03.02.2012, 19:07 Uhr
Englands Nationaltrainer Fabio Capello nimmt "Problemfall" John Terry ins Gebet. (Quelle: imago)
Ein Vorgang für die Geschichtsbücher des englischen Fußballs: John Terry ist bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere als Kapitän der Nationalmannschaft abgesetzt worden. Diese disziplinarische Maßnahme des Chefcoachs des Weltmeisters von 1966, Fabio Capello, gilt mindestens bis zum Ende der EM in Polen und der Ukraine. Vor Gericht ist der Vorwurf des Rassismus' gegen Terry zu klären. Vor zwei Jahren hatte Terry die Binde wegen ehelicher Untreue vorübergehend eingebüßt.
Dem Bild vom Musterprofi wird Terry längst nicht mehr gerecht. Der Abwehrhüne des FC Chelsea London galt über Jahre als immer pflichtbewusst, immer fair, aber knallhart zu den gegnerischen Stürmern und auch zu sich selbst. Inzwischen ist der 31-Jährige mit Wurzeln im rauen Londoner Osten den Engländern fast peinlich.
Terry soll im Premier-League-Spiel gegen den Londoner Lokalrivalen Queens Park Rangers im vergangenen Oktober seinen Gegenspieler Anton Ferdinand rassistisch beleidigt haben. Ferdinand ist dunkelhäutig und pikanterweise der Bruder von Terrys Nationalmannschafts-Kollegen Rio. Terry bildet mit Rio die Innenverteidigung der "Three Lions". Rio Ferdinand hatte Terry bereits vor zwei Jahren als Kapitän der englischen Auswahl ersetzt. Im Februar 2010, vor der WM 2010 in Südafrika, war der Londoner suspendiert worden. Damals war Terry, verheirateter Vater zweier Kinder und 2009 zum "Daddy des Jahres" gewählt, ein Seitensprung zum Verhängnis geworden.
Statt als Vorbild-Papa an der Seite seiner Familie zu stehen, hatte er sich angeblich mit dem französischen Unterwäsche-Model Vanessa Peroncell vergnügt - die schöne Brünette ist zufällig die Ex seines langjährigen Chelsea- und Nationalelf-Kollegen Wayne Bridge. Wenig später fiel Terry in einem Testspiel mit einem Kung-Fu-Tritt gegen einen Gegenspieler unangenehm auf.
Sogar Premierminister David Cameron fühlte sich schon für Terry und dessen Verfehlungen zuständig: "Für Rassismus ist in unserem Land kein Platz", merkte der Regierungschef an. Auch Sportminister Hugh Robertson begrüßte die Maßnahme der FA: "Ich stehe komplett hinter der Entscheidung. Es wäre unmöglich gewesen für John Terry, als Kapitän weiterzumachen mit einer Anklage, die über seinem Kopf schwebt." Immerhin sein Vereinstrainer Andre Villas-Boas sprang Terry zur Seite. "John bleibt unser Kapitän", sagte der Portugiese. Mehr sei nicht zu sagen.
Die Staatsanwaltschaft sieht nach dem Studium von Videobildern den Verdacht rassistischer Äußerungen erhärtet. Zum Auftakt des Prozesses hatte Terry auf "nicht schuldig" plädiert. Die Hauptverhandlung soll erst am 9. Juli, nach der EM, beginnen. Auch diese lange Periode war für den Verband ein Anlass, Terry aus der Führungsrolle zu nehmen.
"Er wird das Team nicht führen, bis die Vorwürfe gegen ihn geklärt sind", heißt es einem Statement des Verbandes. Ausdrücklich machte dieser darauf aufmerksam, dass dies keinen Ausschluss aus der Mannschaft bedeutet. Capello könne Terry sowohl für das nächste Länderspiel am 29. Februar gegen die Niederlande als auch für die EM nominieren.
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Quelle: dpa
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