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Futsal: "Eine brutal unterschätzte Randsportart"

15.07.2013, 00:36 Uhr

Timo Heinze im Trikot von Bayer 05 Uerdingen. (Quelle: privat)

Timo Heinze im Trikot von Bayer 05 Uerdingen. (Quelle: privat)

Von Kieran Brown

"Dem Futsal habe ich zu verdanken wer ich heute bin", sagt Lionel Messi. "Eine brutal unterschätzte Randsportart", nennt Timo Heinze die von der FIFA anerkannte Variante des Hallenfußballs im Gespräch mit FUSSBALL.DE. Messi wuchs in Argentinien mit der Sportart auf, bevor er seine große Karriere als Profi in Europa startete. Heinze lernte Futsal erst spät kennen, in Deutschland, nach einer kurzen Karriere, die beim FC Bayern München einst verheißungsvoll begonnen hatte.

Messi, der Superstar des FC Barcelona, Andres Iniesta, sein kongenialer Mitspieler bei den Katalanen, Cristiano Ronaldo oder der ehemalige Weltklassefußballer Ronaldinho; Sie alle haben auf dem Kleinfeld angefangen, bevor sie später eine Weltkarriere starteten. In Brasilien verdient Falcao, einer der größten Stars der Szene, Millionen mit Werbeverträgen.

WM ohne deutsche Beteiligung

In Deutschland hingegen fristet die Sportart ein Schattendasein, es gibt nicht einmal eine Nationalmannschaft. An der FIFA-Futsal-WM 2012 in Thailand nahmen, nimmt man den Fußball zum Vergleich, Exoten wie Panama, Guatemala oder die Salomon-Inseln teil. Im Finale besiegte Fußball-Rekordweltmeister Brasilien den amtierenden Champion Spanien vor 6000 Zuschauern mit 3:2. Deutschland ist sozusagen ein Entwicklungsland. Eine Entwicklung, die immerhin voranschreitet - mit der Perspektive mittelfristig auch auf internationalem Parkett vertreten zu sein.

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"In zwei Jahren hoffen wir, flächendeckend Regionalligabetrieb anbieten zu können", sagt Bernd Barutta, der zuständige Abteilungsleiter beim DFB. In diesem Sommer feiert die Regionalliga Nordost ihre Prämieren-Saison. Bislang ist Futsal eher eine Domäne westdeutscher Bundesländer. Von Seiten des DFB wird im Prinzip erst seit diesem Frühjahr die Verantwortung dafür anerkannt, dem Sport nach und nach ein professionelleres Gesicht zu verleihen.

"Da gibt es inzwischen ein klares Bekenntnis, dass es eine Aufgabe des DFB ist, den Futsal voran zu bringen", so Barutta. Dies erfordere Zeit und Geduld sowie kontinuierliche Lobbyarbeit. Man dürfe die Klubs und Verbände nicht zum Futsal zwingen. Ab dem kommenden Jahr wird es unter dem Hut des DFB immerhin ein Turnier für Länderauswahlmannschaften geben. Daraus könnte in der Folge eine Nationalmannschaft entstehen. Einen fester Zeitplan dafür existiert jedoch nicht.

Brasiliens Futsal-Nationalmannschaft feiert den Titelgewinn bei der FIFA Futsal WM 2012 in Thailand. (Quelle: dpa)Brasiliens Futsal-Nationalmannschaft feiert den Titelgewinn bei der FIFA Futsal WM 2012 in Thailand.

Iniesta profitiert bis heute

Timo Heinze, der mit seinem Klub Bayer 05 Uerdingen, in der vergangenen Saison erst im Halbfinale des DFB-Futsal-Cups knapp an den Hamburg Panthers scheiterte, sieht das größte Manko des Sports in der fehlenden Tradition hierzulande. Ein erkennbares Problem auch in seiner Mannschaft: "Wir haben alle einen fußballerischen Hintergrund. Die Grundlagen, die sich Spieler in anderen Ländern in der Jugend aneignen, fehlen hier." Viele Facetten des Futsals könnten einen Beitrag zur sportlichen Entwicklung von Fußballern leisten: "Man ist unheimlich viel am Ball, bewegt sich auf engem Raum und muss wahnsinnig schnell Entscheidungen treffen. Sowohl körperlich als auch geistig musst du permanent hellwach sein." Des Weiteren würden die Banden beim Futsal durch Außenlinien ersetzt.

Der Schlüssel, um die Sportart zu etablieren, liege daher auch in der Jugendarbeit. "Da muss man ansetzen und im besten Fall die ohnehin stattfindenden Hallenturniere unter Futsal-Bedingungen spielen lassen", fordert Heinze. Laut einer Schätzung Baruttas wird dies inzwischen bereits in der Hälfte der Verbände so umgesetzt. Die Verpflichtung zur Leistungsförderung liege hier auch eindeutig beim DFB: "Wolfgang Niersbach lässt uns seit seinem Amtsantritt die Freiheiten, die wir benötigen."

Die Unterschiede zwischen Futsal und der hierzulande besser bekannten Variante des klassischen Hallenfußballs sind jedoch immens. Der wichtigste Unterschied ist ein kleinerer, sprungreduzierter Ball: Die Folge sind bessere Ballkontrolle sowie mehr flache und direkte Pässe, die den Spielfluss erhöhen. "Bei einem Spieler wie Andres Iniesta erkennt man auf dem Platz Bewegungsabläufe und eine Ballkontrolle, die du dir beim Futsal aneignest", erklärt Heinze. Bis er zehn Jahre alt war, spielte der heutige Welt-und Europameister Iniesta ausschließlich Futsal und kehrt auch heute gelegentlich zu seinen Wurzeln auf das kleine Feld zurück.

Talentepool fehlt

In Deutschland fehlt es an einer breiten Basis, einem Talentepool quasi, bemängeln Heinze und Barutta unisono. Beispiele wie das des Bundesliga-Profis Max Meyer von Schalke 04 sind in Deutschland selten. Das Mittelfeld-Talent spielte in seiner Jugend beim MSV Duisburg und parallel dazu Futsal. Seine überragende Technik hat er vor allem dem Futsal zu verdanken, wie er selbst sagt. Auch andere Weltstars wie Zinedine Zidane oder Neymar outeten sich bereits als Fürsprecher der Sportart und heben die positiven Konsequenzen für ihre fußballerische Entwicklung hervor.

Dass "wir auf der Warteliste für Olympia stehen", teilte FIFA-Präsident Sepp Blatter am Rande der Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr mit. Grund genug, damit zu beginnen, den Rückstand auf andere Nationen zu verkleinern. "Ich glaube nicht, dass es lange dauern würde bis wir auf internationaler Ebene mithalten könnten, wenn es denn mal soweit ist." Man müsse Schritt für Schritt denken, zeigt sich Barutta jedoch grundsätzlich optimistisch.

So begeistert der ehemalige Fußball-Profi Heinze von der Sportart auch ist, die Resonanz enttäuscht ihn regelmäßig. Es sei frustrierend, wenn sich bei manchen Punktspielen leidglich 20 oder 30 Zuschauer verlieren. Ein Highlight seien da die annähernd 1000 Fans beim Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft in Hamburg gewesen. Er sieht zwei Notwendigkeiten für die Entwicklung der Sportart. Dabei nennt er einmal die Verantwortung des DFB, hofft aber des Weiteren auch auf die großen Vereinen wie Bayern München oder Borussia Dortmund. "Ich denke, es würde der Sportart einen enormen Schub geben, wenn unter dem Dach solcher Klubs professionell Futsal gespielt werden würde."

Als Botschafter Deutschlands reiste der heute 27-jährige Heinze im Jahr 2012 mit einer Auswahl-Mannschaft zur Studenteneuropameisterschaft nach Cordoba und schnupperte zumindest ein Stück weit internationale Erfahrung. Um seinen zahlreichen Einsätzen in den Junioren-Auswahlteams des DFB im Fußball weitere als Futsal-Spieler hinzuzufügen, bleibt also noch ein bisschen Zeit. Heinze hätte sicher nichts dagegen, schließlich "habe ich mich in den Sport verliebt".

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