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Ex-Profi |21.12.2019|16:00

Eike Immel: "Mir geht es gut"

Eike Immel: "Ich lebe im Heute und im Heute fühle ich mich wohl".[Foto: Getty]

Eike Immel hat schwere Zeiten hinter sich. Um wieder auf die Beine zu kommen, ging der ehemalige Nationaltorwart vor drei Jahren zurück in seine hessische Heimat. Mit den dunklen Stunden und den bitteren Schlagzeilen hat er abgeschlossen – so gut es geht. Und er ist zurückgekehrt auf den Fußballplatz. Ein "Heimspiel", das Mut machen kann.

Und dann sprudeln die Erinnerungen. Hier war das Zimmer der Großeltern, hinter dem Fenster die Stube mit dem Fernseher. Da oben links, auf der Rückseite, da war das Kinderzimmer, sein Kinderzimmer. Eike Immel (59) steht vor dem elterlichen Hof in Erksdorf im Landkreis Marburg-Biedenkopf und reist 50 Jahre in die Vergangenheit. Er ist jetzt wieder Kind. Mit seinem Vater, der selber ein guter und in der Gegend bekannter Fußballer war, hat er auf dem Hof gespielt, mal auch in der Stube, in der einiges zu Bruch ging, mit Freunden auf der kurvigen Straße. Ein Unfall ist dabei nie passiert. "Ich hatte eine richtig schöne Kindheit", sagt Immel. Auf dem Hof half er mit, manchmal gern, manchmal weniger, manchmal gar nicht. Es gab mal eine Zeit, in der der Plan von Immel senior vorsah, dass Immel junior den Hof später übernehmen würde. "Mir war aber eigentlich immer klar, dass ich das verhindern will", sagt Immel.

Erksdorf in Stadtallendorf – das ist für Immel Vergangenheit und Gegenwart. Mit 15 Jahren verließ er das Elternhaus und seinen Verein Eintracht Stadtallendorf Richtung Dortmund; er ging in die Jugend des BVB, um Karriere als Fußballtorwart zu machen. Mit 56, vor drei Jahren, kehrte er zurück, um sein Leben wieder zu ordnen.

Insolvenz und Dschungelcamp

Eike Immels Geschichte lässt sich schnell erzählen. Fußballstar, Nationaltorwart, Deutscher Meister, berühmt, reich; hoch geflogen. Danach: Insolvenz, Drogen, Rotlicht, Dschungelcamp; tief gefallen. Immels Absturz vollzog sich öffentlich, sein Scheitern wurde ausgeschlachtet. Die Öffentlichkeit konnte sich an seinem Leid weiden, Immel hat viel und im Rückblick zu viel mitgemacht und mit sich machen lassen. Nach und nach wurde es ruhiger um ihn, schließlich wurde es fast ganz still, sein Absturz war auserzählt, die Tiefen seines Lebens ließen sich nicht weiter zu Schlagzeilen und damit für andere zu Geld machen. 

Und nun? Ist Immel wieder da. Beim Jahrestreffen des Clubs der Nationalspieler im September in Hamburg im Rahmen des Länderspiels gegen die Niederlande tauchte er für viele überraschend wieder auf. Zu den Überraschten gehörte auch er. Mehrmals zuvor hatte er die Einladung angenommen und in letzter Sekunde einen Rückzieher gemacht. Diesmal nicht. Und Immel kann nicht genau begründen, warum. Es war einfach so weit. Er war einfach so weit. Für ihn war dieser Schritt bedeutend. Vor allem die ausschließlich positive Resonanz, die er erhalten hat. "Alle haben sich gefreut, mich zu sehen", sagt er. Genauso war es wenig später in Dortmund, als er sich im Rahmen des Regionalen CdN-Treffens beim Länderspiel gegen Argentinien schon wieder fast selbstverständlich im Kreis der ehemaligen Nationalspieler bewegte. Immel ist also wieder da. Und mit ihm viele Fragen: Wie geht’s es ihm, wie sieht sein Leben heute aus, und was ist wirklich dran an den vielen Geschichten?

Weg zurück aus dem Abgrund

Das "Heimspiel" mit Immel beginnt im Hotel Bärenhof in Stadtallendorf. Für ihn ist dieses Hotel eine wichtige Station seines Lebens, eine Zeitlang hat er hier gewohnt, mittlerweile wohnt er in einer Zwei-Zimmer-Wohnung ein paar Schritte entfernt. Im Restaurant des Bärenhofs aber ist er noch immer häufiger und gern gesehener Gast. So wie jetzt. Immel trinkt einen Schluck Kaffee, rückt die Tischdecke gerade und beginnt zu erzählen. Und je mehr er erzählt, desto mehr zerbröseln die Vorurteile. Die schnell erzählte Geschichte hat in Wahrheit zu viele Facetten, um schnell erzählt zu werden. Immel weiß, welche Assoziationen viele Menschen noch immer haben, wenn sie den Namen Eike Immel hören. Er weiß auch, dass er diverse Fehler begangen hat und mehr als einmal falsch abgebogen ist. Aber er hat auch viele Sachen nicht gemacht, die ihm noch immer zur Last gelegt werden. Am meisten trifft ihn "die Kokain-Geschichte", wie er es nennt. Immel war angeklagt, in einem Bordell in Schwerte in 78 Fällen Kokain für den Eigenbedarf erworben zu haben. Der Prozess erregte Aufsehen, na klar – ein ehemaliger Nationaltorwart im Rotlicht- und Drogensumpf. Weniger Aufsehen erregte sein kompletter Freispruch. Die Geschichte ist komplex, aber im Ergebnis ganz simpel. Die Hauptbelastungszeugin versicherte während des Prozesses an Eides statt, dass sie gelogen habe. "Ich habe nie Drogen genommen", sagt Immel, "und ich war auch nie ein Puffgänger."

Auf seine Zeit im Dschungel im Jahr 2008 blickt Immel differenziert. Er findet nicht, dass er in Australien seine Würde verloren hat. Er war, wie er ist: offen, sympathisch, herzlich. Immel glaubt schon, dass ihm sein Auftritt in der RTL-Show mehr Freunde als Feinde gemacht hat. Aber Immel weiß auch, dass auf lange Sicht Bilder von Ratten, die über sein Gesicht laufen, keine Hilfe dabei sind, von den Menschen wieder als seriös wahrgenommen zu werden.

Immel: "Ich hab' wieder Bock"

Neben den diversen Unwahrheiten, die über ihn kursieren, gibt es auch bittere Wahrheiten. Dazu gehört seine Insolvenz, die Schulden. Und natürlich stellt auch er sich noch immer hin und wieder die Frage, wie das passieren konnte, wo die Millionen geblieben sind. Ihm wurden falsche Investitionen, falsche Freunde und falsche Entscheidungen zum Verhängnis. Und seine Naivität. Nur ein Beispiel: Ziemlich am Beginn seiner Zeit in Dortmund, als die ersten großen Überweisungen auf seinem Konto eingingen, unterliefen dem damals noch jungen Torhüter Fehler mit weitreichenden Folgen. Er investierte in Luxuswohnungen, als Steuersparmodell war ihm dies empfohlen worden. Und weil Immel ungern halbe Sachen macht, investierte er richtig. Er kaufte nicht eine Wohnung wie andere, Immel schlug sechsfach zu. Das Problem mit den Wohnungen: Es waren Luxus-Wohnungen in Hagen-Haspe, einem sozialen Brennpunkt. Heute sagt Immel: "Das ist wie sozialer Wohnungsbau in Monte Carlo." Nur umgekehrt. Konnte nicht funktionieren, hat nicht funktioniert. Seine gesamten Einnahmen aus seiner Dortmunder Zeit von 1977 bis 1986 gingen letztlich dafür drauf. "Schöner Scheiß", sagt Immel.

Beispiele wie diese finden sich viele. "Ich hatte zehn Lebensversicherungen", sagt Immel. Und wenn es wahrscheinlich auch nicht zehn waren, so lässt sich mit Sicherheit behaupten, dass es eine Zeit gab, in der nur wenige Menschen so gut versichert waren wie Eike Immel. Einmal hat ihm das sogar geholfen. Zu seiner Zeit in Dortmund wurde sein Haus komplett ausgeräumt. "Versicherungen sträuben sich ja gern, Schäden zu übernehmen", sagt Immel. "Aber ich war so gut versichert – bei mir haben die sich das nicht mehr getraut." Immel lacht bei dieser Erzählung. Überhaupt ist das eine Botschaft des "Heimspiels" beim 19-maligen Nationalspieler: Er hatte schwere Zeiten, aber er ist nicht in die Knie gegangen, nicht gebrochen. Immel ist wieder da, ihm geht es gut. "Ich hab‘ wieder Bock", sagt er und meint damit: den Fußball. Und das Leben.

Dafür gibt es viele Ursachen. Eine ist seine "zweite Geburt" im Jahr 2016. So fühlt sich für Immel das schmerzfreie Leben an, das ihm durch zwei künstliche Hüftgelenke möglich ist. Wegen einer Hüftkopfnekrose hatte er seine aktive Karriere 1997 nach Stationen bei Borussia Dortmund und dem VfB Stuttgart bei Manchester City beendet müssen. Die Schmerzen wurden immer schlimmer, schließlich war er sogar nicht mehr in der Lage, als Trainer oder Torwarttrainer zu arbeiten. Zuvor hatte er dies erfolgreich getan. Als verantwortlicher Coach des VfR Heilbronn, mit dem er 1999 in die Oberliga Baden-Württemberg aufstieg. An der Seite von Christoph Daum hat er bei Besiktas Istanbul, Austria Wien und Fenerbahxe Istanbul die Torhüter trainiert. Unter ihm wurde Volkan Demirel türkischer Nationaltorwart, in Österreich hatte er unter anderem Robert Almer unter seinen Fittichen, der später Österreichs Nummer eins wurde.

Schmerzfrei nach überfälliger Operation

Vor drei Jahren die überfälligen Operationen im St. Josefs Krankenhaus in Gießen, die für ihn ein körperlicher und mentaler Befreiungsschlag waren. Seitdem Immel wieder schmerzfrei gehen kann, geht es mit ihm bergauf. "Es fühlt sich fantastisch an", sagt er, "ich hätte das schon viel früher machen sollen. Ich habe 20 Jahre verloren wegen meiner starken Schmerzen. Ich konnte nicht mehr aufrecht stehen und bin gelaufen wie ein Opa."

Ein weiterer Grund, warum Immel gut gelaunt in Stadtallendorf empfängt, sitzt während des Gesprächs neben ihm im Bärenhof: Wolfgang Schratz. Der Stadtallendorfer Unternehmer hat Immels Sturz aus der Ferne verfolgt und konnte nicht fassen, dass niemand dem prominentesten Sohn der Stadt Hilfe zukommen ließ. Schließlich beschloss er, dies selbst zu tun. Also griff er zum Telefon und wählte Immels Nummer. Der erste Versuch scheiterte. Immel fühlte sich nicht bereit für die Rückkehr in die Heimat. Er traute sich nicht, Immel befürchtete, nicht überall mit offenen Armen aufgenommen zu werden.

Als er noch ein Star war, berühmt und reich, da ließ er die Kontakte in die Heimat irgendwann abreißen. "Natürlich war das nicht richtig", sagt Immel. Der Immel von heute kann dem Immel von damals dieses Verhalten aber nachsehen. Je berühmter er wurde, desto anstrengender wurden die raren Augenblicke, die er zu Hause verbringen konnte. Immel war eine Attraktion, jeder wollte sich mit dem berühmten Torhüter schmücken. Immel erzählt es so: "Gefühlt stand jedes Mal ein Klassentreffen an, wenn ich zu Hause in Erksdorf war." Es sprach sich schnell herum, wenn er mit einem seiner teuren Autos auf dem elterlichen Hof parkte. Und schnell standen neben seinem Auto viele andere Fahrzeuge und aus dem gemütlichen Abend mit der Familie wurde unfreiwillig ein mittelgroßes Fest. "Es war dennoch falsch, dass ich mich komplett zurückgezogen habe", sagt Immel. "Es hätte auf jeden Fall einen Weg gegeben, dies anders zu lösen."

Torwarttrainer für den ganzen Verein

Heute ist Immel sehr froh, dass er die Hilfe, die ihm in Stadtallendorf angeboten wurde, nach einigem Zögern doch angenommen hat. Über Wolfgang Schratz, der im Vorstand von Eintracht Stadtallendorf sitzt, fand Immel auch den Weg in seinen alten Verein. Heute besteht sein Leben wieder zu 90 Prozent aus Fußball. Wenn er nicht an seiner Biografie schreibt, steht er bei Eintracht Stadtallendorf auf dem Trainingsplatz und an den Wochenenden am Rande der Bande. Sieben Tage in der Woche arbeitet er als Torwarttrainer für alle Torhüter des Vereins und als Chefcoach der zweiten Mannschaft. Manchmal gibt er auch individuelles Torwarttraining für Talente aus der Region. Die Qualität seiner Arbeit blieb in und um Stadtallendorf kein Geheimnis, immer häufiger wollen auch externe Talente davon profitieren. "Mir macht die Arbeit großen Spaß", sagt Immel. Er ist sonst ein Zweifler, ein Grübler, die Nackenschläge haben ihn nachdenklich gemacht. Aber in dieser Sache ist sein Selbstvertrauen unerschütterlich. Mit Torhütern arbeiten, das kann er. "Ich weiß, wovon ich rede, ich weiß, wie Torhüter ticken. Ich erkenne Talent, ich erkenne Stärken und Schwächen. Ich kann begeistern, ich kann motivieren. Wenn mir etwas liegt, dann ist es die Arbeit mit Torhütern, darin bin ich einfach gnadenlos gut", sagt er.

Bei Eintracht Stadtallendorf sind sie sich bewusst, dass nicht ausgeschlossen ist, dass doch noch mal ein Verein anklopft aus der großen oder zumindest nicht kleinen Welt des Fußballs. Auch Immel schließt dies nicht aus, und natürlich würde es ihn reizen, sein Können noch einmal auch auf anderem Niveau zu zeigen. Aber Immel ist auch Realist. Er weiß um seine Vita, weiß um die Vorbehalte. Ihm ist bewusst, dass Vereine leichtere Wege gehen können, als ihm eine Chance zu geben. "Ich weiß aber, dass es niemand bereuen würde", sagt er. Eines ist für ihn ganz klar: Sollte ihn der Weg doch noch einmal woanders hinführen – die Verbindung nach Stadtallendorf wird er nicht erneut abreißen lassen. "Dieser Fehler passiert mir nicht noch einmal", sagt er.

Bei der Frage, wo er sich in fünf Jahren sieht, denkt Immel eine Weile nach und findet dann, dass er dieses Nachdenken überflüssig findet. "Ich muss hier nicht weg", sagt er. "Ich lebe im Heute und im Heute fühle ich mich wohl." Auch privat ist er glücklich. Er lebt gerne als Junggeselle, hat viel und guten Kontakt zu seinen beiden erwachsenen Kindern und zu seiner Mutter. Und finanziell? "Ich bin sehr zufrieden", sagt Immel. Er ist nicht reich, aber er hat gelernt, dass Materielles nicht glücksentscheidend ist. Er kann seine Rechnungen bezahlen, der Kühlschrank ist voll, der Kleiderschrank nicht leer. "Ich hatte schon erheblich mehr, ich hatte aber auch schon erheblich weniger", sagt Immel und schließt mit einem schönen Satz aus vier Worten: "Mir geht es gut."

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