27.07.2010, 21:51 Uhr | dfb.de
Ein Auftakt nach Maß: Nach dem 2:0-Heimsieg gegen Saarbrücken sind Kickers Offenbach dort, wo sie sich selbst gerne am Ende der Saison sehen - in der Spitzengruppe der Liga. Der Offenbacher Coach Wolfgang Wolf zeigte sich nach dem Spiel zufrieden. Im Interview äußerte sich Wolf über die Ansprüche von Mannschaft, Klub und Fans.
Herr Wolf, wie war Ihre Gefühlslage vor dem ersten Saisonspiel?
Wolfgang Wolf: Das kommt immer darauf an, wie die Vorbereitung läuft. Ich war mir sicher, dass die Jungs gut drauf sein würden. Ich habe mich richtig gefreut auf das erste Spiel. Die Spieler haben sich schnell als Mannschaft gefunden, sie haben hervorragend trainiert und mitgezogen. Deshalb machen sie mir im Moment richtig Freude. Neulich, als es so heiß war, haben sie bei einer Einheit am Morgen so viel Gas gegeben, dass ich ihnen gesagt habe: „Jungs, ihr wart so gut, dass ich euch am Mittag freigebe.“ Wichtig ist, dass jeder das gleiche Ziel vor Augen hat, dass der Respekt untereinander gegeben ist. Ich habe darum zum ersten Mal einen Kapitän wählen lassen.
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Haben sich diese Eindrücke auch in den Vorbereitungsspielen verstärkt?
Ja, die Ergebnisse in solchen Spielen sind zweitrangig. Aber die Mannschaft wächst im Grunde von Tag zu Tag zusammen. Man darf nicht vergessen, dass wir mehr als ein Dutzend Zugänge zu integrieren haben. Wir sind auf einem guten Weg.
Wobei ein Aufsteiger als Auftaktgegner nicht gerade dankbar ist.
Das sehe ich auch so. Saarbrücken hatte in der Vorbereitung kein Spiel verloren. Und wir standen unter dem Druck, gewinnen zu müssen. Das war nicht einfach.
Wie groß war dann die Erleichterung, das Spiel mit 2:0 gewonnen zu haben?
Ich war zufrieden, wir haben so angefangen, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir wollten aufpassen, dass wir nicht in Konter laufen, das ist uns gelungen. Es waren einige gute Spielszenen dabei - aber auch einige Sachen, die wir besprechen müssen.
Was genau hat Ihnen denn gefallen - und was nicht?
Einige Spielzüge und wie wir dabei das Mittelfeld überbrückt haben, haben mir gefallen. Auch das Zweikampfverhalten und die Körpersprache waren gut. Dass wir zu Beginn der zweiten Halbzeit und nach dem 2:0 einen Gang zurückgeschaltet haben, fand ich weniger gut.
Gerade das Auftreten der jungen Spieler wie Stadel, Telch oder Damahou dürfte Ihnen aber sich auch gefallen haben.
Ja, klar. Christian Telch hat Alexander Huber nach dessen schwerer Verletzung eins-zu-eins ersetzt. Auch Marcel Stadel hat seine Sache sehr souverän gemacht, und mit Joel Damahou hatten sicher auch nicht alle gerechnet. Aber ich hatte keine Bauchschmerzen, sie aufzustellen. Sie sind jung, aber sie bringen auch Qualität mit. Deshalb hat mich ihr Auftreten auch nicht überrascht. Sie haben in der Vorbereitung im Zusammenspiel mit den erfahrenen Leuten einen großen Sprung gemacht, sich richtig gesteigert.
Wer soll diese neuen, jungen Spieler führen?
Davon haben wir einige im Kader: Torwart Robert Wulnikowski, Kapitän Marko Kopilas, Markus Husterer, Sead Mehic, Steffen Haas zum Beispiel. Auch Olivier Occean wird in diese Rolle hineinwachsen.
Der ist Kanadier und gerade erst aus der ersten Liga Norwegens gekommen, aber ganz offensichtlich schon auf dem Weg zum Publikumsliebling am Bieberer Berg.
Für mich zählt vor allem die Mannschaft, aber es ist doch schön für Olli. Er muss sich in neuen Gefilden erst zurechtfinden, da hilft es ihm, wenn er bei den Fans sofort ankommt. Wenn man sieht, wie er bei uns auftritt, wie er strahlt, dann merkt man, dass er es nicht bereut, einen Schritt zurückzumachen, um einen nach vorne zu kommen.
Gegen Saarbrücken saßen erfahrene Spieler wie Husterer, Mehic oder da Costa auf der Bank. Kann auch dies ein Trumpf für den OFC sein?
Wir sind in der Breite deutlich besser aufgestellt als in der vergangenen Saison. Natürlich kann das ein Vorteil sein, wenn die Konkurrenz im Kader da ist. Husterer und Mehic hatten zwei Wochen Trainingsrückstand, auch da Costa war verletzt, deshalb fehlte ihnen noch ein bisschen. Vielleicht sieht die Aufstellung in ein paar Spielen schon etwas anders aus. Klar ist: Keiner wird etwas geschenkt bekommen, denn wir sind gut aufgestellt.
Fast 10.000 Zuschauer beim ersten Spiel im Stadion, Liveübertragung im Fernsehen - die Lust auf die neue Saison scheint groß zu sein in Offenbach.
Wolf: Ja, aber Lust auf Fußball macht letzten Endes nur die Mannschaft. Darum war es wichtig, dass wir ein Signal an die Fans gesendet haben. Wir müssen den Willen und die Einsatzbereitschaft auf dem Platz herüberbringen. Dann kommen die Leute auch wieder, weil wir ihnen Lust auf Mehr gemacht haben.
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