11.01.2012, 11:00 Uhr | mspw
Mit seinen Wintertransfers hat der 1. FC Heidenheim ein klares Signal an die Konkurrenz in der 3. Liga gesendet: Der Tabellenfünfte will nach oben. Dabei setzen die Süddeutschen unter anderem im Angriff auf einen prominenten Routinier und einen alten Bekannten - beide kommen vom Bundesligisten FC Augsburg. Michael Thurk verfügt über die Erfahrung von über 80 Bundesligaspielen (22 Tore) und 250 Zweitligapartien (96 Treffer) für den FSV Mainz 05, Eintracht Frankfurt und Energie Cottbus. In Augsburg passte der 35-Jährige zuletzt nicht mehr ins System, so dass sein Vertrag zu Beginn des Jahres aufgelöst wurde. In Heidenheim will Thurk noch einmal angreifen. "Ich möchte dazu beitragen, dass die Mannschaft Erfolg hat", sagt der Stürmer.
Patrick Mayer warfen beim FCA Verletzungen immer wieder zurück. Vor einigen Tagen wurde der 23-Jährige daher an den FCH ausgeliehen. Jenen Klub, bei dem er seine bisher erfolgreichste Zeit hatte: In zwei Drittligaspielzeiten erzielte Mayer bei 64 Einsätzen 30 Tore, alleine 19 davon in der Saison 2010/2011, als er Torschützenkönig wurde. Während der Heidenheimer Vorbereitung haben wir mit Michael Thurk und Patrick Mayer gesprochen.
Was hat für Sie den Ausschlag für den Wechsel nach Heidenheim gegeben?
Michael Thurk: Die räumliche Nähe zu meinem Wohnort Kissing spielte auf jeden Fall eine Rolle. Wichtig für mich waren auch die sportliche Zielsetzung des Vereins und die guten Gespräche mit den Verantwortlichen und FCH-Trainer Frank Schmidt. Der Verein hat sich sehr um mich bemüht.
Patrick Mayer: Ich habe mich in Heidenheim immer sehr wohl gefühlt, kenne das Umfeld und die komplette Mannschaft. Als die Möglichkeit bestand, mich nach Heidenheim ausleihen zu lassen, musste ich nicht lange überlegen.
Aktuell befinden Sie sich im Trainingslager in der Türkei. Ist das angenehm oder anstrengend?
Thurk: Beides. Ich habe eine rechte lange Auszeit hinter mir und trainiere nun erstmals seit einigen Monaten wieder in diesem Umfang. Für mich kommt es darauf an, jede Einheit so gut zu nutzen, wie es eben geht.
Mayer: Trainingslager mögen Fußballspieler normalerweise nicht so besonders. In Augsburg hatte ich jedoch eine lange Leidenszeit zu überstehen. Nach einer Schambeinentzündung erwischte mich auch noch das Pfeiffersche Drüsenfieber. Deshalb macht mir jeder Tag, an dem ich trainieren und auf dem Fußballplatz stehen kann, riesigen Spaß. Ich kann es kaum abwarten, bis es endlich wieder los geht.
Ihre Verpflichtungen haben nicht nur bei der Konkurrenz für Aufsehen gesorgt. Mit welchem Ziel sind Sie nach Heidenheim gewechselt?
Thurk: Entscheidend für mich ist einzig und allein der Erfolg der Mannschaft. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen. Ich war nie der Typ, der sich möglichst viele Tore zum Ziel gesetzt hat. Fußball ist ein Mannschaftssport, und wer den Ball letztendlich ins Tor schiebt, spielt überhaupt keine Rolle.
Mayer: Für mich persönlich geht es darum, nach meiner langen Auszeit den Spielrhythmus so schnell wie möglich aufzunehmen. Der Mannschaft möchte ich helfen, den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu verwirklichen. Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Erwartungen an mich hoch sind. Davor habe ich aber keine Angst. Ich werde versuchen, in jeder Partie an meine Grenzen zu gehen. Die große Konkurrenz im Angriff sehe ich dabei sehr positiv - sie wird jeden einzelnen Spieler beflügeln.
Sie standen zuletzt beide in Augsburg unter Vertrag. Wie ist Ihr Verhältnis zueinander?
Thurk: Patrick war zu Beginn lange Zeit verletzt. Deshalb hatten wir nicht allzu viel Kontakt. Als Patrick dann wieder auf dem Trainingsplatz stand, war meine Zeit in Augsburg beendet.
Mayer: In den wenigen Wochen konnte ich Michael im Training beobachten. Für mich war er ganz klar der Stürmer Nummer eins beim FCA.
Was kann Patrick Mayer vom erfahrenen Michael Thurk lernen?
Mayer: Michael hat über viele Jahre erfolgreich im Profifußball gespielt. Seine Erfahrung ist enorm und bringt hoffentlich auch mich weiter. Beeindruckend ist vor allem seine Ruhe am Ball. Ich werde mir ganz sicher noch den einen oder anderen Tipp holen.
Gibt es vielleicht auch etwas, was Michael Thurk von Patrick Mayer übernehmen kann?
Thurk: Generell geht es doch im Fußball darum, sich ständig weiterzuentwickeln. Du kannst dir von fast jedem Spieler etwas abschauen.
Sie sind beide Stürmer mit Torjäger-Qualitäten. Befürchten Sie, dass Sie sich gegenseitig auf den Füßen stehen könnten?
Thurk: Das muss sich selbstverständlich erst einspielen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir uns schnell aneinander gewöhnen und die Laufwege abstimmen.
Mayer: Ich denke, dass unsere Spielanlagen ganz gut zusammenpassen. Michael zieht sich auch mal zurück, holt sich die Bälle aus dem Mittelfeld. Ich stoße gerne in die Tiefe.
Wie sehen Ihre mittelfristigen Planungen aus?
Thurk: Im Fußball ist das mit dem Planen so eine Sache. Wenn ich mich in fünf Jahren noch fit fühle, dann werde ich weiter Fußball spielen. Schließlich habe ich den wohl schönsten Job der Welt. Meine Konzentration gilt aktuell aber allein der bevorstehenden Restrunde mit Heidenheim.
Mayer: Was im Sommer passiert, kann ich noch nicht sagen. Ich habe für die nächste Saison einen gültigen Vertrag in Augsburg und werde - Stand jetzt - dann auch wieder zum FCA zurückkehren. Vorher will ich aber mit Heidenheim nach oben.
Wie beurteilen Sie die Ausgangsposition in der 3. Liga?
Thurk: Es ist sehr eng. Es gibt noch eine Menge Mannschaften, die oben reinrutschen können. Regensburg und Sandhausen werden wohl bis zum Schluss um den Aufstieg kämpfen. Entscheidend wird sein, sich keinen Negativlauf zu erlauben. Ich bin optimistisch, dass wir um den Aufstieg mitspielen werden, denn wir verfügen über eine gute Mannschaft mit viel Potenzial.
Mayer: Wichtig ist, dass wir gut aus den Startlöchern kommen. Es gibt viele Klubs, die noch einmal angreifen wollen und werden. Ich denke da unter anderem an den VfL Osnabrück. Die eine oder andere Überraschung erwarte ich auch noch.
Ergänzen Sie bitte folgenden Satz: Der 1. FC Heidenheim steigt auf, weil…
Thurk: … wir alle Spiele der Restrunde gewinnen werden (lacht). Das war nur Spaß. Wir steigen ganz einfach auf, weil wir am Ende ausreichend Punkte auf dem Konto haben. Das würde ich mir wünschen.
Mayer: … unsere Mannschaft viel Qualität besitzt und wir den nötigen Biss haben, um den Sprung in Liga zwei zu schaffen.
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