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Größtes Erlebnis? "Sie zeigten uns ihre Mittelfinger!"

03.11.2012, 12:38 Uhr | FUSSBALL.DE

Bastian Hohmann fühlt sich wohl in Portugal. (Quelle: FUSSBALL.DE)

Bastian Hohmann fühlt sich wohl in Portugal. (Quelle: FUSSBALL.DE)

Das Interview führte Benjamin Crisolli

Im letzten Winter wechselte Bastian Hohmann, Amateurfußballer vom brandenburgischen Oberligisten Germania Schöneiche, zu Erstligaaufsteiger CD Feirense, einem Profiklub im Norden Portugals. Hier unterschrieb der Flügelstürmer, der bei einem Testspiel zufällig entdeckt wurde, einen Vertrag bis 2013. Damals sagte er: "Man kann nicht nur davon träumen, Fußballprofi zu werden." Nach mehr als einem dreiviertel Jahr zieht der 22-Jährige ein Zwischenfazit und berichtet von seinen Erlebnissen in Santa Maria da Feira. 

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FUSSBALL.DE: Bastian Hohmann, vor einem dreiviertel Jahr erfüllten Sie sich den Traum vom Profifußball. Sie sprachen im Februar im von einer "riesigen Chance". Haben Sie ihre Entscheidung einmal bereut?

Bastian Hohmann: Nein, die Entscheidung diesen Weg, diesen großen Schritt zu gehen, habe ich nicht bereut. Fußballerisch habe ich mich auf jeder Ebene weiterentwickelt, das Leben eines Fußballprofis kennen gelernt. Die Chance an sich ist mir ja auch immer noch gegeben.

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CD Feirense hat den Klassenerhalt nicht geschafft. Wie haben sie die entscheidende Saisonphase erlebt?

Das Saisonfinale war eine ziemlich schwierige Zeit. Erst wurde der Trainer entlassen, der mich zu Feirense holte, dann haben wir Spiele, in denen wir gut spielten auch noch unglücklich verloren. Erstaunlich war für mich, dass unsere Mannschaft trotz all dem Druck, der auf ihren Schultern lag, nie den Spaß am Fußball verloren hat. Wir arbeiteten im Training weiter konzentriert und haben trotz dieser schwierigen Phase weiterhin gelacht und Späße gemacht. Als die Saison schon beendet war, hofften wir, dass wir doch noch in der ersten Liga bleiben würden. Manche Vereine hatten finanzielle Probleme und konnten ihre Spieler nicht mehr bezahlen. Zudem diskutierte der Verband eine Aufstockung der Liga von 16 auf 18 Vereine. Doch dazu kam es nicht. Am Ende mussten wir dann doch den Weg in die zweite Liga antreten.

Was war für Sie persönlich – trotz des Abstiegs - in ihren ersten dreiviertel Jahr das größte Erlebnis?

Das war sicherlich das Auswärtsspiel im Estadio do Dragao (Anm. d. Red.: Heimstätte des FC Porto). Ich stand auf dem Rasen und genoß die besondere Atmosphäre. Das werde ich nicht vergessen. Auch die Fahrt mit dem Teambus zum Stadion war etwas Besonderes. Auf dem Weg dorthin hielten eine ganze Menge Autos an. Die Besitzer stiegen aus, zeigten in Richtung unseres Busses ihre Porto-Schals, aber auch ihre Mittelfinger! Erst war ich von den Anfeindungen etwas geschockt. Später schmunzelte ich darüber, wie der Fußball Menschen beeinflussen kann. Dieses Ereignis werde ich für immer in meinem Kopf behalten.

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Und was war für Sie die größte Enttäuschung?

Ich hatte wenige Einsatzzeiten, wobei ich sicherlich eine gewisse Zeit benötigte, um mich an das sportliche Niveau anzupassen. Enttäuschend waren für mich aber auch die vielen Familienfeiern und Geburtstage, an denen ich nicht teilnehmen konnte. Aktuell bin ich darüber enttäuscht, dass ich schon seit längerem verletzt bin und mich das ausbremst.

Ihr Vertrag läuft bis zum Sommer 2013. Sind sie an einer Verlängerung interessiert, oder wollen sie nach Deutschland zurückkommen?

Es hängt natürlich davon ab, wie meine aktuelle Situation zum Zeitpunkt der Vertragsverhandlungen aussieht. Mit Sicherheit ist es ein Traum in Deutschland unter Profistatus Fußball zu spielen. Wenn sich aber irgendwo andere, bessere Möglichkeiten auftun, werde ich entscheiden, was das Beste für mich und meine Karriere ist.

Sie sagten am Anfang Ihrer Zeit in Portugal, dass die mangelnden Sprachkenntnisse ihr größtes Problem seien. Können Sie sich mittlerweile mit ihren Mitspielern verständigen?

Ich denke, dass ich die oft benutzten Worte, die wichtig für den Fußball sind, beherrsche - genau so wie alle Schimpfwörter, die auf dem Platz fallen. Darüber hinaus kann ich im Restaurant Essen bestellen und mich an der Supermarkt-Theke verständigen. Für mich ist portugiesisch eine sehr schwere Sprache, da die Worte völlig anders geschrieben werden, als man sie letztendlich ausspricht. Mit anderen Worten: bei längerer Kommunikation kann man mein Portugiesisch vergessen.

Mit welchem Mitspieler verstehen sie sich am besten?

Letztes Jahr war es defintiv Thiago Schmidel, mit dem ich mich auch in meiner Freizeit getroffen habe. Leider verließ er den Verein nach der Saison in Richtung Budapest. Mit vielen Mitspielern verstehe ich mich aber sehr gut und mit einem von Ihnen habe ich eine enge Freundschaft. Wir unternehmen viel miteinander. 

Wie haben Sie sich eingelebt und was machen sie in ihrer Freizeit?

Mein Leben hat sich verändert. Mittlerweile lebe in Espinho. Die Stadt liegt direkt am Meer und ist mit dem Auto nur 20 Minuten vom Trainingsplatz entfernt. Hier ist viel mehr Leben. Touristen kommen hier her, es gibt viele Strandbars und Shops. In meiner Freizeit fahre ich auch gern mal nach Porto und gehe dort gut Essen oder shoppen. In meinen vier Wänden schaue ich in meiner Freizeit gerne DVDs oder surfe im Internet.

Was vermissen Sie in Portugal am meisten?

Ganz klar meine Familie und meine Freunde, aber auch den Trubel, den Berlin so mit sich bringt. Also das Großstadtleben im Großen und Ganzen. Speziell auch die Zockerabende, an denen man mit Freunden bis spät in die Nacht Playstation gespielt hat, oder einfach in eine Bar gegangen ist. Leider bekomme ich nur aus der Ferne die Veränderungen, die bei meiner Familie oder meinen Freunden passieren, mit. Ich lese davon, bin aber zu weit weg, um es wirklich mitzubekommen. Trotzdem, ich habe diesen Weg hier gewählt und bereue ihn absolut nicht.

(Das erste Interview mit Bastian Hohmann vom 15. Februar 2012)

Quelle: FUSSBALL.DE

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 (Quelle: abc)