22.02.2012, 11:39 Uhr
Bundestrainer Joachim Löw. (Quelle: imago)
Aus Berlin berichtet Patrick Brandenburg
Die Zeit für Wow-Effekte im DFB-Team ist vorbei. Der Bundestrainer geht mit den üblichen Verdächtigen ins Prestigeduell gegen Frankreich und verzichtet im letzten Test vor Bekanntgabe des EM-Kaders im Mai auf atemberaubende Experimente. Wenn die Nationalmannschaft am kommenden Mittwoch in Bremen auf den Weltmeister von 1998 trifft und das "Jahr der großen Chance" einläutet, wird Joachim Löw bereits einen Großteil seines künftigen EM-Kaders um sich wissen, obwohl vier zentrale Figuren verletzt ausfallen.
"Wir sind auf allen Positionen gut besetzt und haben 25 bis 30 Spieler in unseren Köpfen. Daraus wird sich der Kreis zusammensetzen", hatte der 51-Jährige angedeutet bevor er nun auf dem Medienworkshop des DFB in Berlin 22 Kandidaten für den Test offiziell benannte. (Zum Durchklicken: Der Kader für das Frankreich-Spiel)
Keine Neulinge: Gegen Frankreich sollen am 29. Februar bewährte Kräfte zum Einsatz kommen. zum Video
Genau 107 Tage vor dem Anpfiff des ersten EM-Gruppenspiels gegen Portugal setzt Löw auf die Bender-Zwillinge - Sven von Meister Borussia Dortmund und Lars von Bayer Leverkusen - und verstärkt so das Mittelfeld. Weil es kein Doppelspieltag ist, nominierte er zudem nur zwei Torhüter: Manuel Neuer vom FC Bayern und den Bremer Tim Wiese. Ob der Werder-Keeper sein "Heimspiel" im Weserstadion bekommt ist allerdings noch offen. "Diese Entscheidung werden wir erst Anfang kommender Woche treffen", so Löw.
Aufgrund von Verletzungen fehlt dem Bundestrainer im Prestigeduell gegen Frankreich gleich eine ganze Reihe großer Namen. So ist Münchens Bastian Schweinsteiger nach seinem Außenbandriss im Sprunggelenk ebenso wenig fit wie Dortmunds Mario Götze. Der Shooting-Star kuriert weiterhin seine Schambeinentzündung aus. Lukas Podolski wird erst in der kommenden Woche wieder ins normale Training einsteigen. In der Abwehr fehlt Routinier Per Mertesacker, der frisch am Knöchel operiert gerade mit der Reha begonnen hat. Die EM-Teilnahme des Hünen von Arsenal London ist aber wohl nicht in Gefahr.
Seinem Abwehrchef der vergangenen beiden Großturniere wird der Bundestrainer vermutlich einen Bonus einräumen und ähnlich lange auf ihn warten, wie schon auf Christoph Metzelder, der die EM 2008 fast ohne Spielpraxis anging. "Wir gehen davon aus, dass Mertesacker es bis zur EM schafft", sagte Löw. Ebenfalls einen Stein im Brett hat offensichtlich Stuttgarts Stürmer Cacau. Zwar ist "Helmut" nicht angeschlagen, aber seit Monaten läuft der gebürtige Brasilianer beim VfB Stuttgart seiner Form hinterher. "Cacau hat vielleicht ein paar Probleme in seinem Klub. Aber in der Nationalmannschaft hat er sich diese Chance verdient", erläuterte der Bundestrainer. Es wäre nicht das erste Mal, sollte ein in die Kritik geratener Spieler wie Cacau die Wohlfühloase Nationalelf dazu nutzen, sich aus der Krise zu schießen. Das könnte auch für Christian Träsch gelten, der beim VfL Wolfsburg zurzeit nur selten überzeugt, aber ebenfalls erneut dabei ist.
Aus dem fürs Frankreichspiel nominierten Kader und den zurzeit Verletzten wird Löw aller Voraussicht nach im Mai den EM-Kader zusammenstellen. Einen neuen Überraschungskandidaten der Marke David Odonkor dürfte es kaum geben. "Wer noch auf den Zug aufspringen will, hat es sehr schwer. Der müsste in den nächsten Wochen schon fantastisch spielen“, hatte der Bundestrainer verlauten lassen. Aber: "Die Tür ist noch nicht gänzlich zu.“ Zu den wenigen Spielern, die sich Hoffnungen machen dürfen, gehörte der Gladbacher Patrick Hermann, der aber - so Löw - auch ohne seine Verletzung noch nicht für die Partie in Bremen nominiert worden wäre. Darüber hinaus könnte Hermanns Teamkollege Mike Hanke noch im Blickfeld sein. Der Stürmer spielt mit den Fohlen eine großartige Saison und könnte den etwas dünn besetzten DFB-Angriff verstärken. Eine klitzekleine Außenseiterchance lässt sich auch dem Hannoveraner Christian Pander einräumen, der wie kein Zweiter in Deutschland Ecken und Freistöße schießt.
In den Klassiker gegen Frankreich geht Löw optimistisch, warnt aber vor zu hohen Erwartungen an seine Spieler: "Der Erwartungsdruck in Deutschland ist sehr hoch. Das liegt natürlich auch an unseren guten Resultaten. Es ist die Last der guten Tat, dass mit der gestiegenen Erwartungshaltung die Fallhöhe steigt. Aber unsere Spieler sind schwindelfrei." Für die EM ist der Bundestrainer optimistisch, wies aber auch darauf hin, dass noch eine Menge Arbeit auf seine Mannschaft wartet: "Wir gehen mit der Zielsetzung in das Turnier, unser hohes Niveau noch zu verbessern. Dazu müssen wir an vielen Kleinigkeiten arbeiten. Anschließend wollen wir mit einer gewissen Leichtigkeit in die schwere EM-Aufgabe gehen."
Quelle: FUSSBALL.DE
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