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Kramny: "Wir dürfen jetzt nicht aufhören zu punkten"

23.11.2011, 14:55 Uhr | mspw

Jürgen Kramny hat sich mit seinem Team in der Spitzengruppe festgesetzt. (Quelle: imago)

Jürgen Kramny hat sich mit seinem Team in der Spitzengruppe festgesetzt. (Quelle: imago)

Der VfB Stuttgart II nimmt aktuell Kurs auf die beste Endplatzierung einer Zweitvertretung in der Drittliga-Geschichte. In der Premieren-Saison 2008/2009 hatte es Bayern München II, inzwischen nur noch Süd-Regionalligist, nach 38 Spieltagen auf den fünften Platz geschafft. Die Mannschaft von VfB-Trainer Jürgen Kramny ist aktuell nach knapp der Hälfte der Runde Dritter. "Wir fühlen uns sehr wohl dort oben", sagte Kramny. "Wir können den Platz aber nur halten, wenn wir weiter so stabil bleiben."

Jürgen Kramny ist seit Saisonbeginn Trainer der Schwaben. Zuvor hatte er die U 19 betreut und zeitweise auch als Co bei den Profis gearbeitet. Erste Trainer-Station des 40-Jährigen war die A-Jugend des FSV Mainz 05. Während seiner aktiven Karriere hatte Kramny zwischen 1997 und 2005 über 200 Einsätze für den FSV absolviert, war auch für den 1. FC Nürnberg und den VfB Stuttgart aktiv.

Hallo, Herr Kramny! Wenn Ihnen vor der Saison jemand gesagt hätte, Ihre Mannschaft steht nach 17 Spieltagen auf Tabellenplatz drei. Was hätten Sie gesagt?

Jürgen Kramny: Das hätte ich selbstverständlich sofort unterschrieben. Wir spielen bisher eine hervorragende Runde, keine Frage. Aber wir dürfen jetzt nicht aufhören zu punkten. 27 Zähler reichen schließlich nicht, um in der Klasse zu bleiben. Das ist unser erstes Ziel. 

Was zeichnet Ihre Mannschaft aktuell aus?

Die Spieler sind schnell zu einer Einheit geworden. Im gesamten Verein herrscht außerdem eine prima Stimmung. Die Anbindung zum Profikader ist klasse. Jeder meiner Spieler weiß, dass die Möglichkeiten da sind, nach oben zu kommen.

Im letzten Spiel hat Ihr Angreifer Alexander Riemann große Nervenstärke beweisen und ausgerechnet gegen seinen älteren Bruder, den Osnabrücker Torwart Manuel Riemann, einen Elfmeter zum 1:0-Endstand verwandelt. War das ein Zeichen für das große Selbstbewusstsein innerhalb Ihrer Mannschaft?

Solche Situationen wie bei Alexander Riemann gibt es im Fußball nicht häufig. Tobias Rathgeb, unser etatmäßiger Elfmeter-Schütze, hat Alex, der sich die gesamte Woche auf das Spiel gefreut hatte, den Ball überlassen. Das spricht für den Mannschaftsgeist. Alex hat seine Chance dann selbstbewusst genutzt.

Wo kann der Weg der Stuttgarter Zweitvertretung in dieser Saison hingehen?

Wir fühlen uns sehr wohl auf dem dritten Platz. Aber im Ernst: Die Verfolger sind uns auf den Fersen und extrem nah dran. Wir können den Rang nur halten, wenn wir weiter so stabil bleiben und uns keinen Negativ-Lauf erlauben. Dann kommen die Punkte von ganz allein.

Eine frühzeitige Absicherung einer weiteren Spielzeit in der 3. Liga wäre eine luxuriöse Situation!

Das stimmt. Ohne großen Druck könnte ich dann auch schon einmal einigen A-Jugendlichen Spielpraxis geben.

In den ersten drei Drittliga-Spielzeiten war der VfB zweimal Zehnter und einmal Elfter. Der SV Werder Bremen II kämpfte in jeder Saison gegen den Klassenverbleib, Bayern München II und Borussia Dortmund II spielen mittlerweile nur noch in der 4. Liga. Was macht der VfB Stuttgart anders?

Das ist für mich schwer zu beurteilen. Für diese Saison gilt: Wir haben uns dazu entschieden, eine Mannschaft um die beiden erfahrenen Eckpfeiler Daniel Vier und Tobias Rathgeb zu formieren. Junge Spieler benötigen Routiniers, die sie in einigen Situationen an die Hand nehmen. Sehr positiv bei uns ist, dass ich nahezu ohne Qualitätsverlust durchwechseln kann. Außerdem haben wir uns zu Hause zu einer Macht entwickelt.

Welche Fähigkeiten muss ein Nachwuchsspieler haben, um ganz nach oben zu kommen?

Talent in Verbindung mit dem nötigen Biss. Gut Fußball spielen können fast alle U-23-Kicker. Aber du benötigst auch den richtigen Kopf, die richtige Einstellung, um den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Wir versuchen, die Basis dafür zu legen, dass die Spieler mit dem Fußball Geld verdienen können.

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Sie waren selbst Profi, trainieren seit 2006 fast durchweg Nachwuchs-Mannschaften. Was macht Ihnen daran so großen Spaß?

Meine Spieler hören nicht nur gut zu, sondern setzen das auch um. Ich habe so viele unterschiedliche Charaktere in der Mannschaft. Es ist eine spannende Herausforderung, daraus ein einheitliches Gebilde zu formen.

Können Sie sich vorstellen, irgendwann einmal eine Senioren-Mannschaft zu übernehmen?

Vielleicht geht der Weg auch irgendwann einmal dorthin. Aber im Moment fühle ich mich im Nachwuchsbereich sehr gut aufgehoben.

Sie pendeln regelmäßig zwischen Mainz und Stuttgart. Wie bekommen Sie das hin?

Meine Frau, mein Sohn und meine Tochter wohnen nach wie vor in Mainz. Ich versuche, so viel Zeit wie möglich mit Ihnen zu verbringen. Deshalb habe ich auch mein Hobby zurückgestellt. Die Pendelei ist nicht ganz einfach und sicher keine Dauerlösung.

In der 3. Liga geht es für den VfB Stuttgart II am Samstag in Aalen weiter. Wie schätzen Sie den VfR ein?

Aalen verfügt über eine gute Mannschaft und mit Robert Lechleiter über einen hervorragenden Stürmer, der seine Qualitäten schon häufig nachgewiesen hat. Wir freuen uns auf das Derby gegen einen Verein, der sich vorgenommen hat, in der oberen Tabellenhälfte mitzumischen. Wir wollen unsere Punkte-Bilanz bis zum Winter ausbauen und damit schon in Aalen anfangen.

Gibt es personelle Probleme?

Kevin Stöger hat einen Haarriss im Sprunggelenk, Sebastian Hertner den Mittelfuß angebrochen. Beide stehen mir noch eine ganze Weile nicht zur Verfügung. Bisher konnten wir die Ausfälle aber gut kompensieren

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