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Löw im Interview: "Gänsehaut und Tränen"

20.12.2010, 15:19 Uhr | DFB.de

Jogi Löw (re.) und sein Co-Trainer Hansi Flick: Der blaue Pullover als WM-Glücksbringer. (Foto: imago)

Jogi Löw (re.) und sein Co-Trainer Hansi Flick: Der blaue Pullover als WM-Glücksbringer. (Foto: imago)

Menschen erreichen, positive Emotionen wecken, Freude verbreiten. Im Jahr 2010 ist dies der deutschen Nationalmannschaft gelungen. In Südafrika hat das deutsche Team die Fans aus aller Welt für ihre Art des Fußballs begeistert und neue Freunde gewonnen. Zuständig dafür war und ist Joachim Löw, der zwischen Pretoria und Kapstadt zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft als Bundestrainer in der Verantwortung stand.

Im großen, dreiteiligen DFB.de-Gespräch der Woche, blickt Löw zurück auf ein Jahr voller Emotionen und Erfolge - und redet über neue Aufgaben und Ziele.

DFB.de: Herr Löw, gibt es eine Begebenheit, ein Zusammentreffen, ein Erlebnis abseits des Sports, das Ihnen aus Südafrika noch besonders in Erinnerung ist?
Ich habe viele solcher Ereignisse noch in guter Erinnerung, nicht nur von der Zeit während der WM. Wir waren schon im Vorfeld des Turniers einige Male in Südafrika, da gab es immer wieder Erlebnisse, die mich sehr berührt haben. Es hat mich jedes Mal beeindruckt, wenn ich dort die Kinder habe Fußball spielen sehen. Mit einem ganz einfachen Ball, auf einem staubigen, sandigen Platz mit selbst gebauten Toren. Und mit großer Begeisterung, viel Freude und Leidenschaft - das hat mich bewegt.

Und während der WM: Welche Momente kommen Ihnen in den Sinn, welche Augenblicke haben Sie besonders genossen?
Sehr intensiv erlebe ich immer die Fahrt zum Stadion. Das sind Minuten, die man nicht vergisst. Man fährt zum Spiel, es ist WM, die ganze Welt schaut zu, Millionen Menschen wollen uns spielen sehen. Im Bus herrscht eine unglaubliche Ruhe, eine ungeheure Konzentration, es wird kaum gesprochen, jeder ist mit sich und seinen Gedanken beschäftigt. Wenn man sich dann dem Stadion nähert und diese riesigen beleuchteten Bauwerke sieht, die Menschenmassen wahrnimmt, dann weiß man, dass dies etwas Einmaliges ist. Diese Spannung, diese Vorfreude auf ein Spiel, besonders auf die K.o.-Duelle mit England, Argentinien und Spanien - das ist mit keinem anderen Ereignis zu vergleichen.

Wie viel von der Begeisterung in Deutschland haben Sie in Südafrika mitbekommen?
Wir haben die Bilder gesehen, aber man kann das nicht erfassen und schon gar nicht richtig genießen. Man ist so fokussiert, die Konzentration bewegt sich über Wochen am obersten Level. Die Emotionen in Deutschland, aber auch die eigenen Emotionen, sind mir eigentlich erst so richtig bewusst geworden, als ich mir die Filme und Bilder noch einmal in Ruhe zu Hause angeschaut habe.

Was geht in Ihnen heute vor, wenn Sie sich die Filme über die WM ansehen?
Wenn ich sehe, was alles passiert ist, von Sizilien über Südtirol nach Südafrika, dann bekomme ich immer wieder eine Gänsehaut und manchmal schießen mir sogar Tränen in die Augen. Weil ich dann wieder sehe und erlebe, mit welcher Hingabe viele Menschen am Erfolg der Mannschaft gearbeitet haben. Dieses Gefühl kommt immer wieder hoch, auch wenn ich bestimmte Musik höre, ist das so.

Shakiras "Waka Waka" zum Beispiel?
Ja. Wir hatten bestimmte Rituale, haben bestimmte Musik gehört. Und natürlich auch dieses Lied. Wenn es heute im Radio läuft, ist die Verknüpfung mit der WM sofort da. Ich erinnere mich an Bilder während der Spiele, Bilder während der Fahrt ins Stadion, ich erinnere mich an Tore, an Gespräche, Aktionen im Training.

Am Ende bekamen Sie für Platz drei die Bronzemedaille überreicht. Wo bewahren Sie die Medaille auf?
Ich habe sie unmittelbar nach dem Spiel verschenkt, mein Patenkind war vor Ort und hat sie bekommen. Sie hat sich riesig gefreut darüber. Ich messe diesen symbolischen Auszeichnungen wie Medaillen und Pokalen nicht sehr viel Wert bei. Ich brauche sie nicht, um mich daran zu erinnern und daran zu erfreuen, was war.

Lesen Sie mehr im zweiten Teil des Interviews mit Joachim Löw.

DFB.de  

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