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Der "gefühlte" Zweitligist SV Meppen

19.03.2013, 12:11 Uhr | FUSSBALL.DE

Ehrlicher Fußball und viele Emsländer - das war der SV Meppen in der 2. Liga. (Quelle: imago\Rust)

Ehrlicher Fußball und viele Emsländer - das war der SV Meppen in der 2. Liga. (Quelle: Rust/imago)

Von Johann Schicklinski

Von der Bundesliga sind sie weit entfernt, auch die 2. Liga ist ganz weit weg für viele Traditionsklubs, die den deutschen Fußball früher mitprägten. Inzwischen sind sie - im besten Fall - in der viertklassigen Regionalliga beheimatet. Manche auch in der Bezirksliga oder tiefer. FUSSBALL.DE wirft in der Serie "Tränen, Triumphe, Tradition" einen Blick auf Vereine, deren größte Erfolge lange zurückliegen, die aber immer noch viele Fans bewegen. Heute, Teil 5: SV Meppen, Regionalliga Nord.

Der SV Meppen ist den Fußballinteressierten hierzulande immer noch ein Begriff. Auch wenn der Kultklub aus dem Emsland zwischenzeitlich in die Fünftklassigkeit abgetaucht war und heute in der Regionalliga Nord beheimatet ist, weckt alleine der Name Meppen bei den Fans bundesweit Assoziationen. Für viele gilt der Verein als ein Synonym für Zweitklassigkeit, obwohl der SVM „nur“ elf Jahre Gast in der 2. Bundesliga war, von 1987 bis 1998.

Aber was heißt da nur? Für den Klub aus der 35.000-Einwohner-Stadt im Emsland war das eine mehr als stolze Zeit. "Am Anfang haben wir nicht erwartet, uns in der neuen Liga zu etablieren. Das geben wir ehrlich zu", erzählt Rainer Persike, Trainer der Aufstiegself und heute Sportlicher Leiter. "Wir hatten ja nicht die Strukturen wie andere Vereine." Dafür, so Persike, war die Begeisterung umso höher: "Die Euphorie war enorm groß, die Jungs waren alle willig, weil sie noch nie im Profifußball gespielt hatten. Die wollten sich alle beweisen."

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Fahnenmeer an der Autobahn-Raststätte

Als 1987 der Aufstieg geschafft war, brachen alle Dämme. Noch heute schwärmt Persike von den Feierlichkeiten: "Als wir in Erkenschwick die Sensation perfekt gemacht hatten, waren fast 3000 Fans von uns vor Ort. Auf der Rückfahrt machten Mannschaft wie auch Anhänger Station an der Autobahn-Raststätte Münsterland, um Getränke nachzuladen. Das war ein Blau-Weißes Fahnenmeer, wie ich es noch nicht gesehen hatte, ein einmaliges Ereignis."

Berühmter Ausspruch von Toni Schumacher

In der 2. Liga wurde der Neuling erst einmal kritisch beäugt. Doch mit Spielern aus der Region, einem geringem Budget und ehrlichem Fußball behaupteten sich die Niedersachsen in der neuen Klasse. Und kultivierte gleichzeitig das Image des sympathischen Underdogs. Daran waren allerdings auch Andere nicht ganz unschuldig. So sagte Nationalkeeper Toni Schumacher 1988 nach dem Bundesliga-Abstieg mit dem FC Schalke 04: "Ich spiele doch nicht in Meppen." Ein Ausspruch, der in den nächsten Jahren von Fußball-Fans bundesweit immer wieder aufgegriffen wurde. Abstiegsbedrohte Vereine wurden von den gegnerischen Anhängern oft damit verspottet, nächstes Jahr in Meppen spielen zu müssen. Beim SVM nahm man die Häme gelassen. "Wir sind ein kleiner Ort und haben das niemanden übel genommen. Sicher spornten die Sprüche uns sogar an", erzählt Persike. Und überhaupt: "Der Toni hat das mittlerweile ja mehrmals revidiert."

Ein Bild, das für sich selbst spricht. (Quelle: imago)Ein Bild, das für sich selbst spricht.Mit der Zeit entwickelte sich im beschaulichen Städtchen eine regelrechte Euphorie. "Alle dachten: Meppen ist ja sowieso nur ein Jahr dabei und muss dann wieder runter. Als wir dann den Klassenerhalt schafften und länger in der 2. Liga blieben, entwickelte sich eine Riesenbegeisterung rund um den Klub." Dabei waren zu Beginn der Zweitligazeit keine Profis im Kader. "Die Spieler hatten alle Berufe oder gingen noch zur Schule, das waren ja alles Emsländer", blickt Persike zurück. Kreative Lösungen waren deshalb gefragt: "Wir haben das nach dem Aufstieg so geregelt, dass die Spieler etwas verkürzt arbeiten, so dass wir um 16 Uhr trainieren konnten. Das hieß, spätestens um halb drei war für die Spieler mit der Arbeit Schluss. Das Profitum hat sich dann erst im Laufe der Jahre entwickelt. Vormittagstraining gab es noch nicht, wir waren damals eigentlich Feierabendfußballer. Die Mannschaft wurde dann sukzessive verstärkt, so dass wir nach 4-5 Jahren in der 2. Liga richtige Profis waren."

An das Tor der Bundesliga geklopft 

Die elf Jahre in der 2. Liga waren eine tolle Zeit. Highlights gab es zuhauf. Beispielsweise ein 6:1-Erfolg in Mainz in der Saison 1988/1989. Ein weiterer Höhepunkt war der 2:0-Sieg vor ausverkauftem Haus gegen Schalke 04 mit Torhüter Jens Lehmann in der gleichen Spielzeit. In der Saison 1994/1995 klopfte der SVM sogar an das Tür zur Bundesliga, einige Anhänger träumten bereits von einem Gastspiel beim FC Bayern München. Insbesondere das formidable Sturmduo Rainer Rauffmann (15 Tore) und Jan Sievers (14) ließ damals die Aufstiegsträume blühen. Nach 30 Spieltagen stand der Klub sensationell auf Rang drei, erst in der Schlussphase der Saison verspielte Meppen die historische Chance und landete schließlich auf dem sechsten Rang.

Der Klub hätte auch die erste Liga als Herausforderung begriffen, so Persike: "Als wir in die 2. Liga gekommen sind, haben wir auch zuerst gesagt: Das ist für uns einfach eine Nummer zu groß. Genauso hätten wir das mit der Bundesliga auch gehandhabt, gewehrt hätten wir uns gegen einen Aufstieg nicht." Der Sportdirektor ist sich sicher: "Die Euphorie wäre dagewesen. Und wenn man Klubs wie Mainz oder Freiburg betrachtet, sieht man, welche Entwicklungen möglich sind. Das hätte vor 25 Jahren auch noch keiner für möglich gehalten."

Der SV Meppen stand am Abgrund

Anschließend begann allerdings der langsame Niedergang des Klubs. Nach dem Abstieg 1998 folgte der Absturz. Meppen versuchte, mit viel Geld und die sofortige Rückkehr in den Profibereich zu realisieren, was prompt scheiterte. Der Klub lebte in den damaligen Jahren weit über seine wirtschaftlichen Verhältnisse. Weil sich der sportliche Erfolg nicht einstellen wollte, musste der SVM schließlich 2003 Insolvenz anmelden, auch in den Folgejahren war die finanzielle Situation alles andere als rosig. "Man wollte eben nach dem Abstieg aus der 2. Liga unbedingt wieder hoch, weil alle wussten, wie schön das doch ist", sagt Persike zur damaligen Situation. "Es wurden Spieler geholt, die nur in der 2. Liga finanzierbar waren, aber wir stiegen eben nicht auf. Da geriet der SVM in eine Spirale, an deren Ende dem damaligen Vorstand nur übrig blieb, Insolvenz anzumelden." Ein warnendes Beispiel für andere Vereine, auch heute noch, findet Persike: "Man neigt schnell dazu, bei einem Abstieg die direkte Rückkehr in eine Liga anzupeilen und sich damit zu verheben, dafür gibt es jedes Jahr unzählige Beispiele."

Mittlerweile hat sich der Klub gefangen und spielt in der Regionalliga. Aber zumindest eine Klasse höher soll es für den SVM schon noch gehen, so Persike. "Wir haben hier beim SV Meppen eine Vision, und die heißt 3. Liga. Der SVM wird in der Region angenommen, wir haben gute Zuschauerzahlen, es gäbe in der 3. Liga zahlreiche Derbys, so dass wir das dann auch finanziell stemmen könnten", sagt der Sportliche Leiter. Und wer weiß – wenn sich die Vision erfüllt wird vielleicht auch die 2. Liga irgendwann einmal wieder ein Thema für die Emsländer. Gefühlt sind sie für viele Fans bundesweit sowieso noch ein Zweitligist.

Quelle: FUSSBALL.DE

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