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Kultfigur Jochen Werther |29.04.2016|09:45

Edelfan Werther: Koblenzer Kuhglocken-Legende

Ohne geht nicht: Jochen Werther vom TuS Rot-Weiß Koblenz mit seiner Kuhglocke. [Foto: privat]

Wenn der Anpfiff ertönt, ist Jochen Werther in seinem Element. Sich selbst beschreibt er gerne als „Hardcore-Fan“, der Verein gab ihm die Bezeichnung „Edelfan“. Sein Markenzeichen ist eine original Kuhglocke aus Bayern, mit der er lautstark das Team von TuS Rot-Weiß Koblenz anfeuert – und die gegnerischen Anhänger zur Weißglut treibt. „Denen geht mein Gebimmel mächtig auf die Nerven. Aber das ist mir egal, ich lasse mir meine Glocke nicht abnehmen. Wer das einmal wagt, dem schlage ich das Ding einfach über den Kopf“, sagt unsere FUSSBALL.DE-Kultfigur der Woche mit frecher Zunge.

"Wenn es in Richtung gegnerischen Strafraum geht und ich merke, dass gleich ein Tor fallen könnte, bin ich am Bimmeln"

Natürlich meint Jochen Werther das nicht ernst. „Ach, Späßchen gehören doch einfach auch zum Fußball dazu“, sagt der 58-Jährige und greift nach seiner Kuhglocke. „Rot-Weiß, Rot-Weiß“, hallt es im Wechsel mit einem ohrenbetäubenden Geläute über den gesamten Sportplatz. „Wenn es in Richtung gegnerischen Strafraum geht und ich merke, dass gleich ein Tor fallen könnte, bin ich am Bimmeln“, erklärt Werther. Mit mehr als 90 Treffern ist Rot-Weiß Koblenz die mit Abstand torgefährlichste Mannschaft der Rheinlandliga , da bleibt es nicht aus, dass Werther nach Spielschluss vom vielen Läuten auch schon mal mächtig Muskelkater in den Armen bekommt. „Im Grunde genommen bin ich ja fast pausenlos mit meiner Glocke beschäftigt und habe im wahrsten Sinne des Wortes beide Hände voll zu tun. Aber das ist auch gut so und mir lieber, als wenn ich nichts zu läuten hätte“, sagt Werther.

Vor mehr als 40 Jahren hatte ihm sein Vater die Kuhglocke in Garmisch-Partenkirchen gekauft. Werther erinnert sich zurück: „Wir haben uns damals ein Eishockeyspiel angeschaut, dort kam die Glocke erstmals zum Einsatz. Irgendwann wurde sie dann zu meinem Markenzeichen.“ Zu Anfangs riss sich der leidenschaftliche Motorsportfan an der sperrigen und unhandlichen Glocke jedes Mal die Fingerknöchel auf: „Das war ganz schön schmerzhaft.“ Doch Werther wusste sich zu helfen. „Ich habe einfach einen Handgriff montiert“, berichtet er und deutet auf den U-förmigen Bügel. „Als gelernter Handwerker war das für mich schnell gemacht. Damit konnte ich dann viel besser läuten.“

Dass Jochen Werther Jahre später sein Herz an den Koblenzer Vorstadtklub verlieren sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnen. Aber irgendwie musste es einfach so kommen. Ihre Spiele tragen die Rot-Weißen im Stadtteil Oberwerth aus, für Jochen Werther also rein vom Namen her schon ein „Heimspiel“. Und tatsächlich wohnt der 58-Jährige keine fünf Autominuten vom Sportplatz entfernt. Dennoch habe er sich mit dem Klub „nie so wirklich beschäftigt. Ich wusste natürlich, dass es den Verein gibt, mehr aber auch nicht. Bis eben zu diesem einen Tag.“ Werther war gerade auf dem Heimweg, als um die Ecke auf dem Kunstrasenplatz der Ball rollte. Neugierig verfolgte er das Geschehen. Ihm gefiel, was er da sah. Das flotte Spiel der Heimelf, die familiäre Atmosphäre unter den Zuschauern, einfach das ganze Drumherum. Werther: „Nach so einem Verein hatte ich mich in all den Jahren schon immer gesehnt.“ Niemand kannte bis dato den Mann mit dem markanten Schnauzbart und der Kuhglocke – und doch schien es so, als sei er schon immer ein Teil des Vereins gewesen. „Kommst du das nächste Mal wieder?“, fragte ihn ein Spieler nach dem Schlusspfiff beim Abklatschen.

Jochen Werther kam – und ist inzwischen nicht mehr wegzudenken. Selbst auf das Mannschaftsfoto darf der Edelfan jedes Jahr mit drauf. „Was der Jochen an Strecken zurücklegt, ist einfach nur der Wahnsinn. Eigentlich müsste er vom Verein Kilometergeld bekommen“, sagt Torwart-Trainer Michael Schneider mit einem Schmunzeln. Egal ob Bälle beim Training einsammeln, die Eckfahnen vor dem Spiel aufstellen oder Spieltagsplakate in der Stadt verteilen – der 58-Jährige hilft, wo immer er kann. „So bleibe ich ständig in Bewegung, das ist für mich und meine Gesundheit wichtig“, sagt Werther, der vor neun Jahren an Multiple Sklerose erkrankt ist. „Das Tolle an den Jungs ist, dass sie mich trotz meiner Krankheit ganz normal behandeln. Ich bin voll integriert in der Mannschaft und nicht nur einfach ein Anhängsel. Das baut einen natürlich ungemein auf und gibt neuen Lebensmut.“

Mit seiner lockeren, überaus sympathischen Art kommt Jochen Werther nicht nur bei den Spielern, sondern auch bei deren Freundinnen gut an. Selbst die ehemalige Nationalspielerin Celia Sasic, Frau von Rot-Weiß-Co-Trainer Marko, ist vor seinem Charme nicht sicher. Werther: „Vor kurzem habe ich Celia zufällig beim Einkaufen in der Stadt getroffen. Eine ganz Nette ist das. Am nächsten Tag kam sofort der Marko zu mir und meinte: ‚Jochen, hast du wieder meine Frau angebaggert?‘“ Werthers saloppe Antwort: „Tja, tut mir leid. Aber wer kann, der kann.“

Bleibt zum Schluss noch die Frage zu klären, wer ihm eigentlich die Bezeichnung „Edelfan“ gab. Jochen Werther zuckt mit den Schultern: „Ja, wer hat mir diesen Namen verliehen? Ich weiß es nicht mehr, ich mir selbst auf jeden Fall nicht. Einer von den Jungs hat mal zu mir gesagt: ‚Mensch Jochen, du bist so ein richtiger Edelfan!‘ Tja, seitdem bin ich für alle nur noch der Edelfan von Rot-Weiß Koblenz“, grinst Jochen Werther, ehe er im nächsten Moment höflich aber bestimmt das Gespräch beendet: „So, jetzt aber genug geplaudert. Schließlich muss ich das Team anfeuern.“ Dann nimmt er tief Luft und holt mit dem rechten Arm kräftig aus: „Rot-Weiß – Klingelingeling, Rot-Weiß – Klingelingeling...“

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Folge 87: Steven Zepeda: Bisschen Badstuber, bisschen Tuchel

Folge 86: Josef Ring: Das Urgestein aus der Vulkaneifel

Folge 85: 75 Jahre Mitglied: Stralkowski ist “Die Eins”

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Folge 81: Esad Kahric: Der Thomas Schaaf der Bayernliga

Folge 80: Globetrotter Schick: Fußball in der Favela

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