fussball.de
powered by
Bundesliga bei t-online.deDFBnet

...

"Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut"

25.04.2013, 12:00 Uhr | FUSSBALL.DE

Lewis Holtby lebt in London und spielt bei Tottenham Hotspur in der Premier League.  (Quelle: imago)

Lewis Holtby lebt in London und spielt bei Tottenham Hotspur in der Premier League. (Quelle: imago)

Das Interview führte Mark Weidenfeller

Lewis Holtby ist ein gefragter Mann. Seit seinem Wechsel von Schalke 04 zu Tottenham Hotspur in die englische Premier League lebt der Nationalspieler in London seinen Traum und lässt die Fußballwelt gerne und bereitwillig daran teilhaben. Zum Interview im Herzen Londons erscheint der 22-Jährige bestens gelaunt und mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Kein Wunder: Denn am Tag zuvor hat Holtby in einem grandiosen Spiel gegen Manchester City mitgeholfen, einen 0:1-Rückstand in einen 3:1-Sieg zu drehen. Dementsprechend euphorisch spricht er nun über das große Ziel Champions League, frenetische Zuschauer und versucht, den Unterschied zwischen Deutschland und England zu erklären. 

FUSSBALL.DE: Momentan laufen die Halbfinals in der Champions League. Können Sie sich erklären, warum keine englische Mannschaft dabei ist?
Lewis Holtby: Meiner Meinung haben sich in dieser Saison einfach die vier besten und attraktivsten Teams durchgesetzt. Gerade die deutschen Mannschaften Borussia Dortmund und Bayern München werden hier schon lange als Favoriten auf den Titel gehandelt, die stehen vollkommen verdient im Halbfinale. Man merkt überall in England, dass der Respekt vor der Bundesliga immer größer wird. Das ist wiederum aber auch ein Warnzeichen für uns. Ich glaube, dass es hier im Sommer auf dem Transfermarkt mächtig abgehen wird und die Premier League wieder zu Spanien und Deutschland aufschließt.

Muss der englische Fußball sich etwas abschauen von der Bundesliga, um wieder zu alter Stärke zu finden?
Der Spielstil der deutschen und spanischen Teams - vor allem der von den Bayern - ist momentan sicherlich das Nonplusultra. Hier in England gibt es das System des schnellen One-Touch-Fußballs fast gar nicht. Die Mannschaften verteidigen sehr tief, meistens sogar direkt vor dem Sechzehner. Deswegen wird hier oft der Ball von einem Spieler durchs Mittelfeld getragen - und dann wird geschaut, was man macht gegen die zwei Viererketten, die da stehen. Ich habe früher gelernt, dass Fußball am besten mit zwei Kontakten gespielt wird. Warum das hier anders ist, verstehe ich ehrlich gesagt auch nicht.

Gibt es noch andere entscheidende Unterschiede zwischen der Bundesliga und der Premier League?
Generell ist das Spiel kraftraubender. Da das Mittelfeld einfach viel schneller überbrückt wird, geht es oft 90 Minuten lang in vollem Tempo hin und her. Die einzige Zeit zum Verschnaufen gibt es, wenn der Ball mal auf die Tribüne fliegt. In der Premier League gibt es pro Spiel nur einen Spielball, deswegen sind die Unterbrechungen vor Einwürfen oder Eckbällen länger als in Deutschland. Ich freue mich da richtig, wenn ich mal tief durchatmen kann. 

Wie ist das mit der berühmten englischen Härte - gibt es die wirklich?
Das ist so eine Sache für sich. Ich habe hier bereits zwei Gelbe Karten gesehen für Zweikämpfe, die in der Bundesliga vermutlich kein Schiedsrichter abgepfiffen hätte. In der nächsten Aktion wurde ich dann mit einer zweibeinigen Grätsche umgesäbelt und die Partie lief einfach weiter. Das ist die Ironie des Spiels hier. Oder die Ironie des Deutschen in der Premier League. (lacht)

Wie empfinden Sie diese unglaubliche Nähe der Zuschauer zum Spielfeld? Nervt das nicht ungemein, wenn die Fans einem direkt ins Ohr brüllen können?
Nein, ganz im Gegenteil. Ich finde das geil. Egal, ob die mich feiern oder beleidigen - das gibt mir unheimlich Kraft. Wenn ich auf dem Platz einem Spieler hinterherjage und ich merke, dass die Zuschauer das honorieren und mitgehen, bekomme ich die zweite Luft und gebe noch einmal mehr. Die Zuschauer jubeln hier fast wie bei einem Tor, wenn ein Ball gewonnen wird. Ich bekomme immer noch richtige Gänsehaut, ich liebe diesen Kontakt mit den Fans.

Ein Spieler, der momentan extrem hochgelobt wird, ist Gareth Bale. Ist er ein Typ für die ganz großen Vereine wie Real Madrid oder Bayern München?
Bale hat auf jeden Fall das Potenzial, der nächste Ronaldo zu werden. Der Junge ist ein absoluter Kracher, ein Riesen-Kicker. Er geht immer absolutes Risiko und versucht aus allen Lagen Tore zu schießen. Ich stehe oft auf dem Platz und denke, was macht der denn jetzt schon wieder?! Von zehn Aktionen gehen zwar auch mal sieben daneben, aber dann greift er halt dreimal in die ganz große Trickkiste und entscheidet das Spiel. Im Endeffekt wird der Mutige belohnt - und dieser Mutige ist bei uns Bale.

Damit ein Spieler wie Bale in Tottenham bleibt, wäre es sicher wichtig, sich für die Champions League zu qualifizieren.
Das ist richtig. Aber ich glaube fest daran und bin absolut überzeugt, dass wir das schaffen. Ich will unbedingt in die Champions League, unser Ziel ist Platz vier. Um das zu erreichen, müssen wir unter anderem den FC Chelsea hinter uns lassen. Eins unserer nächsten Spiele an der Stamford Bridge steigt gegen die Blues. Das wird ein Derby mit Pokalfinal-Charakter, in dem es um die Champions League geht. Solche Spiele machen den Fußball aus, das wollen die Fans sehen. Und solche Partien will man als Spieler erleben. Ich freue mich jetzt schon darauf.

Brauchen Sie die Champions League auch persönlich, um sich auf der großen internationalen Bühne für die WM 2014 empfehlen zu können? Haben Sie Angst aus dem Fokus zu rücken, falls die Qualifikation nicht klappt?
Diese Angst habe ich nicht. Neben mir spielen ja mit Per Mertesacker und Lukas Podolski noch zwei weitere Nationalspieler in London, mit André Schürrle kommt vielleicht bald noch ein weiterer hinzu. Da lohnt es sich dann auch für Joachim Löw mal, sich ein Premier-League-Spiel anzugucken. Zudem war unser Co-Trainer Steffen Freund früher U-17-Trainer beim DFB. Der Kontakt ist also immer da, und ich habe auch vor meinem Wechsel nach England lange mit dem Bundestrainer geredet. Er weiß also, wo ich bin. 

Man merkt insgesamt, dass der Trend wieder vermehrt dahin geht, den Schritt ins Ausland zu wagen. Ist das positiv für den deutschen Fußball?
In erster Linie ist es gut für die Spieler, die diesen Schritt wagen. Im Ausland zu wohnen, eine neue Kultur kennenzulernen, und einfach mal aus dieser Wohlfühl-Oase der Heimat auszubrechen, ist vor allem für die Persönlichkeitsentwicklung Gold wert. Ich bin überzeugt, dass sich das auch positiv auf die sportliche Leistung auswirkt. Das letzte Mal, dass so viele deutsche Nationalspieler im Ausland gespielt haben, war wohl 1990. Und wie die WM in diesem Jahr ausgegangen ist, wissen wir wohl alle.

Obwohl sie schon A-Nationalspieler sind, spielen sie in diesem Juni bei der U-21-EM mit und führen die Mannschaft als Kapitän aufs Feld. Spieler wie Toni Kroos, Mario Götze oder Schürrle, die allesamt auch dort spielen könnten, werden zu dieser Zeit vermutlich am Strand liegen. Warum tun Sie sich dieses Turnier an?
Weil ich den Fußball liebe. Außerdem kann ich dort für mein Land spielen und einen Titel gewinnen. Es gibt nichts Schöneres. 

Quelle: FUSSBALL.DE

Leserbrief An die Redaktion
Inhalt versenden Versenden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Lewis Holtby im Interview: "Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut"" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Lewis Holtby im Interview: "Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut"" gefallen hat.

 
Neues Fußballbuch
Traumberuf Profi? "Das ist die Hölle"

Spieler, Eltern und Co. sprechen Klartext.

mehr
"Mia san dran"
Mit Lahm & Müller: Zwei waschechte Bayern

Die Stars plaudern aus dem Nähkästchen.

mehr
Top 5 aus Brasilien
Ex-Wolf d'Alessandro mit Traum-Freistoß

Der ehemalige Buli-Kicker trifft sehenswert.

mehr
Torvorlage
Kickerin überrascht mit spektakulärem Einwurf

Damit hat die gegnerische Abwehr nicht gerechnet.

mehr

Anzeigen
Anzeigen
Anzeigen

Aktuelle Videos

Top 5 aus Brasilien
Ex-Wolf d'Alessandro mit Traum-Freistoß

Der ehemalige Buli-Kicker trifft sehenswert.

mehr
Torvorlage
Kickerin überrascht mit spektakulärem Einwurf

Damit hat die gegnerische Abwehr nicht gerechnet.

mehr
 
Aktuelle Spiele
 
BL
 
2. BL
 
3.Liga
 
Pokal
 
CL
 
EL
 
ENG
 
ESP
 
TÜR
 
ITA
 
Halbfinale, 15.04. - 16.04.
Anzeige

Aktuelle News

Sensationswoche
Dortmund mit Kampf und klaren Worten ins Finale

Gündogans neuer Vertrag und ein lebendiger Traum.

mehr
FCK-Trainer Runjaic
"Nicht nur nach München, um Trikots zu tauschen"

Die Lauterer versuchen Zuversicht auszustrahlen.

mehr
Wechselverbot
Machtwort von Sammer: Mandzukic bleibt

"Es braucht keiner anzuklopfen", sagt Sammer.

mehr



Anzeige