26.01.2011, 18:44 Uhr | FUSSBALL.DE
Wolfgang Wolf hat als Coach von Kickers Offenbach nur ein Ziel: Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga. (Foto: imago)
Das Interview führte Ricardo Da Silva Campos
Wolfgang Wolf ist längst am Bieberer Berg beim Traditionsverein aus Hessen angekommen. Sein Primärziel: Als Coach mit Kickers Offenbach in die 2. Bundesliga aufsteigen. Sein Problem: Der geplante Umbau der neuen Spielstätte.
Im Interview mit FUSSBALL.DE spricht der 53-jährige Motivationsexperte über sein Geheimnis im Umgang mit den Spielern, aussichtsreiche Neuzugänge, etliche Verletzungssorgen und die Veränderungen im heutigen Trainergeschäft.
FUSSBALL.DE: Herr Wolf, haben Sie und die Mannschaft den Schock vom DFB-Pokal-Aus gegen Ihren früheren Verein schon verdaut?
Wolfgang Wolf: "Das war für mich eigentlich kein Schock. Nürnberg spielt immerhin zwei Klassen höher, ich kann mit dem Ergebnis gut leben und auch gut umgehen. Die Mannschaft hat sich nach zehn Wochen ohne Spielpraxis vor ausverkauftem Haus gut verkauft."
Wo lagen die Schwierigkeiten gegen den Bundesligisten?
"Unsere Offensivabteilung ist nach der langen Spielpause noch nicht so gut wieder eingespielt wie zuvor. Vor allem Olivier Occéan hat nach seiner Verletzung sein erstes Spiel gemacht, genau wie Alexander Huber auch. Da hat die Abstimmung noch gefehlt. Als Drittligist bekommt man ohnehin nicht so viele Chancen gegen eine Mannschaft wie Nürnberg. Das 1:2 wurde nicht gegeben, wenn das fällt, dann haben wir eine Chance, dann geht ein Ruck durch das Team. Letztendlich war Nürnberg aber einen Tick cleverer und auch stärker als wir."
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Auch im Rennen um die Aufstiegsplätze musste der OFC im Nachholspiel gegen den SV Sandhausen einen Rückschlag beim 1:2 hinnehmen. Tut die erste Heimniederlage besonders weh?
"Wir haben das Spiel 50 Minuten lang kontrolliert. Sandhausen hat in der Zeit gar nicht stattgefunden. Leider konnten wir uns in der Zeit nach vorne nicht so gut durchsetzen, weil Sandhausen sehr diszipliniert stand und eher defensiv und destruktiv agiert hat. Einen Fehler von uns haben sie dann eiskalt genutzt, beim zweiten Tor kam die Kopfball-Vorlage von uns. Am Ende fehlte uns auch die Kraft, da wir das Spiel gegen Nürnberg noch in den Knochen hatten."
Klingt als hätten Sie durchaus Verständnis für die Niederlage?
"Lieber jetzt verlieren als zu einem späteren Zeitpunkt. Wenn es eng wird und um viel, viel mehr geht, ist das schlimmer. Jetzt kann man noch korrigieren."
Würden Sie mit Hinblick auf die beiden Gegentreffer von einer Schwäche der Mannschaft bei Standardsituationen bzw. hohen Bällen sprechen?
"Ja, daran müssen wir arbeiten. Das ist momentan auch ein Schwerpunkt im Training, wir müssen noch aggressiver gegen den Ball agieren, uns im Luftkampf durchsetzen. Da sind wir derzeit nicht so hellwach wie sonst. Das müssen wir schnell abstellen."
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Wie stehen die Verhandlungen um Ivan Pecha von Khazar Lenkoran? (Erstligist aus Aserbaidschan, Anm. d. Red.) Kommt der Abwehrspieler ebenfalls?
"Da arbeiten wir dran. Das werden wir diese Woche noch definitiv über die Bühne bringen, so oder so. Er soll die Innenverteidigung mit seinem guten Kopfballspiel verstärken und unsere zuletzt aufgetretene Schwäche im Luftkampf dadurch wettmachen."
Was macht Elton da Costas Oberschenkelverletzung, die er sich gegen Sandhausen zugezogen hat?
"Elton ist leider immer noch verletzt. Da müssen wir uns noch was überlegen. Zudem ist Denis Berger nicht fit, Markus Husterer ist krank und Kai Hesse noch immer verletzt."
Ist wenigstens Torjäger Olivier Occéan nach seinem Muskelfaserriss wieder fit?
"Er hat noch für alle Spiele sehr viel Luft nach oben. Speziell wenn man so lange verletzt war wie er. Derzeit ist er aber leider wieder grippekrank und kann ebenfalls nicht spielen. Dazu kommt, dass sich seine Gegenspieler natürlich auch auf seine körperbetonte Spielweise eingestellt haben. Er muss sich jetzt anders bewegen, neue Laufwege gehen, sich wieder ins Spiel bringen. Aber er gehört mit Sicherheit zu den überragenden Stürmern in der Liga."
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Apropos Stürmer: Der OFC hat sich ab sofort auf Leihbasis mit dem Offensivspieler José-Pierre Vunguidica…
"Seinen Namen kann keiner aussprechen, daher heißt er bei uns nur `Joe`." (lacht)
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Was hat der Kölner Stürmer, den Sie bis zum Saisonende verpflichten konnten, was andere Angreifer nicht haben?
"Joe hat die nötige Geschwindigkeit und die Schnelligkeit auf den Flügeln, die uns gefehlt hat. Er ist der Typ Stürmer, den wir gesucht haben und der sich das nächste halbe Jahr bei uns beweisen will. Er ist noch jung und hungrig. Zudem kommt er in Köln nicht zum Zuge, trotz seines großen Potentials. Er passt zu uns und er ist finanzierbar. Wenn er sich gut macht, werden wir weitersehen. Aber er hat ja einen anschließenden Zweijahres-Vertrag in Köln zu erfüllen, daher gibt es auch erstmal keine Kaufoption."
Wie lautet Ihr persönliches Saisonziel?
"Es gibt nur ein klares Ziel und das heißt Aufstieg - ohne Wenn und Aber."
2004 haben Sie mit dem damaligen Zweitligisten Nürnberg den Wiederaufstieg geschafft. Spielen Sie gerne die Rolle des „Aufstiegstrainers“?
"Ich bin mit den Stuttgarter Kickers in die 2. Bundesliga, mit Nürnberg wieder in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Das ist natürlich für jeden Trainer schön, wenn man was erreichen kann und bei einem Verein seine Handschrift hinterlässt. Ob man aufsteigt, hängt aber immer an einem seidenen Faden. Jedes Jahr gibt es andere Teams, die auch aufsteigen wollen. Rostock spielt stark, Braunschweig hat eine komplett neue Mannschaft aus dem Boden gestampft. Wenn all unsere Verletzungssorgen vorbei sind, werden wir sicherlich um den Aufstieg mitspielen."
Sehen Sie eigentlich noch sehr große spielerische Unterschiede zwischen den Topteams aus der 3. Liga und mittelmäßigen Vereinen aus der 2. Bundesliga?
"Es gibt keine spielerischen Unterschiede. Die Topvereine aus der 3. Liga können da schon locker mit denen aus der 2. Bundesliga mithalten. Es spielen ja auch viele Talente aus der 1. Bundesliga in den unteren Ligen, die spielerische Qualität nähert sich daher auch immer mehr an."
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Was macht eigentlich die Karriere von Ihrem Sohn?
"Patrick habe ich mir gestern mit seinem Verein Wacker Burghausen beim Spiel gegen Sandhausen angeschaut. Er entwickelt sich sehr gut und hat mit 21 in anderthalb Jahren schon über 60 Drittliga-Partien absolviert. Seine Leistungen schwanken zwar noch ein wenig, aber er macht mir sehr viel Freude."
Könnten Sie sich ihn auch beim OFC vorstellen? Immerhin spielt er bei einem Ihrer direkten Konkurrenten…
"Nein, er hat einen Vertrag in Burghausen zu erfüllen. Außerdem ist er dort glücklich. Ich hab mir darüber ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht."
Der bevorstehende Stadionumbau im Februar hat sicher großen Einfluss auf das Team. Wie gehen Sie damit um?
"Das wird sehr viel Einfluss auf uns haben. Die ganzen Abläufe stimmen dann nicht mehr, doch das wird noch das geringste Problem sein. Aber wenn nur noch die Gegentribüne und die Tribüne hinter dem Tor als „L-Form“ stehen bleiben und der Rest abgerissen wird, dann fehlt viel Stimmung und Unterstützung der Fans bei den Heimspielen. Der Spielbetrieb geht während dem Umbau ja weiter."
Wie schätzen Sie denn die momentane Stimmung bei den Fans bezüglich des neuen Stadions ein?
"Ich denke, sie freuen sich auf das neue Stadion. Und das soll ja auch so sein. Die Offenbacher haben lange dafür gekämpft, das ist längst überfällig. Auch wenn der alte Bieberer Berg Kultstatus hat – damit kommt man nicht voran. Jeder normal denkende Mensch sollte da also Grund zur Freude haben."
Mit welcher Taktik gehen Sie jetzt in die nächsten Spiele?
"Wir müssen jetzt eine kleine Serie starten und gewinnen. Da gibt es keine zwei Meinungen. Und gegen uns spielt ohnehin keine Mannschaft auf Angriff. Alle haben immer Angst, in unsere Konter reinzulaufen und ausgespielt zu werden. Wir wollen in die Offensive gehen und unsere Gegner unter Druck setzen. Trotz der ganzen Ausfälle müssen daher wir auf Sieg spielen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Joe (Neuzugang José-Pierre Vunguidica, Anm. d. Red.) für Occéan spielen wird. Der Trumpf unserer direkten Konkurrenten wie Braunschweig zum Beispiel ist, dass sie im Gegensatz zu uns überhaupt keine verletzungs- oder krankheitsbedingten Ausfälle haben. Da müssen wir aber durch. Wir müssen einfach wieder in die Erfolgsspur zurückfinden."
Sie gelten als Trainer mit besonders guter Menschenkenntnis. Sie sagten einmal, Sie kämen gut an die Seele der Spieler heran. Was bedeutet das?
"Wenn man eine Mannschaft zusammenstellt, muss man auch Charaktere zusammenführen. Man muss mit den Spielern reden können, mit ihnen klarkommen. Eine meiner Stärken ist sicher, dass ich mich viel mit meinen Akteuren beschäftige und versuche, an sie heranzukommen. Das Trainer-Geschäft hat sich heutzutage stark verändert. Früher hat ein Trainer nie mit seinen Spielern gesprochen, man hat sie einfach mit ins Boot gezogen. Heute ist die Welt viel sensibler und feinfühliger, genau wie der einzelne Spieler. Man muss sie für neue Ideen begeistern, ihnen zuhören und sie vor allem motivieren können."
Was ist Ihre größte Schwäche?
"Absolute Ungeduld ist und war schon immer mein persönliches Manko. Mir geht es nie schnell genug. Vor allem wenn man das, was ich mir vorstelle, nicht genau umsetzt."
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Quelle: FUSSBALL.DE
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