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Dais: Habe nur ein paar Schrauben verstellt

29.11.2011, 19:39 Uhr | dfb.de

Dirigent: Gerd Dais steht hinter dem Aufschwung beim SV Sandhausen. (Quelle: imago)

Dirigent: Gerd Dais steht hinter dem Aufschwung beim SV Sandhausen. (Quelle: imago)

Vom Abstiegskandidaten zum Aufstiegsanwärter innerhalb von nur zwölf Monaten: Der SV Sandhausen hat diese rasante Entwicklung in der 3. Liga hinter sich. Vor genau einem Jahr rangierte der SVS, damals als Favorit auf den Sprung in die 2. Bundesliga in die Saison gestartet, nach dem 18. Spieltag überraschend auf einem Abstiegsplatz. Erst Rückkehrer Gerd Dais gelang es als drittem Trainer der Saison, den Klub wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen. Aktuell grüßt Sandhausen von der Tabellenspitze, weist bereits sieben Punkte Vorsprung auf Rang drei (Relegation) auf.

Die Karriere des 48-Jährigen hatte einst beim Karlsruher SC begonnen. Weitere Spieler-Stationen waren der FC Homburg, Sandhausen und der SV Waldhof Mannheim. Seine Laufbahn als Trainer hatte in Sandhausen als "Co" begonnen. Über die SG Diegelheim, FV Lauda und den FC Nöttingen kehrte Dais 2005 nach Sandhausen zurück und führte die erste Mannschaft von der Oberliga bis in die 3. Liga. 2010 trennten sich die Wege dann kurz. Seit Februar 2011 steht Dais wieder an der Seitenlinie des SVS. Im Interview spricht der Trainer über die Entwicklung beim SV Sandhausen.

Herr Dais, das 0:0 gegen den VfL Osnabrück bedeutete den vorzeitigen Gewinn der Herbstmeisterschaft, weil Verfolger SSV Jahn Regensburg ebenfalls nicht über ein Remis hinaus kam. Welche Bedeutung hat für Sie der Halbzeit-Titel?

Gerd Dais: Für uns ist das eine angenehme Momentaufnahme, mehr aber auch nicht. Ich denke, dass wir eine gute Halbserie gespielt haben, auch wenn noch die Partie in Heidenheim aussteht. Unsere 36 Punkte aus 18 Begegnungen sind ein Beleg für die Qualität in unserem Kader. Die bisherige Saison war kein Selbstläufer. Unser Abschneiden ist das Ergebnis harter Arbeit. 

Vor genau einem Jahr belegte der SVS einen Abstiegsplatz. Sie sind seit Mitte Februar wieder Trainer in Sandhausen. Was hat sich seitdem geändert?

Eigentlich gar nicht einmal so viel. Es waren eigentlich nur wenige Stellschrauben, die verstellt werden mussten. Ich habe einige Positionen verschoben und auch den einen oder anderen Spieler, der zuvor nur selten berücksichtigt worden war, wieder in die Startelf geholt. Außerdem haben wir nach meinem Debüt, einer 1:3-Auswärtsniederlage bei Dynamo Dresden, das System von 4-4-2 auf 4-1-4-1 geändert. Danach konnten wir dreimal in Serie gewinnen und sind bis zum Saisonende ungeschlagen geblieben. Diese Leistungen konnten wir nun mit einer Mannschaft fortsetzen, die nur punktuell verstärkt wurde. Die Eingespieltheit ist einer unserer Trümpfe.

Die Basis für den Erfolg scheint besonders die Defensive zu sein. Mit nur 15 Gegentreffern stellt der SV Sandhausen die sicherste Abwehrreihe der Liga. Wie viel Wert legen Sie auf die Abwehrarbeit?

In der abgelaufenen Saison war Sandhausen lange die Mannschaft mit den meisten Gegentoren. Die Umstellungen haben den Erfolg gebracht. Es ist im Fußball fast die Regel, dass die Mannschaften mit den wenigsten Gegentreffern ganz vorne stehen. Wir denken aber nicht nur defensiv. Viele Chancen und eine gute Defensive schließen sich ja nicht aus. Zum Beispiel hatten wir beim 2:0 gehen Preußen Münster eine Vielzahl weiterer hochkarätiger Möglichkeiten.

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Hinter dem SV Sandhausen ist es in der Tabelle so eng wie lange nicht mehr. Warum konnte sich Ihre Mannschaft schon ein wenig absetzen?

Uns ist es gelungen, auch in schwächeren Spielen zu punkten. Ich erinnere mich vor allem an das 2:0 bei Werder Bremen II, das 1:1 gegen Saarbrücken und auch das jüngste 0:0 gegen Osnabrück. Es ist uns in diesen Partien nicht gelungen, unsere Maximal-Leistung abzurufen. Trotzdem sind wir nicht leer ausgegangen. Normalerweise verlierst du in dieser engen Liga solche Spiele.

Wird eine Lizenz für die 2. Bundesliga beantragt?

Es wäre fahrlässig, das in unserer Situation nicht zu tun. Von Vereins-Seite würden wir im Aufstiegsfall alles tun, um die 2. Liga zu ermöglichen. Im Bereich der Infrastruktur müssten wir sicher nachlegen. Aber so weit ist es noch nicht.

Bis zur Winterpause heißen die weiteren Gegner Heidenheim, Offenbach und Aalen. Gibt es eine Punkte-Vorgabe?

So etwas gibt es bei uns nicht. Unsere volle Konzentration liegt auf Heidenheim. Wir freuen uns auf das Duell bei einem ambitionierten Gegner, der mit einem Lauf auch noch die Chance hat, wieder ganz oben reinzurutschen. Der FCH kann sich aber gerne noch eine weitere Woche Zeit lassen, um die Serie zu starten.

Mit neun Treffern führt Frank Löning die interne Torschützenliste an. Insgesamt verteilen sich die 26 Treffer des Teams auf zehn verschiedene Schützen. Welche Bedeutung hat Löning für das SVS-Spiel?

Als Kapitän ist er selbstverständlich sehr wichtig. Für ihn steht der Mannschaftserfolg immer an erster Stelle. Das ist vorbildlich. Besonders stark ist Frank mit dem Rücken zum Tor. Er schirmt den Ball gut ab und setzt seine Mitspieler exzellent in Szene. Er ist ein Baustein unserer guten Hierarchie innerhalb der Mannschaft.

Die Winterpause ist nur knapp ein Monat lang. Wie stellen Sie sich darauf ein?

Die Pause ist relativ kurz. Nach dem letzten Spiel in Aalen bekommen meine Spieler zwei Wochen frei, ehe wir mit der Vorbereitung beginnen. Sollte der Winter mild werden, bleiben wir in Deutschland. Andernfalls ist eine Woche im Süden angedacht. Schließlich wollen wir für die Restrunde beste Voraussetzungen schaffen.

Was ist in der 3. Liga gefordert, um am Ende auf einem Aufstiegsplatz zu stehen?

Entscheidend ist Konstanz. Ich hoffe außerdem, dass wir von Verletzungen und Sperren verschont werden. Es wird besonders darauf ankommen, in der Defensive weiter so gut zu stehen wie bisher.

Sie sind jetzt zum zweiten Mal Cheftrainer in Sandhausen, waren zuvor Co-Trainer und auch Spieler. Was bedeutet Ihnen der SVS?

Sehr viel. Ich habe hier schon als Spieler Erfolge gefeiert. Als Trainer ist es mir gelungen, den Verein von der Oberliga über die Regionalliga in die 3. Liga zu führen. Das bleibt hängen.

Wie sehen Ihre persönlichen Ziele aus?

Erst einmal mit Sandhausen eine möglichst gute Runde zu spielen. Die Ziele eines Trainers unterscheiden sich nicht so sehr von den Zielsetzungen der Spieler. Auch ich möchte so hoch kommen wie möglich.

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