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Marteria: Früher Abwehrspieler, heute Chartstürmer

21.11.2012, 20:26 Uhr | FUSSBALL.DE

Marten Laciny (Quelle: dpa)

Marten Laciny hat mit 29 Jahren bereits eine bewegte Karriere hinter sich. (Quelle: dpa)

Das Interview führte Sven Winterschladen
Von null auf eins in den deutschen Charts. Marteria ist mit seinem Superhit "Lila Wolken" derzeit einer der angesagtesten Musiker. Seine Lieder laufen im Radio rauf und runter. Was viele nicht wissen: Der Rapper war lange Fußball-Juniorennationalspieler und galt als eines der größten Talente in Deutschland. Als Rechtsverteidiger war der heute 29-Jährige von der U 15 bis zur U 17 Stammkraft in den Auswahlteams des DFB.

Marten Laciny, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, stammt aus Rostock. Sein Herz gehört dem FC Hansa. "Liebe kennt keine Liga. Ich liebe meine Heimat, meine Stadt, meinen Verein - ich liebe Fußball." Warum er trotzdem mit 17 Jahren von heute auf morgen mit Fußball aufgehört hat? Das und noch mehr verrät er im Interview.

FUSSBALL.DE Herr Laciny, fühlen Sie sich privilegiert dadurch, dass Sie schon all das machen durften, wovon viele Jugendliche träumen? Sie waren Fußballprofi, haben in New York gemodelt, sind Rapper, haben die Schauspielschule besucht.
Marten Laciny: Ja, als Außenstehender kann man das so sehen. Aber ich hatte in dieser Zeit auch viele Probleme. Es war wahnsinnig teuer, in New York zu leben. Manchmal wusste ich nicht, wie ich das Essen am nächsten Tag finanzieren sollte. Ich musste viel Geld verdienen, hatte dort keine Freunde, fast täglich Heimweh. Das war keine einfache Zeit. Ich habe mich sehr oft nach etwas Bodenständigem und Normalem gesehnt, sehr oft wollte ich einfach nur irgendwo mit meinen Kumpels kicken.

Spielen Sie heute wieder regelmäßiger Fußball?
Ja, sonntags treffen wir uns mit einigen Musikerkollegen in einer Halle in Berlin und kicken ein bisschen. Peter Fox zum Beispiel und noch ein paar andere Mitglieder von Seeed sind dabei.

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Sie sind mittlerweile 29 Jahre alt. Können Sie sich vorstellen, dass Sie jetzt in der A-Nationalmannschaft als Rechtsverteidiger spielen würden, wenn Sie Ihre Karriere damals fortgesetzt hätten?
Natürlich, davon bin ich überzeugt. Rechtsverteidiger war die perfekte Position für mich. Philipp Lahm müsste dann eben wieder nach links ausweichen. Nein, Spaß beiseite. Viele haben mir einen Weg bis in die Nationalmannschaft prophezeit. Ich hatte ja fast alle Nachwuchsteams des DFB durchlaufen, und bei Hansa war ich eigentlich immer Kapitän. Wir haben damals zum Beispiel gegen Arsenal London und Manchester United gewonnen. Aber es gibt so viele Unwägbarkeiten. Wer weiß schon, was gekommen wäre? Es gab schon so viele riesige Talente, die es dann doch nicht gepackt haben - vielleicht aus Verletzungsgründen, vielleicht sind sie in ihrer Entwicklung auch einfach stagniert.

Wie beurteilen Sie die Situation bei Ihrem FC Hansa?
Wir schauen als Rostocker immer nach oben. Mein Motto lautet in diesem Fall: Wahre Liebe kennt keine Liga. Ich liebe diesen Verein, und da ist es auch egal, wo er gerade steht. Ich habe so viele tolle Sachen, wunderbare Momente, schlechte Augenblicke mit Hansa erlebt. Das gehört alles dazu. Ich bin gerne Fan von einem echten Verein, mit all seinen Problemen. Das ist meine Liebe, meine Heimat, mein Verein.

Was ist Ihnen aus Ihrer aktiven Zeit besonders in Erinnerung geblieben?
Ein Höhepunkt für mich war sicherlich das Erreichen des Halbfinales um die Deutsche Jugendmeisterschaft als krasser Außenseiter. Wir haben mit Rostock unglücklich gegen Borussia Dortmund verloren. Es hatte uns keiner zugetraut, überhaupt so weit zu kommen. Für mich persönlich war es noch aus einem anderen Grund toll. Ich weiß es noch ganz genau. Es war im Stadion "Rote Erde" in Dortmund. Ich habe fünf Gegner ausgespielt, teilweise mit Beinschuss, dann habe ich mit dem Außenrist in die Mitte geflankt, dort hat unser Stürmer Marco Vorbeck verwandelt. Meine Aktion war direkt an der Eckfahne. Zwei Meter entfernt stand Klaus Sammer als DFB-Beobachter. Das hat natürlich Eindruck gemacht.

Wann haben Sie sich entschieden, doch nicht Fußballprofi werden zu wollen?
Bis 1999 ging es für mich ausschließlich darum, Fußballprofi zu werden. Ich bin sicher, ich hätte das auch geschafft. Als Rechtsverteidiger hatte ich meine perfekte Position gefunden. Ich war stark in der Defensive und hatte pro Spiel immer einige gefährliche Vorstöße. Alles war darauf ausgerichtet, dass ich den Sprung in die Bundesliga packe. Aber je älter ich wurde, desto geringer ist das Verlangen geworden. Mit 16 oder 17 Jahren haben sich bei mir die Interessen einfach verschoben. Die Welt war so groß für mich, ich wollte andere Dinge erleben. Und das hat dann gewonnen.

Was hat endgültig den Ausschlag gegeben?
Mit 17 Jahren habe ich meine Schwester in New York besucht. Ich war gerade ein paar Minuten in der Stadt unterwegs, als mich ein Modelscout angesprochen hat. Man hat mir praktisch sofort einen Vertrag angeboten. Aus den Rostocker Plattenbauten auf die Laufstege der Welt - konnte ich das ablehnen? Natürlich nicht. Das hätte ich mir mein Leben lang vorgeworfen. Ich habe meinen Traum vom Fußballprofi für den Traum vom Modeln aufgegeben.

Bereuen Sie den Schritt weg vom Fußball heute?
Zwischendurch war ich sehr skeptisch, ob ich nicht womöglich einen Fehler gemacht habe. Beim Modeln ist man nur eine Marionette, Emotionen gibt es da nicht. Ich habe mich einige Male dafür verflucht, dass ich aus einer Schnapslaune herauf einfach abgehauen bin. Ich habe mein Leben lang Fußball gespielt. Nach einem Jahr bin ich zurück nach Rostock und dann nach Berlin auf eine Schauspielschule gegangen. Heute bin ich davon überzeugt, dass ich alles richtig gemacht habe. Fußballer ist ein toller Beruf, ich liebe diesen Sport. Aber jetzt bin ich Musiker, das ist meine Leidenschaft. Ich habe großartige Freunde in diesem Bereich gefunden. Jetzt ist alles super, aber das war mich Sicherheit nicht immer so.

Wie war der endgültige Abschied vom Fußball?
Das war kein schöner Tag. Ich war ja noch nicht volljährig und bin mit meiner Mutter zu den Hansa-Verantwortlichen gegangen. Wir haben meinen Vertrag aufgelöst, das hat sich wie ein Abschluss angefühlt. Ich war mein ganzes Leben bei diesem Verein, es war meine zweite Familie. Es sind einige Tränen geflossen, besonders bei meiner Mutter. Aber ich habe mich auch auf den kommenden Schritt gefreut - New York stand als nächstes auf dem Programm. Das war für mich eine völlig andere Welt, so etwas kannte ich nicht.

Wie war das Modeln?
Nach drei Tagen war mir klar, dass das überhaupt nicht mein Ding ist. Man hat mir vorher gesagt, dass ich in kürzester Zeit viel Geld verdienen kann. In meinem Alter hat mich das beeindruckt. Trotzdem war es eine großartige Lebenserfahrung. Ich habe Partys gefeiert und die Welt kennengelernt. Mailand, Paris, Rom, New York - und das als Rostocker Junge.

Dann kam die Musik. Haben Sie geahnt, dass "Lila Wolken" direkt auf Platz eins der deutschen Charts einsteigen könnte?
Dass das Lied so krass abgehen würde, war nicht abzusehen. Dass es Hitpotenzial hat, war mir schon klar. So etwas spürt man als Musiker. "Lila Wolken" ist eher ein Festivalsong, ich habe es damals auch während einer großen Veranstaltung geschrieben. Man muss die Gefühle der Leute treffen, dann kann man viel erreichen. Ich habe ja auch mit den Toten Hosen den Song "An Tagen wie diesen..." geschrieben. Auch da war mir sofort klar, dass das abgehen wird. Aber ich produziere Musik nicht zwingend, um einen Hit zu landen. Das ist wichtig und gehört dazu. Aber ich mache vieles auch einfach, weil es mir Bock macht.

Quelle: FUSSBALL.DE

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 (Quelle: abc)