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Der Ruhrpott erobert Europa

29.10.2012, 10:44 Uhr | FUSSBALL.DE

Ruhrpott-Extase in der Königsklasse. (Quelle: imago)

Ruhrpott-Extase in der Königsklasse. (Quelle: imago)

Eine Kolumne von Johnny Giovanni

Natürlich sehen die Fans lieber eine Gala – 3:0, 4:0, 5:0. Aber den Spielern verleiht wenig so viel Befriedigung wie ein „dreckiger Arbeitssieg“. So nannte Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes das 1:0 am Samstag gegen Nürnberg, und als er das sagte, strahlte er: Den Spielern verrät so ein rumpeliger Erfolg oft mehr über sich als ein grandios herauskombiniertes Schützenfest.

Trotzdem zu gewinnen, wenn nicht alles von alleine läuft, sich nicht nervös machen zu lassen, der eigenen Stärke und damit dem Happy End zu vertrauen – so charakterisieren sich Spitzenteams.

Die Schalker sind auf bestem Weg, sich als ein solches bezeichnen lassen zu können. Nicht nur national, wo sie den besten Saisonstart seit 41 Jahren hingelegt haben. Auch international. Nach ihrem 2:0 in London und dem parallelen 2:1 von Borussia Dortmund gegen Real Madrid flirtet der deutsche Klubfußball heftig wie lange nicht mit der Idee, auch auf höchstem europäischen Niveau mit mehr als nur dem ewigen FC Bayern konkurrenzfähig zu sein. Eben auch mit den beiden großen Ruhrpottklubs.

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Wer kann mit Bayern mithalten?

In Spanien gibt es Madrid und Barcelona, in Italien dominieren zumeist Juventus, Inter und Milan, in England waren es jahrelang die "Big Four" aus Manchester United, Arsenal, Chelsea und Liverpool – nur die Bundesliga hat in den vergangenen Jahrzehnten keine feste Kernelite herausgebildet. Es gab die Bayern und es gab flüchtige Nebenbuhler, von denen das Dortmund der 1990er Jahre noch der weitaus hartnäckigste war.

Im größten Jahr der Ruhrgebietsfußballs gewannen 1997 die Borussen die Champions League und die Schalker den UEFA-Cup. Aber gegenüber der Wirtschaftsgroßmacht München, den subventionieren Werksklubs wie Leverkusen oder Wolfsburg und den seriösen Kaufleuten von Werder Bremen hatten die beiden Kohlenpottvereine einen entscheidenden Nachteil.

Die Leidenschaft als Kapital

Das heißt, erst mal ist es natürlich ein Vorteil, ein größeres Herz für den Fußball zu haben, das Spiel mit ungleich mehr Leidenschaft zu leben als irgendwo sonst in der Republik. Aber so ein Herz kann eben manchmal auch viel zu schnell schlagen. Dann führt die Sehnsucht nach großem Fußball zu einer irrationalen Ausgabenpolitik und größenwahnsinnigen Visionen.

Dortmund hat diese Epoche vor einigen Jahren überwunden, fährt jetzt nur noch das positive Erbe der Expansion der 1990er Jahre ein und verfügt über Deutschlands jüngstes, spannendstes und erfolgreichstes Spitzenteam. Dass dieses seine Klasse auch auf Europas Spielfeldern zeigen würde, war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Dank etwas mehr Erfahrung und Wettkampfhärte werden die Champions-League-Spiele, die voriges Jahr noch knapp verloren gingen, nun eben knapp gewonnen. Es ist nicht vermessen, den BVB, Dauersieger gegen die Bayern und nun auch Bezwinger von Real Madrid, mindestens zum erweiterten Favoritenkreis des Turniers zu zählen.

Von Schalke würde das kaum jemand behaupten. Andererseits stand es vor gerade mal anderthalb Jahren noch im Champions-League-Halbfinale – nach einem historischen Schützenfest gegen Titelverteidiger und Bayern-Bezwinger Inter Mailand. Man neigt an dieser Stelle zum Vergessen und Verdrängen, weil das Aus gegen Manchester United dann so deutlich war. Aber das ändert nicht alles an dem Wert der Gesamtleistung.

Deutsches Dreigespann

Bekommen wir jetzt also die deutschen "Big Three"? Drei Mannschaften, die in Europa um den Titel spielen und daneben die nationale Meisterschaft unter sich ausmachen? Erfüllt sich jetzt, was sich damals, 1997, nur andeutete und wegen der desaströsen Wirtschaftspolitik der Ruhrgebietsklub nie eintrat? Sowieso handelt es sich bei Bayern, Dortmund und Schalke schon lange um die populärsten deutschen Klubs.

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Vielleicht ist es fürs erste dennoch angebrachter, die drei deutschen Premium-Klubs ein wenig zu staffeln – in Kategorie 1a, 1b und 1c. So mögen die Dortmunder zwar in den letzten beiden Saisons auf Augenhöhe und darüber mit den Bayern gespielt haben, angesichts eines nur gut halb so hohen Umsatzes und einer noch deutlicheren Lücke in den Gehaltsvolumen wird sich das jedoch kaum beliebig reproduzieren lassen.

Noch viel weiter zurück hinkt Schalke – die Gelsenkirchener haben weiterhin rund 200 Millionen Euro Schulden. Wie fragil ihr Aufschwung ist, zeigt sich außerdem darin, dass zwei der wichtigsten Stützen am Saisonende möglicherweise schon wieder weg sind: Klaas-Jan Huntelaar hat seinen auslaufenden Vertrag immer noch nicht verlängert, Ibrahim Affelay ist nur ausgeliehen vom FC Barcelona. Angesichts der leeren Kassen wird Schalke auch fortan wohl noch manchen Star so hilflos ziehen lassen müssen wie vor gut einem Jahr die vermeintliche Vereinsikone Manuel Neuer.

Angesichts dieser Umstände manövrieren sich die Schalker in den letzten Jahren hervorragend durch die Liga. Mit Dortmund oder erst recht den Bayern können sie sich allerdings nicht vergleichen – es ist kaum vorstellbar, dass sie fortan regelmäßig um die Meisterschaft spielen werden. Insofern bietet sich dieses Jahr eine historische Chance, denn das Gute ist ja: Zumindest bis zum Saisonende bleibt ihre momentan so erfolgreiche Mannschaft erst einmal zusammen.


Quelle: FUSSBALL.DE

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