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Flüchtling |21.02.2019|11:15

Awata: „Fußball ist meine Arbeit und Liebe“

Mohamad Awata über seine Zeit bei 1860 München: "Habe mich extrem wohlgefühlt."[Foto: imago/foto2press]

2016 kam Mohamad Awata (25) als syrischer Flüchtling nach Deutschland. Beim Drittligaaufsteiger TSV 1860 München wurde der Stürmer zum Publikumsliebling. Nach sechs Monaten bei Al-Jazeera in Jordanien ist er zurück in der Regionalliga Bayern. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht Awata über seinen neuen Verein SV Heimstetten.

FUSSBALL.DE: Nach nur einem halben Jahr bei Al-Jazeera Ammann in Jordanien sind Sie nach Deutschland zurückgekehrt, spielen ab sofort für den SV Heimstetten in der Regionalliga Bayern. Warum blieb es in Jordanien bei einem kurzen Intermezzo, Herr Awata?

Mohamad Awata: Al-Jazeera hat finanzielle Probleme, konnte deshalb vertragliche Abmachungen nicht einhalten und mich nicht mehr bezahlen. Gemeinsam mit anderen ausländischen Spielern, die ebenfalls kein Geld bekommen haben, habe ich bei der FIFA geklagt. Der Weltverband hat bereits bestätigt, dass uns das Geld zusteht. Noch läuft die Klage aber.

Kurz vor Ende der Transferfrist entschieden Sie sich nun für den SV Heimstetten als nächste Station. Weshalb?

"Ich hoffe, dass alles klappt und Deutschland meine Heimat wird."

Awata: Ich hatte in der Winterpause mehrere Möglichkeiten. Ursprünglich war geplant, dass ich nach Saudi Arabien wechsele. Das klappte aber nicht, weil ich mein Visum nicht rechtzeitig vor Ende der Transferfrist erhalten hätte. In Deutschland hatte ich Kontakt zu mehreren Vereinen. Auch der SC Hessen Dreieich aus der Regionalliga Südwest und Heimstettens Ligakonkurrenten FC Pipinsried und VfR Garching waren an mir interessiert. Heimstetten ist es dann geworden, weil Fabio Sabbagh, mein ehemaliger Mannschaftskollege beim TSV 1860 München, mich bei Trainer Christoph Schmitt empfohlen hat. Der SVH war ohnehin auf der Suche nach einem Stürmer - quasi eine Win-win-Situation auf den letzten Drücker.

Heimstetten ist Tabellenletzter in der Bayern-Staffel. Wie lauten jetzt Ihre Ziele?

Awata: Ich bin ehrlich: Für mich geht es um die Existenz. Ich spiele Fußball, um Geld zu verdienen, meine Miete zu bezahlen und auch für meine Familie in Syrien etwas übrig zu haben. Mit meinem Verdienst in Heimstetten wird das nicht einfach. Deshalb werde ich mir vorübergehend einen Job suchen, den ich parallel zum Fußballspielen ausüben kann. Mein langfristiger Anspruch ist es aber, ausschließlich Fußball spielen zu können. Ich möchte für Heimstetten viele Tore erzielen, mit dem Team den Klassenverbleib schaffen und mich gleichzeitig für höhere Aufgaben empfehlen.

Sie streben also noch eine Profikarriere an?

Awata: Das ist mein großer Traum. Fußball ist gleichzeitig meine Arbeit und meine Liebe. Ich möchte in den nächsten Jahren nichts anderes machen. Mit Anfang 30 kann ich dann immer noch eine Ausbildung machen - als Fitnesstrainer zum Beispiel. Bis dahin brenne ich für den Fußball und gebe alles, um meinen Traum zu verwirklichen.

Ihre erste Station in Deutschland war der TSV 1860 München, für den Sie von Februar 2017 bis Sommer 2018 kickten. Wie sind Sie bei den Löwen gelandet?

Awata: Das ist eine etwas längere Geschichte. In den ersten Monaten nach meiner Flucht aus Syrien lebte ich in Stuttgart. Dort habe ich einen Freund, dessen Vater Syrer und ein Kumpel von meinem Onkel ist. Er hatte Kontakte zu 1860 München und vermittelte mir ein Probetraining. Ich wusste, dass das vielleicht eine einmalige Chance für mich war, und so trainierte ich auch. Glücklicherweise reichte es, um 1860-Trainer Daniel Bierofka zu überzeugen. Er sagte mir, dass ich ein sehr guter Spieler sei, meine Sachen packen und nach München kommen solle. Ich erhielt einen Vertrag und war plötzlich Löwe.

Sie spielten zunächst in der U 21, zur vergangenen Saison rückten sie dann in den Kader der ersten Mannschaft auf. Wie würden Sie rückblickend Ihre Zeit bei 1860 München beschreiben?

Awata: Es waren unglaubliche eineinhalb Jahre, in denen ich unzählige Freunde gewonnen und sehr viel gelernt habe. Zu ehemaligen Mitspielern wie Christian Köppel, Aaron Berzel oder auch Ex-Bundesligaprofi Timo Gebhart habe ich eine engere Beziehung aufgebaut. Sie haben mir immer bei allem geholfen, auch über den Fußball hinaus. Bei Christian würde ich sogar so weit gehen, dass ich sage, er ist wie ein Bruder für mich. Als Gegenleistung für ihre ständige Hilfe habe ich die Jungs dann hin und wieder zu mir nach Hause eingeladen und sie mit leckerem, arabischem Essen verwöhnt. (lacht)

Sie sagen, Sie haben viel gelernt. Sie sprechen bereits gutes Deutsch. Wie haben Sie das so schnell gelernt?

Awata: Danke, das bedeutet mir viel. Tatsächlich habe ich nur jeden Tag aufs Neue meinen Mannschaftskollegen zugehört und mir die Sprache dann selbst beigebracht.

Sie haben also bisher keinen Kurs belegt?

Awata: Nein. In der Kabine saß ich zwischen Sascha Mölders und Aaron Berzel. Beide haben so viel geredet, das war besser als jeder Deutsch-Kurs. (lacht) Anfangs war es sicher schwer für mich, mit den anderen Spielern zu kommunizieren und zu verstehen, was der Trainer von mir will. Das war dann so ein bisschen Kommunikation mit Händen und Füßen. Mit der Zeit wurde es dann aber immer besser und irgendwann konnte ich dann nachvollziehen, worüber Sascha und Aaron die ganze Zeit geredet haben und warum Daniel Bierofka hin und wieder mit mir geschimpft hat. (lacht)

Der abschließende Spieltag der zurückliegenden Aufstiegssaison sollte eine besondere Partie für Sie werden. Beim 4:1 bei der SpVgg Oberfranken Bayreuth erzielten Sie Ihr erstes Tor für die erste Mannschaft. Danach rissen Sie sich Ihr Trikot vom Körper, warfen es auf den Boden und beteten vor den 2500 mitgereisten 1860-Fans. Beschreiben Sie uns diesen Moment.

Awata: Das war der beste Moment in meinem Leben - und den wollte ich sowohl mit unseren Fans als auch mit meinem Gott teilen. Auf diesen Tag hatte ich lange hingearbeitet, deshalb war dieser Augenblick auch so emotional für mich. Vor diesem Spiel war ich monatelang nicht im Regionalligakader, sondern bei der U 21. Ich wusste aber, dass ich genug Qualität besitze, um in der 4. Liga zu spielen, und habe auf meine Chance gewartet - Woche für Woche. Dann war es endlich soweit und ich gehörte zum Aufgebot. Als ich dann in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, habe ich gefühlt um mein Leben gespielt. Neben meinem Tor habe ich ja auch noch zwei Treffer vorgelegt.

Nur wenige Wochen später endete Ihre Zeit in München allerdings - es ging nach Jordanien. Wie kam es dazu?

Awata: Nach dem Aufstieg in die 3. Liga gab es beim TSV 1860 einen Umbruch und viele Spieler erhielten keine neuen Verträge. Dazu gehörte auch ich. Das war extrem schade, weil ich mich in München extrem wohlgefühlt habe und bleiben wollte. So musste ich mir aber einen neuen Verein suchen - und das auf eigene Faust, weil ich zu diesem Zeitpunkt noch keinen Berater hatte. Mein ehemaliger Trainer in Syrien wollte mich zurückholen. Ich hatte auch Angebote aus Saudi-Arabien und dem Oman. Letztlich habe ich mich aber für die 1. Liga in Jordanien entschieden. Ich war der Meinung, dass dieser Schritt sportlich gesehen für mich richtig ist. Und das war er auch. Nur finanziell gab es eben die bereits angesprochenen Probleme.

Wollen Sie diesmal länger in Deutschland bleiben?

Awata: Auf jeden Fall. Ich habe noch eine Aufenthaltsgenehmigung bis 2020, die ich gerne bis 2022 verlängern würde. Dafür muss ich bald eine Arbeitsstelle finden und einen Deutschkurs machen. Ich hoffe, dass alles klappt und Deutschland meine Heimat wird.

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