DFB-Präsident |07.03.2018|14:00

Grindel genießt Besuch beim FV 08 Hockenheim

Genießt solche Termine: DFB-Präsident Reinhard Grindel (M.) zu Gast beim FV 08 Hockenheim.[Foto: 2018 Getty Images]

Nah dran sein an der Basis und dabei zuhören und diskutieren: Das ist Reinhard Grindel besonders wichtig. Deutlich wurde dies auch am Dienstag beim Besuch des DFB-Präsidenten in Hockenheim. Mehr als drei Stunden lang war er dort zu Gast beim FV 08. Einen großen Aufschwung in der Nachwuchsabteilung erfährt der Traditionsclub aktuell nicht zuletzt dank des großen Engagements des Zweiten Vorsitzenden Matthias Filbert, der Grindel bei der Jubiläumsgala zum 20-jährigen Bestehen der Aktion Ehrenamt vergangenen September in Stuttgart kennengelernt und eingeladen hatte.

Während des Rundgangs übers Sportgelände des FV 08 Hockenheim schaute Grindel – unter anderem begleitet von Ronny Zimmermann, dem Präsidenten des Badischen Fußballverbandes – zunächst beim DFB-Mobil und dem Training der F-Junioren vorbei. Schnell wurden die ganz jungen Kicker warm mit dem Präsidenten und löcherten ihn auch mit eher unkonventionellen Fragen, welche dieser geduldig beantwortete.

„Was machen Sie den ganzen Tag so?“, wollte einer der Knirpse unbedingt wissen. „Das ist unterschiedlich“, startete der DFB-Präsident – und führte aus: „Momentan ist unsere Bewerbung für die Europameisterschaft 2024 in Deutschland ein großes Thema und wir befassen uns mit den Video-Assistenten der Bundesliga-Schiedsrichter. Ab und zu gehen wir auch Fußball gucken.“  Auf seine Frage nach ihren Lieblingsspielern nannten die F-Junioren mal Thomas Müller, mal Manuel Neuer oder Toni Kroos, aber auch Zlatan Ibrahimovic und Ronaldo. Auch Grindel selbst sollte seinen Star verraten und erinnerte mit Uwe Seeler an ein Idol aus seiner eigenen Kindheit.

Während die Hockenheimer F-Junioren am frühen Dienstagabend auf dem neuen Kleinfeld-Kunstrasen trainierten, mussten die B-Junioren auch gestern noch mit dem Hartplatz Vorlieb nehmen. Im nächsten Vierteljahr, so die Ankündigung des stellvertretenden Oberbürgermeisters Fritz Rösch, soll die Asche nun sattem (Natur-)Grün weichen. „Die passende Infrastruktur ist ganz wichtig, um die Fußballer dauerhaft begeistern zu können“, betonte Grindel. „Toll, dass ein DFB-Präsident mal bei uns vorbeischaut. Das ist schon eine super Sache“, zeigten sich die B-Junioren Leon und Roman begeistert vom prominenten Gast.

"Ich genieße solche Termine. Oft merkt man dann auch, dass die Welt in vielen Vereinen besser aussieht, als man mitunter glaubt"

Wie der FV 08 Hockenheim alleine binnen 2015 und 2017 die Anzahl seiner Jugendspieler von 170 auf 250 steigern konnte und sich weiterhin eines großen Zulaufs erfreut, wurde bei der Stippvisite auf den Trainingsplätzen und beim anschließenden Gespräch mit rund 30 Jugendtrainern des Vereins deutlich: Fast ausnahmslos lizenzierte Übungsleiter und noch dazu drei jungen Menschen, die ihre Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Verein absolvieren, sind hier tätig. „Die Kinder und Jugendlichen wissen genau, mit wem sie es zu tun haben und ob jemand Ahnung hat und motiviert ist oder nicht“, lobte der DFB-Präsident ausdrücklich die großen Bemühungen des FV 08 in Sachen Qualifizierung und zudem die hohen Anzahl an Kooperationen mit Ganztagsschulen, dank derer mittlerweile rund 500 Kinder und Jugendliche betreut werden. Angetan zeigte er sich zudem von der Flüchtlings-Integration und den internationalen Beziehungen ins lothringische Commercy – besonders B2-Trainer Markus Zickermann macht sich für den Kontakt zum französischen Verein stark.

Das Engagement des stellvertretenden Vorsitzenden Filbert und der gesamten Vorstandsmannschaft mit Clubchef Markus Roth an der Spitze und Thorsten Wagner als Jugendleiter nannte Grindel „sehr anerkennenswert und beispielhaft“.

In einer Diskussionsrunde mit 30 Vereinsvertretern und -funktionären aus den Fußballkreisen Mannheim, Heidelberg sowie Bruchsal stand Grindel bei einer breiten Palette von Fragen Rede und Antwort und diskutierte angeregt. Dabei kam auch die von einigen immer wieder monierte Übermacht des (Bezahl-)Fernsehens und der damit in Verbindung gebrachte Zuschauerschwund an der Basis zur Sprache. „Wir haben der Liga noch die Montagsspiele in der Bundesliga abgerungen. Die Alternative, sonntags um 13.30 Uhr zu spielen, hätte den Amateurvereinen stattdessen weh getan, obwohl diese Variante den Proficlubs wiederum noch mehr Geld aus dem Fernsehvertrag gekostet hat“, stellte Grindel klar. Auch mahnte er an, die immensen Geldsummen nicht nur im großen Fußball anzuprangern: „Wenn ein Landesligist Spielern Gelder zahlt und sich dabei übernimmt, ist das doch auch verrückt.“

Angesprochen auf die Bedeutung des neuen Koalitionsvertrages der Regierungsparteien CDU/CSU und SPD, machte Grindel einen vielversprechenden Ansatzpunkt im neuen Ministerium von Horst Seehofer aus, der unter anderem für den Sport und das Bauen verantwortlich sein wird. „Das könnte uns etwa beim Wunsch nach neuen Sportplätzen helfen“, so der DFB-Präsident.

Für ihn war der Besuch in Hockenheim alles andere als eine lästige Pflichtaufgabe, wie er abschließend betonte: „Ich genieße solche Termine. Oft merkt man dann auch, dass die Welt in vielen Vereinen besser aussieht, als man mitunter glaubt. Das ehrenamtliche Engagement ist vielerorts sehr groß. Vereine wie der FV 08 Hockenheim leisten großartige Arbeit.“

Zufrieden zeigte sich auch Matthias Filbert aus Sicht des FV 08 Hockenheim: „Dieser Tag gibt einem auch nochmal Inspiration und einen Schub für die weitere Arbeit im Verein. Es war eine rundum gelungene Veranstaltung, bei der unser DFB-Präsident gezeigt hat, dass ihm viel am Kontakt zur Basis gelegen ist."

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