03.12.2009, 17:11 Uhr
Qualifiziert: Die Griechen feiern Rehhagel. (Foto: imago)Und plötzlich war es wieder wie beim Märchen 2004. Griechenlands Spieler ließen ihren Trainer Otto Rehhagel hochleben und trugen ihn durchs Stadion von Donezk. Einen erneuten EM-Titel gab es zwar nicht zu feiern.
Aber die zweite WM-Teilnahme nach 1994. Nach einem 0:0 im Hinspiel der Relegation gegen die Ukraine schien das große Ziel schon außer Reichweite, doch mit der Rehhagel-Tugend der kontrollierten Offensive erkonterte die Mannschaft das Ticket für Südafrika. Ausgerechnet im hundertsten Spiel unter der Leitung ihres umstrittenen deutschen Trainers.
In der Gruppenphase hatte es Griechenland verpasst, die direkte Qualifikation zu sichern. Entscheidend waren die beiden Niederlagen in den Big Plays gegen den großen Konkurrenten Schweiz. Im Duell der deutschen Trainer zog Rehhagel jeweils den Kürzeren gegen Ottmar Hitzfeld. Ansonsten zeigten die Hellenen aber ähnlich konstante Leistungen wie die Eidgenossen. Nur die beiden Unentschieden in Israel und Moldawien störten die Bilanz, ansonsten feierte das Team sechs Siege. Am Ende fehlte nur ein Punkt auf Gruppensieger Schweiz.
Erstmals bei einer WM: Otto Rehhagel. (Foto: imago)Mit Griechenlands Medien hat es sich Otto Rehhagel inzwischen gehörig versaut, da bleibt der oft selbstherrliche Essener seiner Linie treu. Aber beim hellenischen Fußballverband wissen sie um seine Qualitäten, sonst würde „Rehhakles“ nach der verpatzten WM-Qualifikation 2006 und der gescheiterten EM-Titelverteidigung 2008 wohl kaum noch unter Vertrag stehen. Wenn die kommende WM beendet ist, war Rehhagel neun Jahre Trainer Griechenlands. Länger hielt noch keiner auf diesem Posten aus. Nach den Durchhängern der jüngeren Zeit hat der gelernte Maler seinem Team einen frischen Anstrich verpasst. In aller Vorsicht natürlich, wie man das König Otto gewohnt ist. Denn noch immer setzt er lieber auf Bewährtes und im Zweifelsfall auf unattraktiven, aber erfolgreichen Minimalistenfußball. „Modern spielt, wer gewinnt“, mit diesem Totschlagargument weiß der 71-Jährige noch immer zu argumentieren. Für Rehhagel erfüllt sich mit seiner ersten WM-Teilnahme auch ein persönlicher Traum.
Für immer ein griechischer Held: Charisteas. (Foto: imago)Mit seinem goldenen Tor im EM-Finale 2004 gegen Portugal hat sich Angelos Charisteas einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert und in den Herzen aller Griechen. Im Team des Titelverteidigers ist der 29-Jährige immer noch eine feste Größe. Auf Klubebene hat der Mittelstürmer dagegen nie so recht den erhofften Durchbruch geschafft. Auf zwei erfolgreiche Jahre bei Werder Bremen mit dem Double-Gewinn 2004 folgte die Station Ajax Amsterdam, wo er zwar ebenfalls den Meistertitel und Pokalsieg feiern konnte, allerdings nicht als Stammspieler. Bei Feyenoord Rotterdam erging es dem „gefallenen Engel“, so Hollands Zeitungen, nicht besser. Seit 2007 spielt er wieder in der Bundesliga, aber weder beim 1. FC Nürnberg noch auf der Zwischenstation Bayer Leverkusen hat er zu großer Form gefunden. Charisteas liebt die Musik, seit seinem fünften Lebensjahr spielt er die Bouzouki, eine griechische Gitarre.
Spektakulärer Offensivfußball ist von einem Rehhagel-Team nicht zu erwarten. Gute Organisation und brutale Effizienz dagegen schon, das bestätigte sich wieder einmal in der Qualifikation. Giorgios Karagounis, Kostas Katsouranis und ein paar andere EM-Helden von 2004 sind immer noch dabei und geben der Mannschaft einen guten Schuss Routine. Dass Griechenland wie 1994 bei der ersten WM-Teilnahme ohne Punkt und mit 0:10 Toren nach Hause fährt, steht nicht zu befürchten. Aber schon die Gruppenphase dürfte eine unüberwindbare Hürde sein.
Griechenland im Überblick:
| |
Spitzname | To Piratiko (Das Piratenschiff) |
Trainer | Otto Rehhagel |
Kapitän | |
Größter Erfolg | Europameister 2004 |
FIFA-Weltranglistenplatz | 12 |
Bisherige WM-Teilnahmen | 1 |
Quelle: t-online.de
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