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Neuer Coach |24.04.2019|12:00

Bönig: "Ich bin ein bayerischer Ruhrpottler"

Bundesliga, UEFA-Cup, "Team 2006", mit Benjamin Lauth (rechts) ungarischer Pokalsieger 2015 im Trikot von Ferencvaros, ab Sommer Trainer beim VfL Garching: Philipp Bönig.[Foto: imago/Aleksandar Djorovic]

Mit dem VfL Bochum spielte Philipp Bönig (39) im UEFA-Cup und gehörte zur deutschen Perspektiv-Nationalmannschaft „Team 2006“. Jetzt ist der frühere Linksverteidiger Trainer beim bayerischen Landesligisten BCF Wolfratshausen, im Sommer wechselt er zum VfR Garching aus der Regionalliga Bayern. Im FUSSBALL.DE-Interview spricht Bönig über die Trainerkarriere und das Berufsleben.

FUSSBALL.DE: Erst 2015 beendeten Sie Ihre Profikarriere, seit Sommer 2018 sind Sie Trainer des Sechstligisten BCF Wolfratshausen. Wie haben Sie die ersten Jahre nach Ihrer aktiven Zeit verbracht, Herr Bönig?

Philipp Bönig: Wo fange ich da bloß am besten an? (lacht) Zunächst einmal war gar nicht geplant, 2015 meine Karriere zu beenden. Ursprünglich wollte ich bei Ferencváros Budapest noch ein Jahr dranhängen, daraus wurde dann aber nichts. Zum Zeitpunkt meines letzten Spieles wusste ich gar nicht, dass keines mehr kommen wird. Von heute auf morgen war meine Profilaufbahn vorbei - so schnell geht das leider manchmal im Fußball-Geschäft.

Ein Wechsel zu einem anderen Verein war keine Option mehr?

"Ich bin selbst gespannt, wohin meine Reise als Trainer gehen wird"

Bönig: Doch, klar. Ich wollte eigentlich weiterspielen und habe mich ein paar Monate umgeschaut. Allerdings war ich bereits 35 Jahre alt und die Angebote hielten sich in Grenzen. Es hat sich nichts mehr ergeben.

Wie ging es weiter?

Bönig: Ich bin ins Berufsleben zurückgekehrt und arbeite nun seit einigen Jahren als Technischer Redakteur bei einem Zulieferer für die Pharmaindustrie. Das heißt, ich konzipiere, erstelle und aktualisiere technische Dokumentationen. Es war für mich ein Quereinstieg, aber ich komme hervorragend zurecht. Dem Fußball wollte ich dennoch unbedingt treu bleiben. Deshalb habe ich parallel damit begonnen, Trainerscheine zu erwerben. In meiner Heimat hatte ich zunächst eine Jugendmannschaft bei der JFG Sempt Erding übernommen.

Hatten Sie vor Ihrer Tätigkeit als Technischer Redakteur auch schon andere Berufe kennengelernt?

Bönig: Während meiner Zeit im Nachwuchsbereich des FC Bayern München Ende der Neunzigerjahre habe ich eine Ausbildung zum Hörgeräteakustiker absolviert. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich mich irgendwann erneut der Hörgeräteakustik widme. Auch meine Frau hat diesen Job erlernt und wir hatten immer mal geplant, uns in diesem Bereich gemeinsam selbstständig zu machen.

Auch als Fußball-Trainer waren Sie fleißig, mittlerweile sind Sie in Besitz der A-Lizenz und betreuen den BFC Wolfratshausen. Warum entschieden Sie sich im zurückliegenden Sommer für einen Wechsel in die 6. Liga?

Bönig: Ich hatte dem Verein bereits die Zusage gegeben, als er noch in der Bayernliga um den Klassenverbleib kämpfte. Dass Wolfratshausen es nicht geschafft hat, war extrem schade. Unabhängig vom Abstieg war ich aber davon überzeugt, dass es für mich ein hervorragender Trainereinstieg im Herrenbereich wäre. Und ich habe Recht behalten. In den zurückliegenden Monaten habe ich viel gelernt und mich als Trainer weiterentwickelt.

Für Wolfratshausen geht es auch in der Landesliga Südwest gegen den Abstieg. Woran liegt das?

Bönig: Es ist eine schwierige Zeit für den Verein, der Abstieg aus der Bayernliga war hart für die Spieler. Wenn es dann auch eine Liga drunter ähnlich weitergeht, ist das für das Selbstvertrauen nicht gerade förderlich. Wir haben in dieser Saison oft geführt, aber diese Spiele dann zu selten gewonnen. Umso größer war die Erleichterung nach dem jüngsten 4:1-Auswärtserfolg beim SC Olching. Wir haben stark gespielt und nach langer Zeit endlich mal wieder dreifach gepunktet. Diesen Schwung wollen wir jetzt mit in den Endspurt nehmen.

Dass Sie den Verein im Sommer verlassen, steht bereits fest. Sie wechseln zum VfR Garching in die Regionalliga Bayern. Ist es Ihnen daher umso wichtiger, den Klub vor dem zweiten Abstieg in Folge zu bewahren?

Bönig: Auf jeden Fall. Wir möchten in den anstehenden Wochen den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft des Vereins legen. Der Klassenverbleib würde für meinen Co-Trainer Michael Rödl, der zur kommenden Saison meine Nachfolge antreten wird, auch einen entspannteren Start in seine Amtszeit bedeuten.

Auch Garching kämpft gegen den Abstieg, hat derzeit vier Zähler Vorsprung auf die Relegationsplätze. Wie intensiv verfolgen Sie bereits das Geschehen in der höchsten bayerischen Amateurliga?

Bönig: Ich habe die Ergebnisse und die Tabellensituation in der Regionalliga Bayern im Blick und war auch schon einmal bei meinem künftigen Verein im Stadion, um mir ein Spiel live anzuschauen. Was Trainer Daniel Weber in den vergangenen Jahren beim VfR Garching aufgebaut hat, finde ich sensationell. Dafür gebührt ihm größter Respekt. Die Mannschaft befindet sich zwar noch in Abstiegsgefahr, ist aber auf einem sehr guten Weg. Ich bin mir sicher, dass der VfR in der Liga bleiben wird.

Die Kaderplanung für die anstehende Saison läuft bereits. Wie sehr sind Sie schon involviert?

Bönig: Mein Fokus liegt zwar auf dem Abstiegskampf mit Wolfratshausen, aber die Kaderplanung in Garching ist auch schon seit einigen Wochen ein Thema. Ich stehe zur Sportlichen Leitung regelmäßig in Kontakt. Es ist derzeit eine intensive Zeit, das Telefon ist im Dauereinsatz. (lacht)

Während Ihrer aktiven Zeit spielten Sie elf Jahre im Ruhrgebiet - zunächst für den MSV Duisburg und dann lange für den VfL Bochum. Jetzt sind Sie wieder in der Nähe Ihrer Heimat Erding tätig. Hatten Sie die als Spieler vermisst?

Bönig: Ein wenig schon, weil meine Familie und viele Freunde in Erding leben. Allerdings habe ich mich im Ruhrgebiet äußerst wohl gefühlt, die Mentalität der Menschen dort finde ich klasse. Ich bin mittlerweile ein bayerischer Ruhrpottler. (lacht) Vor allem zum VfL Bochum habe ich eine spezielle Verbindung aufgebaut. Es waren aufregende neun Jahren mit Höhen und Tiefen - der Einzug in den damaligen UEFA-Pokal in der Saison 2003/2004 gehörte zu den Höhepunkten.

Beendet haben Sie Ihre Laufbahn bei Ferencváros Budapest in Ungarn unter der Regie des jetzigen Hannover 96-Trainers Thomas Doll. Wie war Ihr Verhältnis zueinander?

Bönig: Sehr gut. Als Thomas Doll nach Budapest kam, war ich noch der einzige deutsche Spieler im Team. Ich war einer seiner ersten Ansprechpartner und habe ihm viel über den Verein, die Stadt und das Land erzählt. Wir haben uns immer gut verstanden. Seine Zeit bei Ferencváros war insgesamt von großem Erfolg geprägt, immerhin holte er in weniger als fünf Jahren einmal die Meisterschaft und dreimal den Pokal. Als er jetzt im Januar die Chance bekam, in die Bundesliga zurückzukehren, habe ich mich sehr für ihn gefreut. Darauf hatte er lange hingearbeitet. Dass es bisher nicht rund lief, die sportliche Wende ausblieb und er mit Hannover wohl den Gang in die 2. Liga antreten muss, ist schade.

Vergleichen Sie sich als Trainer doch einmal mit Thomas Doll.

Bönig: Wir sind uns insofern ähnlich, dass wir beide gelegentlich noch wie ein Spieler denken. Wir können uns gut in unsere Spieler hineinversetzen und sprechen viel mit ihnen. Grundsätzlich möchte ich mich aber noch lange nicht mit ihm vergleichen. Ich bin ein junger und unerfahrener Trainer, der aber sehr lernwillig ist. In Garching bekomme ich nun erst einmal eine hervorragende Möglichkeit, den nächsten Schritt zu machen. 

Sie kamen in Ihrer Karriere zu 140 Bundesliga-Einsätzen, mit Budapest wurden Sie Pokalsieger, mit Bochum spielten Sie im UEFA-Pokal. Welche Ziele verfolgen Sie als Trainer?

Bönig: Es ist schwer, sich im Fußballgeschäft langfristige Ziele zu setzen - das habe ich bereits in meiner Laufbahn als Spieler mehrfach feststellen müssen. Diese Branche ist so schnelllebig, dass sich in nur kurzer Zeit alles verändern kann. Daher kann ich nur eines tun: Jeden Tag alles geben, hart arbeiten und mich stetig verbessern. Ich bin selbst gespannt, wohin meine Reise als Trainer gehen wird.

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