21.08.2011, 21:31 Uhr
Aus Frankfurt berichtet Mark Weidenfeller
Benjamin Köhler war ein gefragter Mann nach dem ersten Frankfurter Stadtderby seit knapp 50 Jahren.Der 1,72 Meter kleine Mittelfeldspieler eilte von einem Fernseh-Interview zum nächsten, ehe er in einer Traube aus Journalisten der schreibenden Zunft verschwand. Es war nicht mehr viel zu sehen vom Doppeltorschützen. Ab und zu konnte man seine Stimme hören, sein nackter Oberkörper blitzte hier und da hervor, ansonsten blieb er unsichtbar. Ganz anders als im Spiel seiner Eintracht gegen den FSV Frankfurt. Dort überzeugte Köhler auf neuer Position als hängende Spitze durch ständige Präsenz. "Die neue Aufgabe hat mir viel Spaß gemacht", sagte Köhler.
Dass das Spiel Köhler Spaß gemacht hatte, dürfte jedem der 50.250 Zuschauer in der nicht ganz ausverkauften Frankfurter Commerzbank-Arena aufgefallen sein. Die meisten Schüsse abgegeben, zwei Tore selbst erzielt (40. und 89.), beide mit dem schwachen rechten Fuß. Zuvor hatten Sebastian Rode (17.) und Theofanis Gekas mit einem zweifelhaften Elfmeter (31.) die Eintracht mit 2:0 in Front geschossen, ehe Köhler mit seinem Doppelpack für die Entscheidung im Duell der Frankfurter Vereine sorgte.
Das erste Frankfurter Stadtderby seit knapp 50 Jahren hatte überraschend nicht zu einem komplett ausverkauften Haus geführt. Und überhaupt: So richtige Derby-Stimmung wollte partout nicht aufkommen. "Das war heute ein normales Punktspiel für mich, kein Derby", sagte Köhler. Dann lieferte er auch gleich noch die Erklärung, warum das direkte Stadtduell im letzten halben Jahrhundert niemand so wirklich vermisst hat: "Wenn wir gegen Offenbach spielen, brennt hier die Luft. Das war heute nicht ansatzweise zu spüren."
Der FSV hatte auf den Vorteil des Heimrechts verzichtet, um mehr Eintrittskarten verkaufen und die klamme Vereinskasse aufbessern zu können. Somit wurde die Partie für Eintracht Frankfurt auf dem Papier zum Auswärtsspiel im eigenen Stadion. Die Realität sah aber anders aus. "Für mich war das heute ein Heimspiel, unsere Fans waren numerisch klar im Vorteil", sagte Ümit Korkmaz. Oka Nikolov sah das genauso: "Das hier ist unser Stadion, hier sind wir zu Hause. Es war ein ganz normales Heimspiel."
So normal, dass die Fans der Eintracht in ihrem Heimbereich stehen durften und die Mannschaft des FSV wie selbstverständlich auf der Gäste-Bank Platz nahm. Anders war nur das Ende. Die Eintracht gewann in der letztjährigen Rückrunde genau ein Heimspiel, am 19. März gegen Mitabsteiger St. Pauli. Seitdem gab es in den eigenen vier Wänden sechs sieglose Partien.
Die Eintracht brauchte also ein Auswärtsspiel, um den Heimkomplex zu überwinden. Und daran hatte Köhler einen erheblich Anteil. Dieser setzte sich, nachdem er es aus der Journalisten-Menge hinaus geschafft hatte, übrigens direkt in sein Auto und fuhr nach Hause. Es dürfte die kürzeste Heimfahrt seiner Profi-Karriere nach einem Auswärtsspiel geworden sein.
Quelle: FUSSBALL.DE
Fans sollen über weiteres Vorgehen entscheiden.
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