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|10.08.2018|13:30

Das große Spiel: Drochtersen/Assel erwartet Rekordsieger Bayern

"Gallisches Dorf" im DFB-Pokal: Die SV Drochtersen/Assel empfängt den FC Bayern[Foto: 2017 Getty Images]

Die SV Drochtersen/Assel ist so etwas wie das gallische Dorf der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals : mit einem scheinbar übermächtigen Gegner, aber dennoch gut drauf und voller Vorfreude. Ob es auch mit dem Gewinnen klappt? Am 18. August (ab 15.30 Uhr) kommt der FC Bayern in den Norden. Ein Besuch in einem Ort, der noch nie so ein großes Spiel erlebt hat.

Auf den ersten Blick erscheint Drochtersen nicht wirklich wie ein Ort, an dem bald ein großes Fußballspiel stattfinden wird. Die 11.500-Einwohner-Gemeinde in Niedersachsen, etwa 45 Kilometer nordwestlich von Hamburg gelegen, war bislang vor allem im Tourismus bekannt. Die Elbinsel Krautsand ist wegen des vier Kilometer langen Sandstrandes ein beliebtes Reiseziel. In diesen Tagen allerdings wird hier über nichts anderes gesprochen als über Fußball. "Seitdem das Los FC Bayern München gezogen wurde, ist die Vorfreude riesengroß", sagt Annette Tiedemann, die in Drochtersen aufgewachsen ist und gemeinsam mit ihrem Mann eine Gärtnerei führt. "Der Bekanntheitsgrad Drochtersens ist dadurch noch einmal gestiegen. Ich muss niemandem mehr erklären, wo dieser Ort liegt", fügt sie lachend hinzu.

Video: Die Bayern kommen: Drochtersen außer Rand und Band

Bürgermeister begeistert

Der hier ansässige Regionalligist SV Drochtersen/Assel scheint das Pokal-Glück gepachtet zu haben. Erst zwei Jahre ist es her, als der Bundesligist Borussia Mönchengladbach in der 1. Runde des DFB-Pokals zu Gast war und nur knapp mit 1:0 gewann . Nun kommt der Rekordmeister und Rekordpokalsieger. "Für das Image unserer Gemeinde ist dieses Pokalspiel ein absoluter Gewinn", sagt Bürgermeister Mike Eckhoff. Der Verein hätte die Partie auch in Hamburg austragen können, zum Beispiel im Millerntor-Stadion des FC St. Pauli, um mehr Zuschauer und somit höhere Einnahmen zu erzielen. Doch der Verein zog es vor, im eigenen Dorf zu bleiben. Die Bayern werden ihr Auswärtsspiel also dort bestreiten, wo ansonsten Regionalligaspiele gegen den SSV Jeddeloh II oder den 1. FC Germania Egestorf/Langreder stattfinden: im Kehdinger Stadion.

Eigentlich passen hier nur rund 3000 Zuschauer hinein. Dank Zusatztribünen werden es gegen die prominenten Gäste aus dem Süden rund 7500 sein. Nicht viel, wenn man den großen Andrang bedenkt. Wer kein Vereinsmitglied oder bei einem der örtlichen Sponsoren angestellt ist, hatte kaum eine Chance auf ein Ticket, so viele gab es halt nicht. Das tut der Vorfreude auf Superstars wie Thomas Müller oder Manuel Neuer allerdings keinen Abbruch.

Bürgermeister Eckhoff ist begeistert, wie sehr sich die Einwohner in die Vorbereitung eingebracht haben: "Selbst wenn die Leute nicht im Stadion sein können, sehen alle die Bedeutung des Spiels und stellen die eigenen Interessen hinten an. Ob es nun die Verkehrsüberwacher sind, die sich um die Parkplatzsituation kümmern und dann höchstens die zweite Halbzeit im Fernsehen gucken können, oder die vielen anderen Arbeitskräfte." Alle verbindet die Hoffnung, dass das Pokalspiel einen nachhaltigen Wert für die Gemeinde haben wird. "Vielleicht erkennen dann noch mehr Menschen, wie schön es hier ist und dass man aufgrund unserer Nähe zur Elbe bei uns einen schönen Urlaub verbringen könnte", sagt Eckhoff.

"Wir sind D/A"

Wie sehr die örtliche Wirtschaft von einem Pokalspiel profitieren kann, hat auch Metzger Wolfgang Krause erlebt. Seit der Pokalauslosung vor zwei Jahren, als die SV Drochtersen/Assel den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach zog, hat er eine der bekanntesten Stadionwürste Deutschlands. Krause erzählt, dass er dies dem DFB-Präsidenten Reinhard Grindel zu verdanken hat: "Herr Grindel war hier bei einem Spiel zu Besuch und hat damals eine Bratwurst gegessen, von der er sehr angetan war. Bei der Pokalauslosung hat er dann im Fernsehen gesagt, dass die Stadionwurst in Drochtersen zu empfehlen ist." Eine bessere Werbung hätte es kaum geben können. "Seitdem probiert hier fast jeder Auswärtsfan die Wurst", sagt Krause lachend. Das Geheimnis hinter dem guten Geschmack ist simpel: Es handelt sich um keine industriell gebrühte Wurst, sondern um eine frisch zubereitete. "Und das schmeckt man auch", sagt der Metzger. Bei einem normalen Regionalligaspiel werden ungefähr 600 Würste verkauft. Bei dem DFB-Pokalspiel gegen die Bayern werden es fünf- bis sechsmal so viele sein.

Die SV Drochtersen/Assel, 1977 als Zusammenschluss aus TVG Drochtersen und VTV Assel entstanden, seit 2015 Regionalligist und dort in der vergangenen Spielzeit Zwölfter, ist tief in das Dorf verankert. Wenn man durch die kleine Einkaufsstraße schlendert und sich mit den Leuten unterhält, bekommt man fast das Gefühl, jeder hat irgendeine Verbindung zu dem Verein. Da sind die vielen kleinen Geschäfte, die als Sponsor auftreten, oder der örtliche Sportartikelhändler, der in den vergangenen Wochen damit beschäftigt war, die Trikots für das DFB-Pokalspiel zu präparieren. In die Poststelle wiederum ist der Fanshop integriert, der sich mit dem Sortiment eines Zweitligisten messen könnte. Ob Shirt oder Jacke, Tasse oder Rucksack, Wimpel oder Fahne, Mousepad oder Badelatschen – unzählige Produkte sind mit dem Vereinsslogan "Wir sind D/A“ bedruckt. Zu den Bestsellern zählen die Caps, von denen etwa 100 Stück im Jahr verkauft werden.

"Das ganze Dorf ist stolz auf diesen Verein"

Rund um das Pokalspiel gegen die Bayern dürften die Verkaufszahlen noch einmal steigen. "Das ganze Dorf ist stolz auf diesen Verein. Für einen Ort dieser Größenordnung ist es eben etwas Besonderes, einen Regionalligisten zu haben, der dann auch noch im DFB-Pokal vertreten ist", sagt Bürgermeister Eckhoff.

Alexander Neumann weiß aus Erfahrung, wie viel Freude ein Pokalspiel gegen den FC Bayern München auslösen kann. Der Stürmer der SV Drochtersen/Assel traf vor fünf Jahren schon einmal auf den aktuellen Deutschen Meister. Damals unterlag er mit dem BSV Schwarz-Weiß Rehden 0:5. "Wenn die Bayern kommen, steht das ganze Dorf Kopf. Fast jeden Tag war irgendein Fernsehteam vor Ort. Das war damals in Rehden so und ist jetzt in Drochtersen nicht anders", erzählt der ehemalige deutsche U 20-Nationalspieler. Häufig wird er von seinen Mitspielern gefragt, wie sich ein Spiel gegen die erfolgreichste deutsche Mannschaft so anfühlt. "Ich kann dann immer nur sagen: Man läuft sehr viel hinterher und hat nur selten den Ball. Und wenn man ihn einmal hat, dann ist man total aus der Puste, weil man eben so viel gelaufen ist", sagt er lachend. "Rein fußballerisch betrachtet, macht es nicht so viel Spaß, gegen so eine dominante Mannschaft zu spielen. Aber es ist einfach ein super Erlebnis."

Das Ziel? Ein Tor!

Ein super Erlebnis wird es auch für Trainer Lars Uder sein. Der ehemalige DFB-Stützpunkt-Trainer übernahm erst zum 1. Juli die sportliche Verantwortung. Das Spiel gegen die Bayern ist für den 36-Jährigen eine der ersten Bewährungsproben. Dass es eine Niederlage geben wird, die etwas höher ausfällt als normal – klar, das kann passieren. "Trotzdem freuen wir uns alle riesig. Wir haben hier viele Bayern-Fans. Nun treffen die Spieler auf ihre eigenen Idole", sagt der Trainer. "Es kommt auf die Laufbereitschaft, den Willen und das gemeinsame Agieren an. Wir wollen einfach zeigen, dass wir uns dieses Spiel verdient haben." Auf ein Wunschergebnis möchte er sich nicht festlegen, "aber wir würden gerne ein Tor schießen."

Wie auch immer das Ergebnis ausfallen wird: Aufgrund des ganzen Pokal-Spektakels ist die SV Drochtersen/Assel ohnehin ein Gewinner. Zumal der Verein auch die Pokaleinnahmen gut gebrauchen kann. "Es ist nicht einfach, den Etat für unsere Regionalligamannschaft zu erfüllen", sagt Rigo Gooßen, der seit 37 Jahren der Präsident des Vereins ist. "Wir sind als Dorfverein nicht mit ganz großen Sponsoren gesegnet, sondern haben eher viele kleine. Daher tun uns die Einnahmen richtig gut. Es ist fantastisch, was wir als Dorfverein hier auf die Beine gestellt haben."

Ein Aufstieg in die 3. Liga wird mittelfristig kein Thema sein, weil die Infrastruktur und das Budget dies nicht zulassen. So gesehen dürfte das Duell gegen die Bayern noch in Jahrzehnten als das größte Fußballspiel in der Geschichte Drochtersens in Erinnerung bleiben. Dementsprechend stolz ist jeder, der ein Teil dieses Spiels sein darf – ob nun als Spieler, als Präsident, als Würstchenverkäufer oder notfalls eben auch als Verkehrsüberwacher.

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