach dem Fall der Mauer aus. Österreich gewinnt mit 3:0. (Foto: imago)

Axel Kruse, Thomas Weiß und André Köhler waren im Sommer 1989 die letzten Flüchtlinge des DDR-Fußballs, Andreas Thom war im Winter 1989/90 deren erster legaler Vertreter in der Bundesliga. Insgesamt sieben weitere Kicker aus der untergehenden DDR nutzten den Mauerfall vom 9. November 1989, um als Profis in der Bundesliga anzuheuern.

Rückblende: 3. Juni 1989, letzter Spieltag der DDR-Oberliga. Andreas Thom schießt zwei Tore gegen Axel Kruse, der entthronte Double-Gewinner FC Dynamo Berlin schlägt den Tabellen-Vierten FC Hansa Rostock mit 4:0. Kruse nutzt kurz drauf Rostocks Auftritt im UI-Cup in Kopenhagen zur Flucht in den Westen. Weiß, Köhler und auch Jens König tun in Göteborg das Gleiche. Sie sind dort mit dem FC Wismut Aue zu Gast, ebenfalls als Teilnehmer am Intertoto-Cup der UEFA. Doch König kehrt schon bald wieder nach Aue zurück.

Die Top-Klubs der DDRWo spielen sie heute?

Thom trifft erstmals in der Bundesliga

17. Februar 1990: Andreas Thom trifft zum 1:0 für Bayer Leverkusen gegen den FC Homburg. Thom ist der erste legale Bundesliga-Transfer aus der DDR. Eine Woche später erzielt Axel Kruse in Duisburg das 3:0 für Hertha BSC. Es ist eines von sieben Toren, die Kruse beisteuert, um die Berliner zurück in die Bundesliga zu führen.

Kruse trifft erstmals in der 2. Bundesliga

Auch am 3. März 1990, bei seinem Heimspieldebüt gegen Hannover 96, trifft Kruse. Der frühere Junioren-Nationalstürmer der DDR, der auch von den Niedersachsen ein Angebot vorliegen hatte, darf - in seinem zweiten Punktspiel - vom Elfmeterpunkt aus die Verantwortung übernehmen. In der 78. Minute jubeln 9700 Zuschauer über das entscheidende 1:0.

Die Riege der vergessenen "Pioniere"

Sieben Tage später rückt Kruse beim 1:4 auf Schalke in den letzten neun Minuten einer jener DDR-Spieler zur Seite, die den Mauerfall sofort zum Sprung in den Westen nutzten, heute aber weitgehend in Vergessenheit geraten sind: René Unglaube. Nach acht Zweitliga- und 34 Bundesligapartien verschwindet Unglaube 1994 beim SC Gatow im Berliner Amateurfußball. In seine Kategorie gehören auch Dietmar Drabow und René Deffke, die vor 20 Jahren aus Riesa und Ludwigsfelde zum anderen Berliner Bundesligisten gingen, zu den Blau-Weißen. Von Rotation Berlin zog es Ulf-Volker Probst zur Braunschweiger Eintracht, wo im Sommer darauf mit Hans-Joachim Streich der Rekordmann der DDR und ein Held der WM-Elf von 1974 sein Trainer wurde.

Wer kennt noch Georg Hetzelt?

Auch die Wechsel von Georg Hetzelt von Motor Suhl zum FC Schweinfurt 05, von Drabows Mitspieler Ralph Kircheis aus Riesa nach Schwarzach und später Mannheim und von Lutz Schnürer aus Halle nach Saarbrücken waren Wechsel der ersten Stunde, erregten jedoch überschaubares Aufsehen.

Sparwasser haut 1987 ab

Vor allem waren es nur bedingt Fluchten, denn die Grenze hatte sich ja rechtzeitig zur Winterpause 1989/90 hin geöffnet. Nichts war mehr übrig von der Gefahr für Leib, Leben und Familie, in die sich Menschen wie Jörg Berger noch zehn Jahre zuvor begeben hatten. Anno 1989 arbeitete Berger in Frankfurt. Als Amateurtrainer hatte sich der Sachse niemand Geringeren an seine Seite geholt als Jürgen Sparwasser. Der bekannteste Torschütze des DDR-Fußballs hatte 1987 seiner Heimat den Rücken gekehrt.

Flüchtlingshochburg Frankfurt

Die Frankfurter Eintracht kannte sich mit DDR-Fußballflüchtlingen bestens aus. Immerhin lag das zentrale Aufnahmelager im nur 55 Kilometer entfernten Gießen. Im Herbst 1976 hatte die Eintracht die Jugend-Nationalspieler Jürgen Pahl und Norbert Nachtweih aufgenommen. Der Torhüter und der Mittelfeldmann hatten ein U-21-Länderspiel in der Türkei zur Flucht in den Goldenen Westen genutzt. Und Nachtweih kam nach einem Abstecher nach München im Sommer 1991 wieder an den Main, wo sich Flüchtling Kruse im Winter 1990/91 eingefunden hatte. Berger hatte beide geholt. Kruse traf auch auf den Ex-Auer André Köhler, nicht aber auf Sparwasser. Der arbeitete seit Sommer 1990 als einer von Bergers Nachfolgern als Cheftrainer auf dessen erster West-Station: bei Darmstadt 98.

Weiß kommt mit nach Darmstadt

Sparwasser ließ sich das DDR-Karussell am Main munter weiter drehen, indem er Fußballflüchtling Thomas Weiß gleich zu den Lilien mitnahm. Am 5. November 1991 war die Ära Sparwasser bei den 98ern bereits beendet. Seitdem tauchte der frühere Magdeburger nie mehr auf der großen Fußball-Bühne auf.

Kruse und Götz steigen mit der Hertha auf

Kruse hingegen schloss seinen Kreis und kehrte nach seinen Gastspielen in Frankfurt und Stuttgart im Sommer 1996 nach Berlin zurück. Mit der Hertha gelang dem blonden Stürmer der zweite Bundesligaaufstieg. Mit Falko Götz - dem nach Punkten bis heute erfolgreichsten Bundesliga-Trainer der Herthaner - hielt Kruse damals ein 34-jähriger Routinier den Rücken frei, der selbst jahrelang angegriffen hatte.

Die drei Dynamos

Götz schrieb mit seiner Flucht von Dynamo Berlin Richtung Leverkusen gemeinsam mit seinem damaligen Mitspieler Dirk Schlegel 1983 sein Stück des Kapitels der DDR-Fußballflüchtlinge. Beider Ex-Kollege von Dynamo, Lutz Eigendorf, hatte ein halbes Jahr zuvor gerade sein Leben bei einem Autounfall gelassen, den die Staatssicherheit der DDR eingefädelt haben soll. Eigendorf bezahlte für seine Flucht in die Liga des Klassenfeindes, die ihn nach Kaiserslautern und Braunschweig führte, den ultimativen Preis.

Acht Jahre nach einem 4:0 für Thom gegen Kruse

Götz lernte als Fußballer im Westen bisher Leverkusen, Köln, Istanbul, Saarbrücken, München und Kiel kennen, ist heute ein mehr oder minder erfolgreicher Trainer im vereinigten Lande, zuletzt bei Drittligist Holstein Kiel. Seit Jahren steht Andreas Thom sportlich an seiner Seite. Jener Thom, der 1997 bei Hertha BSC nicht nur Götz, sondern auch Kruse wiedertraf - acht Jahre nach dem letzten Spieltag der DDR-Oberliga-Saison 1988/89.

Fußball ist Dein Leben? Dann bewirb Dich hier als Fanreporter!

Quelle: FUSSBALL.DE

Leserbrief An die Redaktion
Inhalt versenden Versenden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Fußball: Die Flüchtlinge des DDR-Fußballs nach dem Mauerfall" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Fußball: Die Flüchtlinge des DDR-Fußballs nach dem Mauerfall" gefallen hat.

 
Top-Angebote aus unserem Fanshop
Bundesliga
Hertha-Idol: "Wir sind hinter Paderborn"

Michael Sziedat geht mit Preetz hart ins Gericht.

mehr zu Hertha BSC
Amateurtor d. Woche
Hammertreffer aus 25 Metern

Amateurtor der Woche: Wähle aus drei Treffern!

zum Voting-Video
Amateurspiel d. Monats
Derbysiege sind die schönsten Siege

Der Außenseiter gewinnt den "Modau-Klassiker".

zum Video
EM 2012 - Videos
Wenn ein Fußball-Star zum Friseur geht

Welche Matte ist wohl die Beste?

zum Video

Anzeigen

Aktuelle Videos

Amateurspiel d. Monats
Derbysiege sind die schönsten Siege

Der Außenseiter gewinnt den "Modau-Klassiker".

zum Video
EM 2012 - Videos
Wenn ein Fußball-Star zum Friseur geht

Welche Matte ist wohl die Beste?

zum Video
Anzeige
FC Augsburg Teambook (Quelle: laooola)



Anzeige